Johannes von Randegg (Randeck)

–9.7.1386
died in Sempach

(latinisiert: Iohannes de Randeck)

Functions

Rector 1377/78

Johannes von Randegg entstammte einem hegauischen Adelsgeschlecht, dessen Stammburg Randegg sich im gleichnamigen Ort im Kreis Konstanz befindet. Im 14. Jahrhundert waren  die Herren von Randegg als Vögte von Schaffhausen Lehensleute der Habsburger. Johannes, über dessen Ausbildung nichts bekannt ist, schlug die kirchliche Laufbahn ein: 1367 ist er als Kanoniker in Basel nachweisbar, 1377 scheint er als Domherr in Konstanz und Augsburg auf, ein Jahr später wird er als Archidiakon des Thurgaus im Bistum Konstanz genannt. Obwohl er eine Vielzahl kirchlicher Ämter bekleidete, dürfte Johannes nie zum Priester geweiht worden sein: 1381 dispensierte ihn Papst Clemens VII. von der Verpflichtung, die Priesterweihe innerhalb der nächsten fünf Jahre zu empfangen.

Ende Juni 1377 wurde Johannes von Randegg zum Rektor gewählt. Er gehört zu jenen frühen Rektoren der Universität Wien, die entgegen den Bestimmungen des Rudolfinischen Stiftbriefs keine Magister der Artistenfakultät, sondern Scholaren der Juridischen Fakultät waren. Während seiner Amtszeit wurde das älteste erhaltene Matrikelbuch angelegt. Die Matrikel entstand vermutlich aufgrund einer gemeinsamen Initiative Johannes von Randeggs mit Berthold von Wehingen, um der jungen Universität, die sich nach dem Tod ihres Gründers in einer prekären Situation befand, Auftrieb zu geben. In diesem Sinne kann die Matrikel, das Mitgliederverzeichnis der universitären Rechtsgemeinschaft, als sicht- und greifbares Symbol dafür verstanden werden, dass die „Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden“ in Wien existierte und rechtliche Ansprüche stellte. Diese Ansprüche werden auch durch die Liste von 291 Universitätsangehörigen vor 1377 untermauert, die den Immatrikulationen des Jahres 1377/78 vorangestellt wurde.

Wie lange sich Johannes in Wien aufhielt, geht aus den Quellen nicht hervor. In den 1380er Jahren war er vor allem im Bistum Konstanz aktiv. Kirchenpolitisch stand er auf Seiten des avignonesischen Papstes Clemens VII. Am 9. Juni 1386 fiel Johannes von Randegg in der Schlacht bei Sempach gegen die Schweizer Eidgenossen, wo er als Gefolgsmann Herzog Leopolds III. ein Schaffhausener Aufgebot befehligte.

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert am 04/01/20