Theodor Pütz, Univ.-Prof. Dr.
Functions
| Dean | Faculty of Law and State | 1955/56 |
| Senator | Faculty of Law and State | 1973/74 |
| Senator | Faculty of Law and State | 1974/75 |
- Legal Science
- National Economics
- Political Economy
- Faculty of Law and State
- Faculty of Law
Theodor Pütz wurde am 28. März 1905 in Krefeld geboren. Er absolvierte ein Wirtschaftsingenieurstudium an der Technischen Hochschule in München. Er war vielseitig interessiert und betrieb nebenbei philosophische Studien. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ersten Weltkriegs und der Pariser Vorortverträge weckten sein Interesse für die Wirtschaftswissenschaften. Seine Neigung zu Grenzüberschreitungen bewies er mit der Wahl seines Dissertationsthemas zur Erlangung der Würde eines Doktors der technischen Wissenschaften mit dem Titel „Nationalökonomisches Denken und Weltanschauung bei Adam Smith“. Folgt man Erich Streissler, dann hat Pütz diese Liebe zu Grenzüberschreitungen auch später beibehalten.
„Der Doktor der technischen Wissenschaften prägte für seine unzähligen Hörer gerade das Idealbild des Nicht-Technikers, vielmehr das des vielseitig gebildeten Gelehrten mit weitem Horizont.“ (Streissler 1995, 579).
Zeugnisse dafür sind seine Abhandlungen zu Adalbert Stifters „Witiko“ (1950) und zu „Politische Weisheit“ (1955).
Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Assistent an der Technischen Hochschule München habilitierte sich Pütz 1934 mit der Arbeit „Das Bild des Unternehmers in der Nationalökonomie“ (1935) für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft. 1938 wechselte Pütz an die Wirtschaftshochschule in Berlin, wo er ab 1940 die Stelle eines außerplangemäßen Professors innehatte. 1943 nahm er den Ruf an die Universität Innsbruck an. An dieser war er bis 1952 tätig. In den Wintersemestern 1950/51 und 1951/52 hatte Pütz an der Universität Graz den Lehrstuhl für Politische Ökonomie in Vertretung inne und wechselte dann 1953 in der Nachfolge von Ferdinand Degenfeld-Schonburg an die Universität Wien. Dort lehrte er bis zu seiner Emeritierung Volkswirtschafts- und Sozialpolitik. Pütz verstarb am 16. Dezember 1994 in Innsbruck.
Wissenschaftliches Oeuvre
Das wissenschaftliche Werk von Theodor Pütz umspannte einen langen Zeitraum und unterlag in seiner Ausrichtung einem erheblichen Wandel. Am Beginn standen dogmengeschichtliche Arbeiten über „Adam Smith“ (1931) und das „Bild des Unternehmers in der Nationalökonomie“ (1935). Die Publikationen in der Folgezeit bis 1945 sind in hohem Maße von der nur kurzfristig erfolgreichen Wirtschaftslehre von Friedrich von Gottl-Ottlilienfeld geprägt und weisen Affinitäten zu nationalsozialistischem Gedankengut auf. Dies gilt insbesondere für „Die deutsche Außenwirtschaft im Engpass der Jahre 1933-1937“ (1938), „Über den Erkenntnisgegenstand der Volkswirtschaftslehre“ (1940) und für die „Grundlagen der Außenwirtschaftstheorie“(1944).
Im Jahre 1948 legte Pütz sein Lehrbuch „Theorie der allgemeinen Wirtschaftspolitik und Wirtschaftslenkung“ vor. Dieses Buch wurde bis 1970 aufgelegt. 1971 wurde es durch ein breiteres dreibändiges Werk der Wirtschaftspolitik ersetzt, das neben den allgemeinen Grundlagen der Wirtschaftspolitik auch spezielle Wirtschaftspolitiken (von anderen Autor*innen bearbeitet) enthielt. Beide Lehrbücher von Pütz haben ab 1948 bis in die Mitte der 1970er-Jahre Generationen von Studierenden der Volkswirtschaftslehre an Österreichs Universitäten mehr oder weniger eng begleitet. Insgesamt zählt Pütz – neben Martha Stefanie Braun (Promotion an der Universität Wien), Walter Adolf Jöhr (St. Gallen) und Hans-Jürgen Seraphim (Münster) – zu jener kleinen Gruppe von Ökonom*innen, die das „spezifisch deutsche Gebiet“ (Streissler 1995, 577) der Theorie der allgemeinen Wirtschaftspolitik schufen.
In seinen publizistischen Aktivitäten an der Universität Wien widmete sich Pütz insbesondere der Sozialpartnerschaft, der Sozialpolitik, Fragen der Wirtschaftsordnung und ausgewählten Themen der Wirtschaftspolitik wie der Geld- und Außenwirtschaftspolitik. Hier sind v.a. „Theorie der allgemeinen Wirtschaftspolitik und Wirtschaftslenkung“ (1954) und „Verbände und Wirtschaftspolitik in Österreich“ (1966) zu nennen. Diese Themen bearbeitete Pütz nicht nur wissenschaftlich, die Interaktion mit der praktischen Wirtschaftspolitik in diesen Fragen war ihm ein großes Anliegen. So gründete er 1958 das Institut für Wirtschafts- und Sozialpolitik an der Universität Wien, dessen Direktor er wurde. In diesem Rahmen fanden zahlreiche Veranstaltungen zu vielen Themen der Wirtschaftspolitik statt und wurden Publikationsreihen herausgegeben. Sein Schüler Erich Streissler schreibt in seinem Nachruf:
„Theodor Pütz war ein markanter und großer wissenschaftlicher Kopf von beeindruckendem Profil, im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften verliert mit ihm „a gentleman and a scholar“, wie es ihn heute kaum mehr gibt.“ (Streissler 1995, 579)
Akademische Funktionen und Ehrungen
Pütz war in vielen Funktionen im Wissenschaftsmanagement tätig. So amtierte er im Studienjahr 1955/56 als Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien sowie 1973/74 und 1974/75 als Senator. Lange Jahre war er Direktor des Instituts für Wirtschafts- und Sozialpolitik an der Universität Wien. Zu nennen sind im Weiteren: Vizepräsident der österreichischen Nationalökonomischen Gesellschaft, Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ab 1956), Kuratoriumsmitglied des Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung, langjähriger Vorsitzender des Wirtschaftspolitischen Ausschusses des Vereins für Socialpolitik und Mitglied des Dogmenhistorischen Ausschusses.
Wissenschaftliche Werke (Auswahl)
Nationalökonomisches Denken und Weltanschauung bei Adam Smith, München: Druck der Buchdruckerei L. Mößl, 1931.
Das Bild des Unternehmers in der Nationalökonomie – Versuch einer aufbauenden Kritik, Jena: Verlag von Gustav Fischer, 1935.
Die deutsche Außenwirtschaft im Engpass der Jahre 1933-1937, Berlin: Juncker u. Dünnhaupt1938.
Über den Erkenntnisgegenstand der Volkswirtschaftslehre, Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, 100 (1940), 93–135.
Grundlagen der Außenwirtschaftstheorie, Schriften des Instituts für Weltwirtschaft an der Universität Köln, 71, Jena: Verlag von Gustav Fischer, 1944.
Theorie der allgemeinen Wirtschaftspolitik und Wirtschaftslenkung, Wien: Verlag für Geschichte und Politik, 1948.
„Witiko“ als Urbild des politischen Menschen, Wien: W. Braumüller, 1950.
Neue Wege und Ziele der Socialpolitik, Wien: Institut für Wirtschafts- und Sozialpolitik, 1954.
Politische Weisheit, Wien: Verlag für Geschichte und Politik, 1955.
Verbände und Wirtschaftspolitik in Österreich (Wissenschaftliche Leitung und Einzelbeiträge), Schriften des Vereins für Socialpolitik, 39, Berlin: Duncker & Humblot, 1966.
Grundlagen der theoretischen Wirtschaftspolitik, 4. neubearbeite und erweiterte Aufl., Stuttgart-New York: Gustav Fischer Verlag, 1979.
Zahlreiche Beiträge im Handwörterbuch der Sozialwissenschaften zu wirtschaftspolitischen Themen wie Angebotslenkung 1956, Außenhandelspolitik 1956, Autarkie 1956, Meistbegünstigung 1961, Nachfragelenkung 1961.
Zuletzt aktualisiert am 08/08/25

