Carl Toldt, o. Univ.-Prof. Dr. med.

3.5.1840 – 13.11.1920
born in Bruneck, Südtirol died in Wien

Honors

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Monument Denkmal, Anatomisches Institut 1956 Faculty of Medicine
Honorary Doctorate Dr.phil. h.c. 1919/20 Faculty of Philosophy

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Functions

Dean Faculty of Medicine 1885/86
Rector Faculty of Medicine 1897/98
Dean Faculty of Medicine 1900/01

Carl (Karl) Toldt, Sohn des Beamten Josef Toldt, absolvierte das Gymnasium in Brixen und studierte anschließend an der medizinisch-chirurgischen Josephs-Akademie in Wien (Josephinum), u. a. bei Carl Langer, Carl Ludwig und Josef Späth. Aufgrund seines Stipendiums musste er nach seiner Promotion zum Doktor der Medizin 1864 eine zehnjährige Dienstverpflichtung als Militärarzt antreten. Als k. k. Oberarzt arbeitete er zunächst in den Garnisonsspitälern von Verona (Leitung der Augenabteilung) und Mantua. Während der Schlacht bei Custozza diente er 1866 auf mehreren Verbandsplätzen, wurde jedoch bereits im selben Jahr als Assistent an das Physiologische Institut der Wiener Josephs-Akademie unter Ewald von Hering berufen. 1869 wurde er hier für mikroskopische Anatomie habilitiert. 1871 zum Regimentsarzt und Leiter des Militärleichenhofs ernannt, wechselte Toldt noch im selben Jahr als Assistent von Carl Langer an die Medizinische Fakultät der Universität Wien. 1872 wurde er hier auch für Histologie habilitiert. Nach dem Ende seiner militärischen Dienstzeit wurde Carl Toldt 1875 zum außerordentlichen Professor für Anatomie ernannt.
1876 wurde Toldt als ordentlicher Professor für deskriptive Anatomie und Vorstand des anatomischen Instituts an die Universität Prag berufen. Dort machte er sich um den Neubau des Instituts, der 1877 eröffnet wurde, sowie die Neugestaltung des Anatomischen Museums verdient. Daneben lehrte er auch Histologie. 1881/82 fungierte er als Dekan der dortigen Medizinischen Fakultät.

1884 kehrte Carl Toldt als Ordinarius für deskriptive und topographische Anatomie an die Universität Wien zurück. Als Nachfolger von Carl Langer besetzte er bis zu seiner Emeritierung die II. Anatomische Lehrkanzel. Auch hier leitete er den - schließlich 1886 eröffneten - Neubau des Instituts, den Aufbau des anatomischen Museums sowie die Neuordnung der Bibliothek.
An der Universität Wien fungierte Toldt in den Studienjahren 1885/86 sowie 1900/01 als Dekan der Medizinischen Fakultät und 1897/98 als Rektor der Universität Wien. Während seiner Amtszeit als Rektor eskalierte die Gewalt unter den Wiener Hochschülern. Als Reaktion auf eine Verfügung des böhmisch-mährischen Ministerpräsidenten Kasimir Badeni, Tschechisch als zweite Amtssprache dem Deutschen gleichzustellen, veranstalteten deutschnationalen Studenten Demonstrationen und verknüpften die antitschechische Stimmung mit antisemitischen Anfeindungen. Auch an der Universität Wien kam es zu schweren Ausschreitungen. In seiner Funktion als Rektor stellte sich Toldt auf die Seite der deutschnationalen Studenten, verteidigte deren antisemitische Agitation und trat vehement für den Vorrang der deutschen Kultur an den Universitäten ein.
Bis über seine Emeritierung 1908 hinaus war er in verschiedenen Kommissionen an der Universität tätig, u. a. als stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für volkstümliche Universitätsvorträge (1902–1911) sowie als Vorsitzender der artistischen Kommission (1899–1914) und der Gebäudekommission des Akademischen Senates (1905–1914).

In seinen Forschungen befasste sich Toldt mit Untersuchungen des menschlichen Thorax, besonders des Fettgewebes, der Gekröse des Darmes (Mesenterium) sowie mit dem Wachstum von Knochen, Nieren, Leber und Magendrüsen. Neben seinem „Anatomischen Atlas für Studierende und Ärzte“, der sich zu einem Standardwerk der anatomischen Wissenschaft entwickelte, ins Englische, Französische, Ungarische und Russische übersetzt wurde und von Ferdinand Hochstetter weitergeführt wurde, erlangte auch sein histologisches „Lehrbuch der Gewebelehre mit vorzugsweiser Berücksichtigung des menschlichen Körpers“ (1877) große wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Daneben übernahm Toldt vom seinem Lehrer Carl Langer die Überarbeitung und Herausgabe von dessen „Lehrbuch der systematischen und topographischen Anatomie“.
Besonders nach seiner Emeritierung befasste sich Toldt auch intensiv mit anatomisch-anthropologischen Fragestellungen, besonders mit der vergleichenden Erforschung fossiler Schädelformen (Hinterkopfformen, Unterkiefer und Kinnbildung, Brauenwulste). Doch regte er auch gegenwartsbezogene Forschungen, wie während des Ersten Weltkriegs anthropologische Untersuchungen an Kriegsgefangenen, an.

Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde Carl Toldt vielfach geehrt. So gehörte er ab 1887 der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina sowie den Akademien der Wissenschaften in Wien (1887 korrespondierendes, ab 1888 wirkliches Mitglied), Uppsala (1903) und Berlin (1920), der Physikalisch-medizinischen Gesellschaft in Würzburg, der Association of American Anatomists (1904) und der Gesellschaft der schwedischen Ärzte in Stockholm (1904) an. Auch seine Verdienste als Anthropologe fanden breite Anerkennung, etwa als Mitglied (1885), ab 1903 als Präsident der Wiener Anthropologischen Gesellschaft, als Ehrenmitglied des Deutschen naturwissenschaftlichen Vereins Lotos in Prag (1890) und der Deutschen Anthropologischen Gesellschaft sowie als Mitglied der Berliner Gesellschaft für Anthroplogie, Ethnologie und Urgeschichte (1906). 1892 wurde er zum Hofrat ernannt, erhielt 1898 das Ritterkreuz des Leopold-Ordens und wurde zum Mitglied des Herrenhauses (Verfassungspartei) (1905) sowie zum Ritter des Franz Joseph-Ordens (1908) ernannt. Anlässlich seines 80. Geburtstages verliehen ihm die Philosophischen Fakultät der Universität Wien sowie die Medizinische Fakultät der deutschen Universität in Prag Ehrendoktorate.
Zwölf Jahre nach seinem Tod, 1932, wurde der Karl-Toldt-Weg in Wien-Penzing (14. Bezirk) nach ihm benannt, 1966 folgte die Benennung der Carl-Toldt-Straße in seinem Geburtsort Bruneck. Die Universität Wien ehrte ihn 1956 posthum mit der Anbringung eines Marmorreliefs im Stiegenaufgang des Anatomischen Instituts.

Österreichisches Biographisches Lexikon
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Werke (Auswahl)

Studien über die Anatomie der menschlichen Brustgegend mit Bezug auf die Messung derselben und auf die Verwerthung des Brust-Umfanges zur Beurtheilung der Kriegsdiensttauglichkeit, 1875.
Lehrbuch der Gewebelehre; mit vorzugsweiser Berücksichtigung des menschlichen Körpers, 1877.
Bau und Wachstumsveränderungen der Gekröse des menschlichen Darmkanals, 1879.
Die Darmgekröse und Netze im Gesetzmässigen und im Gesetzwidrigen Zustand, 1889.
​(Hg.): Karl Langer: Lehrbuch der systematischen und topographischen Anatomie (4. Auflage), 1890.
Über die massgebenden Gesichtspunkte in der Anatomie des Bauchfelles und der Gekröse, 1893.
gem. mit Alois Dalla Rosa: Anatomischer Atlas für Studierende und Ärzte (6 Bände), 1896-1900.
Zur Geschichte der medicinischen Universitätsinstitute (Inaugurationsrede), 1897.
An atlas of human anatomy for students and physicians, 1904 [section 1 | section 2 | section 3 | section 4 | section 5 | section 6].
Atlas d'anatomie humaine, à l'usage des étudiants et des médecins, 1912.

Archiv der Universität Wien, Senat S 304.1289 (Personalblatt Carl Toldt).

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 11/08/20

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