Johann Peter Frank, Prof. Dr. phil., Dr. med.

19.3.1745 – 24.4.1821
born in Rodalben, Baden (Rheinland-Pfalz), Germany died in Alservorstadt, Wien, Austria

1795–1804 Direktor des Wiener Allgemeinen Krankenhauses, Begründer der öffentlichen Hygiene und eines modernen öffentlichen Gesundheitswesens und der Sozialmedizin.

Honors

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Denkmal „AKH-Direktoren“
Monument Denkmal im Campus Hof 1 1935

Das Denkmal – eine Bronzebüste Franks auf einem hohen Marmorsockel von der Bildhauerin Cäcilie Danzer (1885–1963) – wurde am 18. Mai 1935 zum 150 Jahr-Jubiläum des Alten Allgemeinen Krankenhauses (AAKH), im Hof 1 des Krankenhauses, seitlich von der Hauptallee errichtet (dieselbe Büste wurde von der Bildhauerin 1930/31 bereits in Marmor ausgeführt, diese wurde – mit anderem Sockel und Inschrift – 1931 vom österreichischen Sozialministerium dem Deutschen Hygiene Museum in Dresden für dessen „Galerie großer Ärzte“ gewidmet).
Beim Umbau des AAKH zum Campus der Universität Wien wurde im Oktober 1995 der Bronzekopf von der Baustelle gestohlen – bis heute steht nur noch der leere Marmorsockel mit der Widmungsinschrift im Hof 1 des Campus.

The monument—a bronze bust of Frank on a tall marble pedestal by sculptor Cäcilie Danzer (1885–1963)—was erected on May 1th8, 1935, on the 150th anniversary of the Old General Hospital (AAKH), in courtyard 1 of the hospital, to the side of the main avenue (the same bust had already been created in marble by the sculptor in 1930/31, and in 1931, with a different pedestal and inscription, it was dedicated by the Austrian Ministry of Social Affairs to the German Hygiene Museum in Dresden for its „Gallery of Great Doctors“).
During the reconstruction work, transferring the AAKH into the Campus of the University of Vienna, the bronze head was stolen from the construction site in October 1995 – to this day, only the empty marble pedestal with the dedication inscription remains in courtyard 1 of the campus.

Frank stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in der Markgrafschaft Baden, studierte 1761–1763 Philosophie in Metz und an der Universität Pont-à-Mousson und promovierte dort 1763 zum Dr. phil. Dann studierte er 1763–1766 Medizin in Heidelberg und Straßburg und promovierte 1766 zum Dr. med. in Heidelberg. Anschließend praktizierte er als Arzt an verschiedenen Orten im Deutschen Reich und in Lothringen.

Berufliche Stationen

Er wurde 1769 Leibarzt des Markgrafen von Baden, 1779 Leibarzt des Fürstbischofs von Speyer in Bruchsal, 1784 übernahm er die Professur der Physiologie in Göttingen.

Im folgenden Jahre wurde er Professur für medizinischen Praxis an der Universität Pavia und übernahm auch die Leitung der dortigen medizinischen Klinik. 1786 wurde er als Generaldirektor des Medizinalwesens der österreichischen Lombardei und Mantuas, womit ihm die Direktion des Krankenhauses von Pavia wie auch die Aufsicht über sämtliche Hospitäler und Apotheken übertragen wurde. Er unterrichtete auch Gerichtsmedizin und öffentliche Gesundheitsversorgung („Medizinalpolizei“) und arbeitete an seinem mehrbändigen Hauptwerk „System einer vollständigen medizinischen Polizey“ deren erste vier Bände 1779, 1780, 1783 und 1788 erschienen und mit dem er langanhaltende internationale Wertschätzung erlangte. Darüber hinaus verfasste er in dieser Zeit auch noch ein Handbuch für Pathologie und Therapie der inneren Krankheiten.

Schon 1790 wurde er von Kaiser Leopold II. gebeten, die kurz nach der Eröffnung bereits eingetreten Mängel des Betriebs des von Josef II. 1784 eröffneten Allgemeinen Krankenhauses (AKH) zu analysieren und Verbesserungsvorschläge zu entwickeln – Frank legte noch im selben Jahr einen ausführlichen Bericht dazu vor, dessen Vorschläge aber aufgrund der damit verbundenen Kosten nicht umgesetzt wurden. Aufgrund dieser Vorschläge und seinen erfolgreichen Reformen in der Lombardei wurde er 1795 in doppelter Funktion nach Wien berufen.

Universitätsprofessor und Direktor des Allgemeinen Krankenhauses in Wien

Nach dem Tod von Ferdinand Melly, Direktor des AKH, erfolgte im November 1795 die Ernennung Johann Peter Franks zum k. k. Hofrat, zum Direktor des AKHS sowie zum Professor der praktischen Arzneischule. Er sollte mit seinen Zugängen den medizinischen Unterricht und die Spitalsorganisation in Wien wieder auf internationale Höhe bringen.
Er erweiterte und verbesserte die räumliche Situation der medizinischen und chirurgischen Schule um Vortrags- und Operationssäle, Schaffung neuer Krankensäle mit verbesserter Beleuchtung und Belüftung, hob mit seinen Lehrmethoden wieder den internationalen Ruf Wiens als medizinisches Zentrum, das viele ausländische Ärzte anzog. Er gründete auch die Sammlung pathologisch-anatomischer Präparate, stellte einen Prosektor für die Leichensektionen ein (Alois Rudolf Vetter) und errichtete ein neues Leichenhaus.
Als AKH-Direktor richtete er wöchentliche Sitzungen der Primarärzte und -chirurgen ein, um den Austausch über häufige und seltene Erkrankungen und die Bedürfnisse der Abteilungen zu ermöglichen. Er setzte eine strenge Hausordnung mit fixen Essens- und Besuchszeiten durch, sorgte für die Einhaltung der Anwesenheitszeiten des ärztlichen und Betreuungspersonals, verbesserte die Hygiene in den Krankensälen. So verlegte er die Pferdeställe und Misthaufen im Hof 3 weg von den dortigen Krankensälen. Im Hof 13 mit dem sogenannten „Narrenturm“ ließ er die offenen Abfallstränge in den Krankenzellen schließen und führte statt dessen Blech-Nachttöpfe mit häufiger Leerung ein, was zu einer Milderung der Geruchtsbelästigung führte.
Er kündigte den privaten Betreiber der Spitalsküche (Traitteur) und das AKH übernahm 1796 selbst die Leitung der Küche, um die Nahrungsversorgung zu verbessern und gleichzeitig billiger zu gestalten. Auch die unzureichende Trink- und Nutzwasserversorgung sollte durch die geplante Hernalser Wasserleitung für das AKH und das angrenzende Garnisonsspital verbessert werden, doch scheiterte dieser Plan an den erforderlichen Kosten.
Es wurde ein Garten für die Kranken des „Narrenturmes“ angelegt, damit diese zeitweise aus den Zellen kommen und bei Tageslicht beaufsichtigt spazieren gehen konnten. Er verbot zeitgleich die Wiener Unsitte, dass Besucher*innen die Kranken zum Vergnügen und zur Belustigung besichtigten.
Er führte auch Absonderungen innerhalb des Spitalsbetriebs für Patient*innen mit ansteckenden Erkrankungen ein (Pocken, Krätze, Tollwut, Syphillis, ..), wie auch deren Meldung an die Polizei, um sie auch nach der Entlassung im Hinblick auf weitere Ansteckungen beobachten zu können.
Für Unfälle wurde ein eigener Krankensaal zwecks Durchführung diverser Rettungsversuche eingerichtet. Frank erhöhte auch die Zahl der Primarärzte und verlegte die Ambulanzen für arme Kranke mit eigenem ärztlichen Personal aus dem Großspital vor den Stadtmauern in die innere Stadt hinein.
In Sachen Weiterbildung der Mediziner legte er u.a. eine medizinische Hausbibliothek im Krankenhause an. Frank war bedeutend für die Durchsetzung der Impfungen in Österreich.

Kritisiert für die durch all diese Maßnahmen gestiegenen Kosten, verteidigte er sich damit:

„das Menschenersparnis doch immer das vorzüglichste aller Staatsersparnisse sei und daß jedes Ökonomiesystem, welches sich auf Nachteil der Erhaltung nützlicher Staatsbürger gründen möchte, seinen wahren Endzweck verfehle, daß nach dieser Maxime in Spitälern, wo auf eingeführten Mißbräuchen oder fortdauernder Mängel der Tod von Tausenden haftet, jeder durch Vorschub kräftiger Rettungsmittel ersparte Pfennig mit Bürgerblut bedeckt werde und daß der Vorwand eines Abganges an nötigen Mitteln, die ärmeren Kranken eines Gemeinwesens auf das Tätigste zu unterstützen, gegen das gesellschaftliche Verbündnis der gesunden vermöglichen Klasse, die ersteren zu erhalten, nicht Stich halten könne.“ (aus seiner Gegenschrift zu den Angriffen des kaiserlichen Leibarztes Stifft, 1803)

Infolge wurden die Gebühren für die Kranken erhöht und die ökonomische Verwaltung aus der Direktion Franks herausgelöst und einem eigenen wirtschaftlichen Leitungsbeamten übertragen. 

Abgang aus Wien, Leibarzt des Zaren

Frank selbst wurde von Konkurrenten umfassend diffamiert, wogegen er sich zwar erfolgreich verteidigen konnte, legte aber doch in Anbetracht der schwierigen Situation 1804 die Professur und die Direktion des Allgemeinen Krankenhauses zurück.

Er wechselte ins russische Zarenreich, wo er 1804 als Prof. für Pathologie und Direktor der Medizinischen Anstalten an die Universität Wilna (Vilnius, Litauen) berufen wurde, 1805–1808 war er Leibarzt des russischen Zaren Alexander I. (1777–1825), daneben 1806–1808 Prof. für allgemeine Therapie und 1805–1808 Rektor der Mediko-chirurgischen Akademie in St. Petersburg. 1808 kehrte er wieder nach Wien zurück, war bei der zweiten Napoleonischen Belagerung Wiens kurz medizinischer Berater Napoleons I. (1869–1821), Kaiser der Franzosen. Nach kurzem Aufenthalt in Freiburg/Breisgau kehrte er wieder nach Wien zurück und war ab 1814 Leibarzt von Marie Luise von Österreich (1791–1841), (Ex-)Kaiserin der Franzosen und ihres Sohnes Napoleon [II.] Franz Joseph Karl Bonaparte (1811–1832), König von Rom bzw. Herzog von Reichstadt.

Johann Peter Frank starb 1821 in Wien.

Werke (Auswahl)

De educatione infantum physica, Diss. Strasbourg, 1762
Dissertatio inauguralis medica curas infantum physico-medicas exhibens, Heidelberg 1766
Sendschreiben eines Rheinischen Arztes über einige von dem Kollegium der Ärzte zu Munster aufgestellte Grundsätze, 1776
System einer vollständigen medicinischen Polizey (6 Bände und 3 Suppl.), 1779–1819 (Digitalisat)
Kleine Schriften praktischen Inhalts, 1779 (Digitalisat)
Handbuch der Pathologie und Therapie der inneren Krankheiten: De curandis hominum morbis epitome praelectionibus academicis dictata (9 Bände), 1792–1821
Grundsätze über die Behandlungen der Krankheiten des Menschen zu akademischen Vorlesungen bestimmt (in 9 Bänden), 1794–1831

Ehrungen

Zu Lebzeiten erhielt er zahlreiche Ehrentitel und Auszeichnungen, u.a. 1776 „Hochfürstlicher Geheimer Rat“, 1795 „Königlich-Kaiserlicher Hofrat“, 1804 „Russisch-Kaiserlicher Hofrat“, 1807 „Wirklicher Russischer Staatsrat“, 1810 St.-Vladimir-Orden 4 Klasse, 1819 St. Georgs-Ritterorden.

Posthum wurde im April 1875 eine neu angelegte Straße im 9. Bezirk Alsergrund nahe dem AKH nach Johann Peter Frank Frankgasse benannt (1925 verlängert). 1931 wurde eine Marmorbüste Franks, geschaffen von der Bildhauerin Cäcilie Danzer (1885–1963) von der Regierung Österreichs dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden für die „Galerie großer Ärzte“ überreicht. Zum 150-Jahr Jubiläum des AKH wurde im Mai 1935 im Hof 1 ein Denkmal Franks enthüllt – eine bronzene Büste, ebenfalls von Cäcilie Danzer auf hohem Marmorsockel mit entsprechender Gedenkinschrift. Bei den Umbauarbeiten des AKH zum Unicampus wurde der Kopf im Oktober 1995 von der Baustelle gestohlen – heute steht nur noch der leere Marmorsockel mit der Gedenkinschrift im Hof 1.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das „Kaiserin-Elisabeth-Spital“ in Wien 14., Huglgasse 1–3 im Juli 1941 in „Johann-Peter-Frank-Krankenhaus der Stadt Wien“ umbenannt (wurde nach Kriegsende im Mai 1945 wieder rückbenannt).
Sein Name findet sich auch auf dem „Denkmal der Direktoren des Allgemeinen Krankenhauses“ im 2. Stock des Stöckelgebäudes im Hof 1 am Campus der Universität Wien.
Sein Grab, ursprünglich am Währinger Friedhofe, wurde nach dessen Auflassung in ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof transferiert samt dem aufwändigen Grabdenkmal des Bildhauers Leopold Kiesling.

Daneben zahlreiche Gedenktafeln, Denkmäler und Straßenbenennungen in Wilna (Flachrelief in Universität Wilna), Pavia (Büste und Gedenktafel in Aula Scarpa, Teatro Anatomica, Gedenktafel im Hof der Universität, Denkmal für Johann Peter und Sohn Johann Frank in Universität, Straßenbenennung Via Guiseppe Frank) und im Geburtsort Rodalben wo schon 1855 eine Gedenktafel am Geburtshaus in der Dr. Johann Peter Frank-Straße und 1965 ein Johann Peter Frank-Denkmal errichtet wurden, 1972 Johann Peter Frank-Medaille, jährlich verliehen vom Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), 1987 Errichtung Johann Peter Frank-Museum in Rodalben, 1995 Johann Peter Frank-Gesellschaft u.a.

Siehe auch

> Wien Geschichte Wiki (abgerufen am 03.08.2025)
> Österreichisches Biographisches Lexikon (abgerufen am 03.08.2025)
> Neue Deutsche Biographie (abgerufen am 03.08.2025)
> Wikipedia (abgerufen am 03.08.2025)

Herbert Posch

Zuletzt aktualisiert am 10/30/25

  • Johann Peter Frank (1745–1821), Medizin

    Das Hüftbild nach halbrechts zeigt im Oval den Mediziner Johann Peter Frank (1745–1821), in einer Zeichnung von Schröder, in Punktierstich gestochen...

    Courtesy: Archive of the University of Vienna, picture archive Originator: Zeichnung: Schröder, Stich: Pfeiffer Signatur: 135.110

Druckversion

Related content