Ulrich Grünwalder, Dr. art., Dr. med.

14.Jhdt – 1419
geb. in Korneuburg

(latinisiert: Vlricus Grunwaldaer de Neunburga)

Funktionen

DekanIn Medizinische Fakultät 1412
DekanIn Medizinische Fakultät 1412/13
DekanIn Medizinische Fakultät 1414 (II)
DekanIn Medizinische Fakultät 1416/17
Rektor 1418/19 (I)
DekanIn Medizinische Fakultät 1418/19 (II)
DekanIn Medizinische Fakultät 1419

Ulrich Grünwalder, der wohl aus dem niederösterreichischen Korneuburg stammte (in den Quellen findet sich als Herkunftsbezeichnung meist „Neuburg“) wurde im Wintersemester 1399/1400 an der Universität Wien immatrikuliert. 1403 wurde er zum Bakkalar und drei Jahre später zum Magister artium promoviert. Zwischen 1406 und 1408 hielt er Vorlesungen an der Artistenfakultät, in den Jahren 1407 und 1408 war er als Prüfer (examinator) tätig.

Vermutlich begann er sein Medizinstudium bereits in Wien; 1410 scheint er an der Universität Padua auf, wo er im September 1411 zum Doktor der Medizin promoviert wurde. Im Dezember desselben Jahres wurde er in Wien in die Medizinische Fakultät aufgenommen und in den folgenden Jahren er mehrfach zum Dekan der Fakultät gewählt. Er bekleidete dieses Amt im Sommersemester 1412, im darauffolgenden Wintersemester 1412/13 und im Wintersemester 1416/17. Zwei weitere Amtszeiten waren verkürzt, da er anstelle des ursprünglichen Fakultätsvorstandes bestellt wurde: Im Mai 1414 wurde er anstelle des abwesenden Johannes von Hammelburg zum Fakultätsvorstand gewählt. Im Jänner 1419 wurde Grünwalder – obwohl zu dieser Zeit Rektor – zum Dekan gewählt; der bisherige Dekan Michael Falkonis war am 5. Jänner zum Rektor gewählt worden. Die Gründe dieser Ämterrochade werden weder in den Rektorats- noch in den Fakultätsakten genannt.

Dieser unkommentierte Wechsel vom Rektor zum Dekan ist wohl der Grund dafür, dass sich in der Literatur teilweise die Behauptung findet, Ulrich Grünwalder sei im Jänner 1419 gestorben. Allerdings nennen ihn die Universitätsakten noch im August 1419 als Mitglied einer Universitätsdelegation, die bei Albrecht V. wegen der Einhaltung der Universitätsprivilegien vorsprechen sollte. Grund für diese Intervention war die von der Universität als unrechtmäßig angesehene Hinrichtung eines Studenten. Grünwalders genaues Todesdatum ist nicht bekannt, die Fakultätsakten berichten mit Datum vom 24. Dezember 1419, dass der derzeit grassierenden Seuche innerhalb von acht Tagen zwei Fakultätsmitglieder – Nikolaus von Höbersdorf und Ulrich Grünwalder – zum Opfer gefallen seien. Begraben wurde Grünwalder im Stephansdom.

Wie die Bestimmungen seines Testaments verraten, war Ulrich Grünwalder, der auch das Wiener Bürgerrecht besaß, durchaus wohlhabend: Dem Bürgerspital vermachte er einen Weingarten, aus dessen Erträgen ein jährliches Mahl und ein Bad für die Armen finanziert werden sollte. Außerdem bestimmte er, dass seine Testamentsvollstrecker Peter von Pulkau, Dietrich von Hammelburg und Thomas Ebendorfer ein Haus für die Einrichtung einer Stipendienstiftung kaufen sollten. Maßnahmen zur Verbesserung der Raumnot der Universität hatte Grünwalder bereits als Dekan unternommen: 1413 hatte er sich – allerdings vergeblich – für ein Fakultätshaus eingesetzt. Dieses Haus erhielt die Fakultät dank eines Legats des ebenfalls 1419 verstorbenen Nikolaus von Höbersdorf. Die Stiftung Ulrich Grünwalders entwickelte sich zu einer der größten Stipendienstiftungen der Universität Wiens, der Rosenburse.

UAW, R 1b, Acta Universitatis seu Rectoratus (1401-1422), fol. 99r, 103r.

UAW, Ph 7, Liber Secundus Actorum Facultatis Artium (1416-1447), fol. 28r, 32r.

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert am 21.05.2021 - 12:10