Viktor Mucha, Dr. med.
Obersanitätsrat, 1896-1909 Direktor des Wiener Allgemeinen Krankenhauses
Honors
| Ehrung | Titel | Datierung | Fakultät | |
|---|---|---|---|---|
| Denkmal „AKH-Direktoren“ |
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- Medicine
- Faculty of Medicine
Viktor Mucha wurde am 8. Februar 1845 in Luka bei lglau in Mähren geboren, studierte Medizin an der Universität Prag, wo er 1869 zum Doktor der Medizin und 1870 zum Doktor der Chirurgie promovierte.
Karriere
Er begann anschließend als Volontär der "Irrenanstalt" in Prag zu arbeiten, später war er Sekundararzt der Prager Findelanstalt, wo er auch noch den akademischen Grad eines „Mag.obst.“ (Magister der Geburtshilfe) erwarb. Später arbeitete er als Kreisphysikus in mehreren Bezirken Mährens und ab Dezember 1873 als landesfürstlicher Bezirksarzt in Königgrätz (Hradec Králové) bevor er ab 1884 die Leitung des Krankenhauses in Brünn übernahm.
Es folgte eine Berufung in die k.u.k. Hauptstadt Wien, wo er ab Ende 1892 Direktor des Krankenhauses Wieden wurde, das er organisatorisch optimierte (u.a. Reorganisation der Küche und Verpflegung der Kranken).
Im Juli 1896 wurde er am Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) mit der Vertretung des beurlaubten bisherigen Direktors Karl Böhm (1827–1902) betraut und im November 1896 zu dessen Nachfolger ernannt, wo er sich erfolgreich für die Modernisierung und Ausgestaltung der medizinischen und wirtschaftlichen Einrichtungen engagierte.
Leistungen
Sofort übernahm er auch hier die Küche von externen Pächtern wieder in die Eigenverwaltung des Krankenhauses, um billiger bessere Kost für die Kranken sicherzustellen. Anschließend schuf er 1899 eine Zentralsterilisationsanlage für Verbandstoffe, die an die Hauptapotheke der Anstalt angegliedert war. Weiters stattete er die räumlich sehr beengten Kliniken und Abteilungen planmäßig mit modernen Operationsräumen, Zimmerlaboratorien, klinischen Hörsälen und Laboratorien aus, und ließ die Krankenstationen bauhygienisch assanieren. Zum Schutz anderer Kranker wurden Isolierzimmer eingerichtet, ebenso ein Röntgenlaboratorium.
Im Oktober 1898 kam es im pathologisch-anatomischen Institut durch Privatdozent Dr. Hermann Franz Müller (1866–1898), der dort mit Pestbazillen experimentierte, versehentlich zu einer Freisetzung, wobei Müller selbst sowie der Krankenhausdiener Franz Barisch und die Pflegerin Albine Pecha mit Lungenpest infiziert wurden. Alle drei wurden bis zu ihrem Tod unter strikte Quarantäne, um eine Ausbreitung der damals nicht behandelbaren Pest auf das gesamte Krankenhaus und ganz Wien zu verhindern. Im Oktober 1899 wurde im Hof 8 des AKH ein Denkmal für Müller als „Held der Forschung“ errichtet (Bildhauer Prof. Richard Kauffungen). Ungeachtet dessen führte die Tatsache, dass fast eine Pestepidemie ausgebrochen wäre, zu heftiger Kritik an den unhaltbaren sanitären Zuständen im AKH und somit auch an Direktor Mucha. Da Adaptierungen nicht mehr ausreichten, wurde der schon lange diskutierte Neubau immer dringlicher gefordert.
1902 gingen mit dem sogenannte "Krankenhausvertrag" zwischen dem Staat, dem Land Niederösterreich und der Gemeinde Wien die Gründe des ehemaligen Versorgungshauses der Stadt Wien und der ehemaligen niederösterreichischen Landesirrenanstalt in den Besitz der Staatsverwaltung (Krankenanstaltenfonds) über, um darauf das k. k. Allgemeinen Krankenhauses neu zu errichten und das alte AKH anschließend abzureißen. 1904 wurde der Generalbauplan der neuen Kliniken genehmigt, auch um so dem enormen Bevölkerungszuwachs Wiens gerecht zu werden. Die Grundsteinlegung für die "Neuen Universitätskliniken" zwischen Spitalgasse, Lazarettgasse und Gürtel erfolgte durch Kaiser Franz Joseph I. am 21. Juni 1904. In der ersten Bauphase (1904-1908) wurden die beiden Frauenkliniken an der Spitalgasse mit einem gemeinsamen Isolierpavillon errichtet, in der zweiten Bauphase (1908-1911) das neue Eingangsgebäude, die I. Medizin. Univ.-Klinik, die Univ.-Kinderklinik und die HNO-Univ.-Klinik. 1904 war auch eine Heilstätte für Lupuskranke in Wien 18., Czermakgasse 2 als Filialkrankenhaus des AKH eröffnet worden (Leitung: Eduard Lang).
Besonderes Augenmerk richtete Mucha auch von Anfang an auf die Verbesserung der Krankenpflege. Er holte den Orden der „Dienerinnen des heiligsten Herzen Jesu“ für den Pflegedienst ans AKH, die bereits an mehreren anderen Wiener Spitälern diese Aufgabe erfolgreich übernommen hatten. 1899 wurden 120 geistliche Krankenschwestern im "Nonnengebäude" in der Spitalgasse 11 untergebracht, das über einen unterirdischen Verbindungsgang in den 1. Hof verfügte. Rasch zeigte sich aber, dass dies nicht ausreichend war, weshalb ab 1903 im ehemaligen Versorgungshaus der erste theoretisch-praktische Unterrichtskurs über Krankenpflege für weltliche Krankenschwestern errichtet wurde (Leitung: Albert Mosetig). Erst nach Ende seiner Amtszeit wurde dies formal mit der Einrichtung der ersten Krankenpflegeschule am AKH 1913 verstetigt.
Mucha war seit 1897 Mitglied des Obersten Sanitätsrates, hatte seit 1905 den Titel und Charakter eines k. k. Hofrates und ging Mitte 1909 in den dauernden Ruhestand. Ab August 1909 folgte ihm Dr. Eduard Meder (1862–1937), Direktor des Wilhelminenspitales und 1905–1908 Muchas Stellvertreter als AKH-Direktor.
Darüber hinaus engagierte sich Mucha auch für die Interessen seiner Berufsgruppe, etwa in der Wiener Gesellschaft der Ärzte. Nach seiner Pensionierung zog er sich zu seinem Sohn, dem bekannten Dermatologen Viktor Mucha jun. (1877–1933) in das niederösterreichische Lilienfeld zurück, wo er seinen Lebensabend verbrachte und Ende 1919 starb.
Ehrungen
1978 wurde die Muchagasse in Wien-Döbling (19. Bezirk) nach Viktor Mucha sen. benannt.
Sein Name findet sich auf dem "Denkmal der Direktoren des Allgemeinen Krankenhauses" im 2. Stock des Stöckelgebäudes (ehem. Direktion des AKH) im Hof 1 am Campus der Universität Wien.
Links
>>> Wien Geschichte Wiki (abgerufen am 18.09.2025)
Zuletzt aktualisiert am 10/10/25
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Denkmal Direktoren des Allgemeinen Krankenhauses 1784–1989
Das Denkmal im Stiegenhaus des Stöckelgebäudes (2. Stock vor dem Festsaal) im Hof 1 dss Campus (ehem. Direktionsgebäude) listet alle Direktoren des...

