Josef Hoffmann, Dr. med.
Obersanitätsrat, 1869-1887 Direktor des Wiener Allgemeinen Krankenhauses
Honors
| Ehrung | Titel | Datierung | Fakultät | |
|---|---|---|---|---|
| Denkmal „AKH-Direktoren“ |
|
- Medicine
- Faculty of Medicine
Josef Hoffmann wurde 1823 in Zwickau in Böhmen geboren, studierte an den Universitäten Prag und Wien Medizin, wo er Schüler von Joseph Skoda (1805–1881) und Carl von Rokitansky (1804–1878) war. 1847 wurde er an der Universität Wien zum "Dr.med." promoviert, 1849 zum "Mag.obstr." (Geburtshilfe). Er trat als Aspirant ins Allgemeine Krankenhaus in Wien ein, wurde dort Sekundararzt und führte in der Inneren Stadt eine eigene ärztliche Praxis. Weiters war er in verschiedenen Bezirken Amtsarzt, später auch Bezirksarzt in Korneuburg/Niederösterreich und Neunkirchen/Niederösterreich. Ab 1853 war er Primararzt des Inquisiten-Spitals im Wiener Landesgericht.
Er hatte 1867 das Buch "Ein Entwurf zur Reorganisierung oder beziehungsweise Organisierung des öffentlichen Sanitätsdienstes in Österreich" verfasst, und wurde 1869 Nachfolger von Theodor Helm (1810–1875) als Direktor des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) in Wien, wo er 18 Jahre lang bis 1887 tätig war.
Mit Direktionsbeginn wurde die "Irrenanstalt am Bründlfeld" eröffnet und damit auch der "Narrenturm" als Unterbringungsstätte für psychisch Kranke geschlossen. Das signifikante aber für seine Zwecke weitgehend unbrauchbare Gebäude dient künftig als Wohnstätte für Bedienstete und als Materiallager.
Die öffentlich sichtbarste Verbesserung seiner Direktionszeit war vermutlich die gärtnerische Ausgestaltung der Freiflächen im großen Hof 1 zu einer Erholungs- und Parklandschaft.
Für die Kranken weit spürbarer waren aber seine Bemühungen um hygienische Verbesserungen der Aufenthaltsbedingungen in den Krankensälen: Er ließ verbesserte Luftzirkulationseinrichtungen einbauen sowie neue Heizanlagen (Koksheizungen statt Holzfeuerung), führte neue hygienischere Krankenbetten ein (aus Metall und mit Drahteinsatz, wodurch die bis dahin üblichen unhygienischen Strohsäcke verschwanden).
Vor allem aber fiel in seine Amtszeit die Verbesserung der jahrzehntelang problematischen Wasserversorgung und-entsorgung. Das AKH war zwar an die Kaiser-Ferdinand-Wasserleitung angeschlossen, die gefiltertes Donauwasser als Trink- und Nutzwasser lieferte, aber nur ein Viertel der benötigten Menge, die streng rationiert war. Täglich wurden 2.050 Eimer Wasser entnommen, von denen 190 für die Gebäranstalt, 150 für das pathologisch-anatomische Institut reserviert waren. Mit den verbleibenden 1.710 Eimern Wasser mussten die mehr als 2.000 Kranken und die Angestellten auskommen. Sie wurden für Trinkwasser sowie für die Wäscherei, Küche, Apotheke, Badebetrieb, Reinigung, Bewässerung der Gärten und die Tränke der Pferde für den Kranken- und Warentransport benötigt. Daneben wurde Wasser aus Grundwasserbrunnen auf dem Areal gewonnen, das aber durch die fehlende Kanalisation oft durch Abwässer verschmutzt und untrinkbar war, sechs der neuen Brunner waren sanitätspolizeilich gesperrt wurden. Der Rest konnte zumindest noch beschränkt für Bewässerung verwendbar werden. Das wenige Wasser aus der alten Wasserleitung wurde einerseits ins Anatomische Institut für die Leichenwäsche und andererseits ins Direktionsgebäude (Stöckelgebäude) mit der Anstaltsküche geleitet, von dort in die Badeanstalt, Apotheke, Gebäranstalt und den Innenhof des "Narrenturms", der Rest zu sechs Springbrunnen Bassins in den Höfen 1, 2, 7, 8 und 9. Von dort fand die Versorgung aller Abteilungen mit Trinkwasser statt, das in Krügen und Wasserbutten von Wasserträgern zu den einzelnen Abteilungen gebracht werden musste. Entsprechende hygienische und sanitäre Missstände waren die Folge.
Dank des Anschlusses des Krankenhauses in der Amtszeit Hoffmanns an die neu errichtete I. Wiener Hochquellenwasserleitung 1875 (Planung: Prof. Eduard Sueß (1831–1914), verbesserte sich die Trinkwasserversorgung radikal und es konnten anstelle der bisherigen Aborte WC-Anlagen mit Wasserspülung eingebaut und die Kanalisation verbessert werden. Auch die Reinigung der Innenräume und Außenanlagen des riesigen Krankenhauses verbesserte sich, ebenso die Versorgung der Pferde, die noch den Großteil der Transporte von Menschen und Material bewältigen mussten. Innerhalb eines Jahres nach dem Anschluss an die Wasserleitung reduzierte sich die Sterblichkeit im Spital drastisch.
Am Ende seiner Amtszeit wurde 1887 der Zier- und Gedenkbrunnen im Hof 1, in der zentralen Blickachse vom Haupteingang zu Kapelle und Narrenturm errichtet, in Erinnerung an den Anschluss des AKHs an die I. Wiener Hochquellenwasserleitung.
Darüber hinaus ließ er elektrischen Strom zur Beleuchtung einleiten, forcierte den Anschluss an das noch sehr rudimentäre Telefonnetz von Wien und bemühte sich auch um eine Verbesserung der problematischen Arbeitsbedingungen und Versorgung der Krankenschwestern, Krankenträger und Aufseher*innen.
Für den universitär-wissenschaftlichen und -Lehrbereich bemühte er sich um die dringende Verbesserung der Raumsituation der Hörsäle samt angeschlossener Krankenzimmer der einzelnen Kliniken. In dieser Zeit wurden mehrere neue Kliniken errichtet, die in die Organisation eingegliedert und mit Räumen, Ressourcen und Personal entsprechend auszustatten waren, so etwa die Psychiatrische Universitätsklinik, die Ohrenklinik, die Kehlkopfklinik und die Universitäts-Augenklinik.
1873 veröffentlichte er das lesenswerte Buch "Das Wiener k. k. allgemeine Krankenhaus", um die vielfältigen Verwaltungs- und Organisationsaufgaben zu demonstrieren und die in seiner Amtszeit durchgeführten Verbesserungen öffentlich zu dokumentieren.
Er erkrankte im Jänner 1887 schwer und der Primararzt Josef Standthartner wurde als supplierender Leiter bestellt, bevor ihm am 1. August 1887 der damalige Direktor der Krankenanstalt Rudolfstiftung, Prof. Karl Böhm von Böhmersheim (1827–1902), als AKH-Direktor definitiv nachfolgte. Obersanitätsrat Hoffmann erhielt zur Pensionierung auch noch den Titel "Hofrat" verliehen.
Neben seiner Tätigkeit als Krankenhausdirektor war er 1880–1882 auch Vorsitzender der Wiener Gesellschaft der Ärzte, der er seit 1853 angehörte.
Joseph/Josef Raimund Hoffmann starb am 31.Jänner 1892 in Wien, wo er auch begraben ist.
Sein Name findet sich auf dem "Denkmal der Direktoren des Allgemeinen Krankenhauses" im 2. Stock des Stöckelgebäudes (ehem. Direktion des AKH) im Hof 1 am Campus der Universität Wien.
Links:
>>> Wien Geschichte Wiki (abgerufen am 18.09.2025)
>>> Österreichisches Biographisches Lexikon|ÖBL (abgerufen am 18.09.2025)
Zuletzt aktualisiert am 10/06/25
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