Grete Mostny, Mostny-Glaser, Prof.Dr.

17.9.1914 – 15.12.1991
geb. in Wien

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Stipendien/Preise/Stiftungen Grete-Mostny-Dissertationspreis 2013 Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Denkmal Arkadenhof 2015/16 Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät

Grete MOSTNY, geb. am 17. September 1914 in Linz/Oberösterreich (heimatberechtigt in Linz/Oberösterreich), Tochter von Paul Mostny (Fabrikant in Linz, Rainerstraße 27, gest. am 23. Mai 1929), war zuletzt im Sommersemester 1937 an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien inskribiert.

Nach der Reifeprüfung am 24. Juni 1933 am Mädchen-Realgymnasium in Linz war sie von Wintersemester 1933/34 bis Sommersemester 1937 an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien inskribiert und wohnte zunächst in Wien 5, Margaretenstraße 71, ab 1935 in Wien 7, Museumstraße 7. Sie studierte Ägyptologie, Afrikanistik und Prähistorie und war Mitglied der exklusiven "Totenbuch-Runde" im Salon der Marianne von Werther, der die Professoren und der "harte Kern" des Ägyptologischen Instituts angehörten. Sie hatte bereits ihre Dissertation mit dem Titel "Die Kleidung der ägyptischen Frau im alten Reich" verfasst, die von den beiden Betreuer, dem Ägyptologen Wilhelm Czermak und dem Klassischen Archäologen Camillo Praschniker auch bereits am 10. Dezember 1937 approbiert worden war. Am 18. Dezember 1937 hatte sie auch das zweite Rigorosum bei den beiden sowie dem Orientalisten Viktor Christian bestanden. Bevor Sie aber zum ersten Rigorosum antreten konnte, verhinderte der "Anschluss" den Abschluss des Studiums und sie musste die Universität mit einer approbierten Dissertation, aber ohne akademischen Abschluss oder Doktorgrad verlassen.

Sie konnte ihre Studien aber an der Freien Universität in Brüssel fortsetzen und dort 1939 in Philologie und Altorientalischer Geschichte promovieren. Später setzte sie ihre Studien in Kairo fort, nahm an Ausgrabungen in Luxor teil und konnte schließlich dank der Unterstützung einer chilenischen Freundin aus Linz gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem vier Jahre jüngeren Bruder Kurt nach Chile emigrieren und kam 1939 in Valparaíso an. Im selben Jahr konnte sie als "ayudante de la sección de Antropología" am Museo Nacional de Historia Natural anfangen und stieg bis 1943 zur Leiterin der Anthropologischen Abteilung auf, die sie bis 1964 blieb. Am Museum wurde sie als Europäerin allseits nur die "Doctora" genannt. Sie verbrachte zahlreiche Forschungsaufenthalte in Mailand, Ägypten und Paris und erhielt 1949 das Ehrendoktorat der Universität Cuzco.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt sie von der österreichischen Regierung ihr Wiener Doktorat übermittelt, verbunden mit dem Angebot, an der Universität Wien zu arbeiten. Sie lehnte dieses Angebot aber ab und erhielt 1946 die chilenische Staatsbürgerschaft. Im selben Jahr 1946 hatte sie bereits mit Prof. Alejandro Lipschutz eine Expedition in die Tierra del Fuego zu den chilenischen Ureinwohnern geleitet und führte später zahlreiche weitere Ausgrabungen durch (u.a. in Quiani, La Lisera, San Miguel de Azapa, Punta Pichalo, Pisagua, Chiu-Chiu, Peine, Toconce, Río Loa Superior, Salar de San Martín, Guatacondo, Antofagasta, Ovalle und La Serena y Combarbalá). Sie beschäftigte sich mit allen Kulturen, die früher auf dem Territorium Chiles lebten. Sie besuchte den Segundo Congreso Interamericano Indigenista und wurde Professorin an der Facultad de Filosofía y Educación der Universidad de Chile und hielt Kurse in Kulturanthropologie für amerikanische und chilenische Frühgeschichte. 1954 war sie am Fund der berühmten Inkakind-Mumie vom Cerro el Plomo beteiligt - ein Höhepunkt ihrer archäologischen Arbeit. 1959 war sie führend an der Gründung der "Asociación de Museos Chilenos (später: "Comité Chileno de Museos") beteiligt. Sie überlebte ihren ersten Mann, den Geschäftsmann Fischel Wassner (Hutfabrikant) und heiratete später in zweiter Ehe Juan Gómez Millas, Rektor der Universidad de Chile (1953-1963) und Chilenischer Bildungsminister im zweiten Kabinett von Carlos Ibáñez del Campo 1953 und von Eduardo Frei Montalva 1964-1968). Sie wurde 1964-1982 die Direktorin des Chilenischen Nationalmuseums für Naturkunde und machte dieses zu einem der wichtigsten Chiles. In den 1960er und Anfang 1970er Jahren hatte sie ihre zwei bekanntesten Bücher geschrieben: Culturas precolombinas de Chile und Prehistoria de Chile. 1967 erhielt sie eine Auszeichnung für Verdienste um Wissenschaft und Kunst erster Klasse von der Republik Österreich verliehen. 1968 gründete sie auch das Centro Nacional de Museología, das erste Museologische Zentrum Lateinamerikas und bemühte sich auch um die Internationalisierung im Rahmen von ICOM (International Council of Museums/UNESCO). Der Militärputsch in Chile 1973 bereitete ihr zwar Schwierigkeiten, sie konnte ihre Museumsarbeit aber fortsetzen. 1977 wurde sie auch Präsidentin des Comité Chileno de Museos und organisierte den ersten Museumstag Chiles (Jornadas Museológicas Chilenas). 1977 wurde sie zum Ehrenmitglied der Sociedad Chilena de Arqueología ernannt. Bei der Dankesrede sagte sie:

"Die Universität Wien hat mich geformt, die Universität Brüssel perfektioniert und die Universität Santiago de Chile hat mich aufgenommen um an neue Generationen weiterzugeben, was ich von den vorherigen gelernt habe".
("La Universidad de Viena me formó. La universidad de Bruselas me perfeccionó. La Universidad de Chile me acogió para transmitir a las nuevas generaciones lo que yo había recibido de las anteriores".)

Sie starb am 15. Dezember 1991 in Chile an Krebs. Der Nationalkongress ehrte sie mit einer Schweigeminute. Seit 1995 unterhalten die Universität Wien und die Universidad de Chile Santiago eine Universitätspartnerschaft.

2009 wurde für Grete Mostny ein Eintrag im "Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938" angelegt. Seit 2013 verleiht die Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät der Universität Wien den "Grete Mostny-Dissertationspreis" für hervorragende Doktorarbeiten. Am 30. Juni 2016 wurde ein Denkmal für Grete Mostny im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt (Künstlerin: Karin Frank).

Katharina Kniefacz, Herbert Posch
Ja