Theodor Innitzer, o. Prof. Dr. theol.

25.9.1875 – 9.10.1955
geb. in Neugeschrei bei Weipert, Böhmen gest. in Wien

Funktionen

Senator Katholisch-Theologische Fakultät 1917/18
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1918/19
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1923/24
Rektor Katholisch-Theologische Fakultät 1928/29
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1931/32

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Ehrendoktorat Dr.iur. h.c. 1935/36 Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät
Ehrenzeichen Ehrenz. 1950/51 Katholisch-Theologische Fakultät
Stipendien/Preise/Stiftungen Kardinal-Innitzer-Studienfonds 1951 Katholisch-Theologische Fakultät
Stipendien/Preise/Stiftungen Kardinal-Innitzer-Preis 1971 Katholisch-Theologische Fakultät

Geboren als Sohn eines Textilarbeiters nahm Theodor Innitzer nach der Pflichtschule zunächst eine Lehre in einer Textilfabrik auf, bevor er – gefördert durch den Dechant seiner Heimatgemeinde Weipert – das Gymnasium in Kaaden an der Eger (Kadaň/CZ) besuchen konnte. Nach der Matura 1898 trat er ins Wiener Priesterseminar ein, begann ein theologisches Studium an der Universität Wien und wurde Mitglied der katholischen Studentenverbindungen K.Ö.H.V. Nordgau Wien im Cartellverband. 1902 wurde er zum Priester geweiht und betätigte sich als Kaplan in Pressbaum nahe Wien, kehrte jedoch bereits 1903 in das Priesterseminar zurück, wo er zunächst als Präfekt, ab 1910 als Studienpräfekt und später als Subregens wirkte. Am 16. Juli 1906 promovierte Innitzer an der Universität Wien bei Franz Xaver Pölzl zum Doktor der Theologie.

Bereits 1908 erfolgte an der Universität Wien seine Habilitation zum Privatdozenten und 1911 seine Ernennung zum ao. Professor. 1913 wurde er schließlich als Nachfolger seines Lehrers Pölzl zum Ordinarius für neutestamentliche Exegese berufen. In den Studienjahren 1918/19, 1923/24 und 1931/32 fungierte er als Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät sowie 1928/29 als Rektor der Universität Wien. Obwohl er sich offen zu seiner großdeutschen Einstellung bekannte, trat er als Rektor entschieden den nationalsozialistischen Studenten entgegen, die für gewalttätige Ausschreitungen verantwortlich waren.
Neben der Erarbeitung zahlreicher neutestamentlicher Bibelstudien war Innitzer redaktionell für die Zeitschrift „Der Seelsorger“ sowie „Christlich-pädagogischen Blätter“ tätig. Als Mitglied und später Generalsekretär der katholischen Leo-Gesellschaft gab er auch deren „Theologische Studien“ heraus.

Ab September 1929 fungierte Theodor Innitzer in der Regierung unter Bundeskanzler Johann Schober als Bundesminister für soziale Verwaltung und machte sich hier v.a. um die Verbesserung der Lebenssituation der Kleinrentner verdient – seine Tätigkeit endete jedoch bereits ein Jahr später mit dem Rücktritt Schobers.

Innitzer wandte sich zunächst wieder seiner Tätigkeit als Universitätsprofessor zu, wurde jedoch am 19. September 1932 von Papst Pius XI. zum Erzbischof von Wien ernannt – im gleichen Jahr auch zum Apostolischen Administrator des Burgenlandes. Die Bischofsweihe fand am 16. Oktober im Stephansdom statt und bereits am 13. März 1933 wurde Innitzer zum Kardinal ernannt. Er gründete außerdem im selben Jahr das Dom- und Diözesanmuseum.

Austrofaschismus und Nationalsozialismus

Die Ausschaltung des Parlaments im März 1933 sowie die nachfolgende Errichtung einer autoritären Diktatur unter Engelbert Dollfuß begrüßte Innitzer. Da Dollfuß sich bei der Organisation des „Ständestaats“ auf die berufsständische Ordnung der 1931 veröffentlichten Enzyklika „Quadragesimo anno“ berief und im Juni 1933 ein Konkordat mit Rom abschloss, entwickelte sich die katholische Kirche zu einer zentralen Stütze des austrofaschistischen Regimes. Innitzer, der mit Dollfuß in engem Kontakt stand, erwies sich als loyaler Anhänger. Nach der Dollfuß‘ Ermordung ließ dessen Nachfolger Kurt Schuschnigg an der Hohen Wand eine Kirche in Gedenken an den Verstorbenen errichten, die 1935 durch den Kardinal geweiht wurde.

Nach dem „Anschluss“ 1938 hoffte Innitzer auch auf ein vorteilhaftes Arrangement mit den Nationalsozialisten. Bereits wenige Tage nach dem Einmarsch, am 15. März 1938, stattete er Adolf Hitler im Wiener Hotel Imperial einen offiziellen Besuch ab. Gemeinsam mit den anderen Bischöfen unterzeichnete er drei Tage später die von Gauleiter Josef Bürckel verfasste „Feierliche Erklärung der österreichischen Bischöfe“, die die Leistungen des Nationalsozialismus für sozial schwache Schichten hervorhob und die ÖsterreicherInnen dazu aufrief, bei der Volksabstimmung am 10. April für den „Anschluss“ zu stimmen. Innitzer fügte der Erklärung handschriftlich die Worte „… und Heil Hitler!“ hinzu – das Dokument wurde in der Folge von der NS-Propaganda im gesamten deutschen Reich verbreitet.
Wie die anderen österreichischen Bischöfe sah Innitzer in den Nationalsozialisten u.a. eine willkommene Abwehr gegen den religionsfeindlichen „Bolschewismus“. Sein opportunistisches und naives Verhalten gegenüber rief viel Kritik im In- und Ausland hervor. Papst Pius XI. distanzierte sich vehement von der bischöflichen Loyalitätsbekundung und ließ Kardinal Innitzer am 6. April in Rom eine Klarstellung unterzeichnen.
Die Hoffnung auf eine gewinnbringende Kooperation mit den Nationalsozialisten erfüllte sich indes nicht: Kirchliche Vereine und Zeitungen wurden bald verboten, die Zivilehe eingeführt und das Konkordat aufgehoben, was Innitzer zu einer Distanzierung bewog. Am 7. Oktober 1938 hielt er im Stephansdom vor mehreren Tausend Jugendlichen eine Predigt, in der er Christus als „unsere[n] Führer“ bezeichnete und damit implizit den Hitlerkult in Frage stellte („Rosenkranz-Demonstration“). Tags darauf stürmte die Hitlerjugend das Erzbischöfliche Palais und verwüstete es, ohne dass die Polizei einschritt. 1940 richtete Kardinal Innitzer in seinem Palais die „Erzbischöfliche Hilfsstelle für nichtarische Katholiken“ ein und verhalf in den Folgejahren hunderten Verfolgten zur Flucht aus dem Machtbereich des NS.

Nachkriegszeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fokussierte Innitzer die kirchliche Arbeit auf die Bereiche Caritas, Seelsorge und Wiederaufbau. In der Tradition der 1938/39 aufgelösten Leo-Gesellschaft gründete er 1945 die Katholische Akademie und forcierte die Mitarbeit der Laien. 1948 erfolgte die feierliche Wiedereröffnung des Stephansdoms.

Aufgrund seiner politischen Exponierung während des Austrofaschismus und Nationalsozialismus wurde Innitzer jedoch von anderen Kirchenvertretern kritisch gesehen. Insbesondere Giovanni Dellepiane, ab 1949 Internuntius in Österreich, strebte danach, ihn zu entmachten. Der Kardinal erhielt 1950 den Koadjutor Franz Joachym zugeteilt, der in der Folge de facto die Diözese leitete. Fünf Jahre später starb der Theodor Kardinal Innitzer in Wien – er wurde in der Bischofsgruft des Stephansdoms beigesetzt.

Innitzer wurde bereits zu Lebzeiten für sein Wirken geehrt: Er erhielt am 7. März 1936 das Ehrendoktorat der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (Dr.iur. h.c.) und am 22. Dezember 1950 das Ehrenzeichen die Universität Wien.
Es folgten zahlreiche Benennungen in Erinnerung an den Kardinal, wie jene des 1951/52 erbauten Theodor-Innitzer-Hofs am Stephansplatz, dessen Fassade Innitzers Wahlspruch „In caritate servire“ trägt, sowie des 1957 erbauten Kardinal-Innitzer-Arbeiterwohnheims (Wien 3, Göllnergasse). Aus einem von Innitzer angeregten „Hilfsfonds“ für den Nachwuchs katholischer Akademiker entstand 1962 der Kardinal-Innitzer-Studienfonds, der verschiedene Preise zur Wissenschaftsförderung vergibt (u.a. seit 1971 den Kardinal-Innitzer-Preis). Die Stadt Wien benannte 1985 den Kardinal-Innitzer-Platz in Wien 19 nach ihm.

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Werke (Auswahl)

Johannes der Täufer. Nach der heiligen Schrift und der Tradition (Habilitation), 1908.
Die Parabeln der Evangelien, 1909.
Hofrat Dr. Fr. X. Pölzl, 1915.
Fortsetzung des Kommentars zu den Evangelien, 1916-48 (hg. von Franz X. Pölzl).
Was ist uns die Bibel?, 1920.
Leidens- und Verklärungsgeschichte Jesu Christi (Kurzgefasster Kommentar zu den vier heiligen Evangelien, Band V), 1924.
gem. mit H. Balsz u. Fritz Wilke: Die Religion der Erde in Einzeldarstellungen, 1929.
Die sozialen Aufgaben der Schule, 1935.
Glaubensbrief (3 Hefte), 1939–40.
Die Stimme der Kirche zur sozialen Frage, 1946.
(Hg.), Psalterium Breviarii Romani secundum novam e textibus primigeniis interpretationem Latinam Papae Pii XII. auct..., 1946.
Er ist auferstanden!, 1949.
(Hg.), Der Stephansdom bittet Österreich und die Welt, 1950.
Was tun wir selbst? Innitzer und F. Jachym rufen zur Hilfe für junge Familien, 1951.
 

Archiv der Universität Wien, R 34.4: Ehrenbuch 1921-1959.
Archiv der Universität Wien, Rektorat, GZ 573 ex 1935/36 (Ehrendoktorat).
Archiv der Universität Wien, Senat GZ 219 ex 50/51 (Ehrenzeichen).

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 06.07.2019 - 17:01

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