Ernst Ludwig, o. Prof. Mag. pharm., Dr. phil., Dr. med. h.c.

19.1.1842 – 14.10.1915
born in Freudenthal, Österreichisch-Schlesien (Bruntál, Tschechische Republik) died in Wien

Honors

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Honorary Doctorate Dr. med. h.c. 1881/82 Faculty of Medicine
Monument in arcaded court 1932 Faculty of Philosophy

Functions

Dean Faculty of Medicine 1886/87
Dean Faculty of Medicine 1891/92
Rector Faculty of Medicine 1892/93
Dean Faculty of Medicine 1902/03
Dean Faculty of Medicine 1911/12

Ernst Ludwig – Sohn des Kunstwebers, Fabrik- und Gutsbesitzers Ernst Stanislaus Ludwig und dessen Ehefrau Waldburga geb. Steiner – besuchte das Unterstufengymnasium in Troppau und absolvierte anschließend eine praktisch-pharmazeutische Ausbildung an einer Apotheke in Troppau. Parallel setzte er seine Gymnasialausbildung fort und legte die Reifeprüfung ab. Ab 1861 studierte Ludwig Chemie und Pharmazie an der Universität Wien. Während seines Studiums trat er der Burschenschaft „Silesia Wien“, später der „Alemannia Wien“ bei. Nachdem er 1863 den Titel eines Magisters der Pharmazie erworben hatte, promovierte er 1864 bei dem Chemiker Josef Redtenbacher zum Dr. phil.

Bereits ein weiteres Jahr später – 1865 – erfolgte Ludwigs Habilitation für Analytische und Organische Chemie an der Universität Wien. Zwischen 1867 und 1869 absolvierte er Studienaufenthalte bei Robert Wilhelm Bunsen in Heidelberg sowie Adolf von Baeyer in Berlin und wurde nach seiner Rückkehr Professor für Chemie an der Wiener Handelsakademie (1869 bis 1874). Parallel lehrte er an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien, wo er 1872 zum außerordentlichen Professor ernannt wurde. Mit seiner Ernennung zum ersten Ordinarius für Angewandte Medizinische Chemie wechselte er 1874 an die Medizinische Fakultät. Gleichzeitig übernahm er die Leitung des chemischen Laboratoriums am Pathologisch-Anatomischen Institut des Allgemeinen Krankenhauses. Zu seinen Schülern zählten neben Karl Landsteiner die meisten medizinischen Chemiker, aber auch der Botaniker Hans Molisch und zahlreiche Mineralogen.

Ernst Ludwig gilt als zentraler Akteur der Etablierung der Medizinischen Chemie als akademisches Fach und seine analytischen und experimentellen Forschungen erhielten aufgrund ihrer Exaktheit weitreichende Anerkennung. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigte sich Ernst Ludwig mit verschiedensten Themenbereichen: In Zusammenarbeit mit dem Mineralogen Gustav Tschermak, mit dem er seit dem Studium befreundet war, verfeinerte er die Methoden der Mineralanalysen, die u.a. für Tschermaks Untersuchungen über die Silikatgesteine grundlegende Bedeutung gewannen. Gemeinsam erstellten sie Mischungsgesetze für mehrere Mineralgruppen. Neben der Mineralchemie beforschte Ludwig Heilquellen und Mineralwässer und entwickelte auch auf diesem Gebiet neue Analysemethoden. Im Bereich der Medizinischen Chemie betrieb er vor allem physiologische und forensische Analysen: Ludwig entwickelte Verfahren zur Synthese von Hydroxylamin, zur Ermittlung von Quecksilber in organischen Substanzen, zur Bestimmung des Gesamtstickstoffs sowie der Harnsäure im Harn und untersuchte die Verteilung von Arsen und Chrom im Körper.
Daneben erstreckten sich Ludwigs wissenschaftliche Arbeiten auch auf das Gebiet der Nahrungsmittelchemie, wobei er auch als Gutachter für Lebensmittel- und Arzneirecht tätig war, etwa als Mitwirkender an der Ausarbeitung des Lebensmittelgesetzes von 1896 sowie der 8. Ausgabe der Österreichischen Pharmakopoe von 1906. Er wirkte zudem als Sachverständiger in chemisch-gerichtsmedizinischen Fragen am Landesgericht Wien und war Mitglied (seit 1910 Vorsitzender) des Obersten Sanitätsrates beim Ministerium des Inneren.
Seine Hauptwerke sind „Die Medizinische Chemie in Anwendung auf gerichtliche, sanitätspolizeiliche und hygienische Untersuchungen sowie auf die Prüfung der Arzneipräparate“ (1885) sowie ein „Lehrbuch der Chemie für Aspiranten der Pharmazie“ (1911).

Die Medizinische Fakultät der Universität Wien verlieh ihm 1882 das Ehrendoktorat und wählte ihn viermal – in den Studienjahren 1886/87, 1891/92, 1902/03 und 1911/12 – zum Dekan. Im Studienjahr 1892/93 amtierte er als Rektor der Universität Wien. In seiner Inaugurationsrede „Chemie und Rechtspflege“ betonte er die Bedeutung der Medizinischen Chemie, die der Gerichtsmedizin eine wissenschaftliche Grundlage bieten könne. Während seines Rektorates fand 24. Mai 1893 die feierliche Enthüllung der Denkmäler für Leo Thun-Hohenstein, Franz Exner und Hermann Bonitz im Arkadenhof sowie der Rektorentafel und der Ehrentafeln der Fakutäten in der Aula der Universität Wien statt. Zudem konnte im November 1892 die Akademische Mensa eröffnet werden.
An der Universität Wien fungierte Ludwig außerdem als Superintendant der Stuppan’schen, Smetana’schen und Wattmann’schen Stipendien-Stiftungen.

Für seine Verdienste wurde Ernst Ludwig vielfach geehrt und ausgezeichnet: So war er nicht nur ab 1877 korrespondierendes und ab 1906 wirkliches Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, sondern gehörte zudem dem österreichischen und dem rumänischen Apotheker-Verein und dem Verein der Ärzte in Schlesien als Ehrenmitglied sowie der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (seit 1892), der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Jassy, der Société royale de médecine publique de Belgique und der Mineralogischen Gesellschaft Großbritanniens als Mitglied an. Ludwig wurde – neben dem Ehrendoktortitel der Medizinischen Fakultät der Universität Wien – mit dem Orden der Eisernen Krone III. Klasse sowie dem Hofratstitel ausgezeichnet und 1892 zum Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrats ernannt.
17 Jahre nach seinem Tod – 1932 – benannte die Stadt Wien nach Ernst Ludwig, der auf dem Döblinger Friedhof bestattet wurde, die Ernst-Ludwig-Gasse in Wien-Favoriten (10. Bezirk). Im selben Jahr wurde ein Denkmal – ein Reliefmedaillon, gestaltet von Kaspar von Zumbusch, gewidmet von der Familie Ludwig – im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Österreichisches Biographisches Lexikon
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> u:monuments: Denkmal  Ernst Ludwig

Werke (Auswahl)

Die Medizinische Chemie in Anwendung auf gerichtliche, sanitätspolizeiliche und hygienische Untersuchungen sowie auf die Prüfung der Arzneipräparate, 1885 (2. Auflage 1895).
Lehrbuch der Chemie für Aspiranten der Pharmazie, Band 2: Chemie, 1895 (3. Auflage, bearb. von G. Mossler, 1920).
gem. mit August Emil Vogl: Kommentar zur 8. Ausgabe der österreichischen Pharmakopöe, 1906.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 09/02/21

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