Joseph Ritter von Zhishman (Čižman), o. Univ.-Prof. Dr. iur. et phil., Dr. iur. h.c.

18.2.1820 – 4.9.1894
geb. in Laibach, Krain (Ljubljana, Slowenien) gest. in Wien

Funktionen

DekanIn Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1876/77
Rektor Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1885/86

Joseph Zhishman absolvierte das Gymnasium sowie den philosophischen Curs in seiner Heimatstadt Laibach und studierte ab 1839 an der Juridischen Fakultät der Universität Wien. 1843 promovierte er zum Doktor der Rechtswissenschaften. Nach einer erfolglosen Bewerbung für ein Lehramt am Gymnasium nahm er zudem ein Studium an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien auf und widmete sich hier besonders orientalischen Sprachen sowie Geschichte. 1848 schloss er dieses Studium mit dem Doktorat der Philosophie ab.
Nach der 1849 beginnenden Gymnasialreform im Zuge der Thun-Hohenstein’schen Bildungsreformen absolvierte Zhishman philologische und historische Seminare und erwarb 1851 schließlich die Lehrbefähigung für das Gymnasium. Abschließend begann er als Supplent, ab 1852 als wirklicher Lehrer am Triester Staatsgymnasium Geschichte, Geografie, Latein und Griechisch zu unterrichten. Bereits 1853 wechselte er an die Theresianische Ritterakademie in Wien, wo er 14 Jahre lang lehrte. Ab 1867 fungierte er als einer der Lehrer des Kronprinzen Rudolf (bis 1874) und wurde mit der Erstellung eines Gymnasiallehrplanes für klassische Sprachen, Geografie und Geschichte beauftragt.

Neben seiner Lehrtätigkeit begann Joseph Zhishman sich in seinen Forschungen mit dem römischen, byzantinischen und griechischen Kirchenrecht auseinanderzusetzen, befasste sich mit vermögens-, ehe- und organisationsrechtlichen ebenso wie mit historischen und theologischen Fragen. Er veröffentlichte umfangreiche systematische Quelleneditionen, bei denen ihm seine umfangreichen Sprachkenntnisse (Latein, Griechisch, Armenisch, Arabisch etc.) zugutekamen. Einige seiner Publikationen gelten noch heute als Standardwerke und er galt somit bald als DER Experte für orthodoxes Kirchenrecht in der Habsburgermonarchie.

1867 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor für Orientalisches Kirchenrecht an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. Er fungierte ab 1870 als Prüfungscommissär bei den rechtshistorischen Staatsprüfungen und wurde 1871 zum ersten Ordinarius für Orientalisches Kirchenrecht an der Universität Wien berufen.
An der Universität Wien fungierte Zhishman im Studienjahr 1876/77 als Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät und wurde für 1885/86 zum Rektor der Universität Wien gewählt. Nach seiner Amtszeit als Rektor wurde er Direktor der „k. k. Familien- Fideicommißbibliothek“ (bis zu seinem Tod).

Seit den 1860er-Jahren wurde Joseph Zhishman zudem von verschiedenen Ministerien, v. a. dem Ministerium für Cultus und Unterricht, als – meist einziger – Gutachter in Fragen des östlichen Kirchenrechts herangezogen. So verfasste er 1868 einen Entwurf der Geschäftsordnung für das griechisch-orientalische Konsistorium der Bukowina und 1872 ein kirchenrechtliches Gutachten zur Errichtung der Metropolie von Zadar/Zara und Kotor/Cattaro. Besonders engagierte sich Zhishman bei der Errichtung der orthodoxen-theologischen Fakultät der Universität Czernowitz, für die er 1873 ein Statut sowie später eine Rigorosenordnung entwarf. 1874 verfasste er die Gründungsdiplome für das Bisthum Cattaro und für die Metropolie Czernowitz, 1880 das Statut für ein neues orientalisches Priesterseminar in Sarajewo und 1883 für das Konsistorium ebendort. Darüber hinaus befasste er sich mit Fragen der Orthodoxie in Dalmatien, Bosnien, Herzegowina sowie Cisleithanien.

Für seine Verdienste wurde Joseph Zhishman vielfach geehrt. So wurde ihm die Goldene Medaille für Wissenschaft und Kunst (1865) und der Orden der Eisernen Krone III. Klasse (1871) verliehen. Nachdem er 1879 in den Ritterstand erhoben wurde, erhielt er 1881 den Hofratstitel.

> Wikisource: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
​> Slovenska biografija

Werke (Auswahl)

Die Unionsverhandlungen zwischen der orientalischen und römischen Kirche seit dem Anfange des XV. Jahrhunderts bis zum Concil von Ferrara, 1858.
Memorandum über die Organisirung der kirchlichen Aemter an den Kathedralen der griechischen Kirche, 1864.
Das Eherecht der orientalischen Kirche, 1864.
Die Synoden und die Episkopal-Ämter in der morgenländischen Kirche, 1867.
Das Stifterrecht (Το κτητορικόν δίκαιον) in der morgenländischen Kirche, 1888.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 19.03.2020 - 11:22

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