Georg Reinhold, Univ.-Prof.Dr.

29.4.1861 – 30.1.1951
geb. in Altenteich, Böhmen gest. in Wien

Funktionen

Senator Katholisch-Theologische Fakultät 1902/03
Senator Katholisch-Theologische Fakultät 1903/04
Senator Katholisch-Theologische Fakultät 1904/05
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1906/07
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1910/11
Rektor Katholisch-Theologische Fakultät 1914/15
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1920/21

Georg Reinhold, Sohn des Kontoristen Laurenz Reinhold, studierte nach der Matura am Staatsgymnasium in Eger (Cheb) ab 1880 Theologie an der Universität Wien und trat in das Priesterseminar St. Augustin ein. Zwei Jahre später wechselte er nach Rom an das Germanikum, wo er 1887 die Priesterweihe erhielt und sich philosophischen und theologischen Studien an der Gregorianischen Universität widmete. Hier promovierte er 1885 zum Doktor der Philosophie und 1888 zum Doktor der Theologie.

Zurück in Wien fungierte Reinhold anschließend als Studienpräfekt und Subrektor des Priesterseminars. Daneben hielt er ab 1891 an der (Katholisch-)Theologischen Fakultät der Universität Wien Lehrveranstaltungen für Altes Testament, später auch für Fundamentaltheologie. Mit der Schrift „Die Lehre von der Gegenwart Christi in der Eucharistie beim Heiligen Thomas von Aquin“ wurde er 1893 habilitiert und zum außerordentlichen Professor für Dogmatik ernannt. 1900 folgte die Ernennung zum ordentlichen Professor für Fundamentaltheologie und Apologetik. Seine Vorlesungsinhalte erschienen 1905 unter dem Titel „Theologia Fundamentalis in usum auditorum“.

In seinen Publikationen befasste sich Georg Reinhold intensiv mit den Kritike(r)n des Katholizismus, u.a. 1899 der „Streitfrage über die physische und moralische Wirksamkeit der Sakramente“, 1901 den Vorwürfen des Berliner protestantischen Theologen Adolf Harnack sowie 1902 der Kritik Machs an den „Gottesbeweisen“. Sein 1908 erschienenes Hauptwerk „Der alte und der neue Glaube“, das sich den philosophischen und historischen Grundlagen der christlichen Lehre widmete, bildete den Anstoß für die aufsehenerregende Konversion des evangelischen Professors Albert von Ruville, der an der Universität Halle an der Saale Neuere Geschichte lehrte.

An der Universität Wien fungierte Reinhold 1902–1905 zunächst als Senator und in den Studienjahren 1906/07, 1910/11 und 1920/21 als Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät. Für das Studienjahr 1914/15 wurde er zum Rektor der Universität Wien gewählt. In seiner Amtszeit, die kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges begann, wurden große Teile des Hauptgebäudes der Universität Wien zum Verwundetenspital umfunktioniert sowie der Lehrbetrieb großteils ausgelagert und eingeschränkt bzw. in den Dienst der Kriegsanstrengungen gestellt.

Während des Ersten Weltkrieges übernahm Georg Reinhold die Betreuung der Schwestern der Poliklinik und engagierte sich in der Soldaten-, Gefangenen- und Studentenseelsorge sowie für das Canisiuswerk. Seine seelsorgerischen Aktivitäten motivierten ihn in diesen Jahren auch zur Veröffentlichung populärwissenschaftlicher Schriften, darunter die Broschüren „Unsere Lebensreise“ (1917) sowie „Der Bankerott der Religion im Weltkriege“ (1919).

Für seine Tätigkeiten wurde Georg Reinhold mehrfach geehrt. So wurde er 1915 zum Päpstlichen Hausprälaten und 1917 zum Hofrat ernannt. 1925 folgte die Ernennung zum Apostolischen Pronotator, 1934 zum Geistlichen Gerichtsrat sowie 1935 zum Konsistorialrat. Im Alter lebte Reinhold ab 1932 zurückgezogen im Mutterhaus der „Töchter der göttlichen Liebe“ in Wien 7, Kaiserstraße. Nach seinem Tod 1951 im Alter von fast 90 Jahren wurde er auf dem Klosterfriedhof der Schwesternschaft in Gablitz bei Purkersdorf beerdigt.

Werke (Auswahl)

Örtliche Gegenwart Christi in der Eucharistie bei Thomas von Aquin (Hablitationsschrift), 1893.
Streifrage über die physische und moralische Wirksamkeit der Sakramente, 1899.
​Wesen des Christentums, 1901.
Die Welt als Führerin zur Gottheit, 1902.
Die Gottesbeweise und ihre neuesten Gegner. Würdigung der von Prof. Mach gegen diese Beweise vorgebrachte Bedenken, 1902 (2. Aufl. 1911).
​Theologia Fundamentalis in usum auditorum (Vorlesungen), 1905 (2. Aufl. 1915).
​Der alte und der neue Glaube, 1908 (4. Aufl. 1924).
Was lehrt uns der Uebertritt Ruvilles? Ein Büchlein zum Nachdenken für jeden gläubigen Christen, 1910.
Antimodernisteneid und Freiheit der Wissenschaft, 1911.
​Der Entwicklungsbegriff, 1914.
​Lebensreise, 1917.
Der Bankerott der Religion im Weltkriege, 1919.
​Vernunft, Natur und gute Sitte, 1929
Schule und Religionsunterricht, o.J.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 11.05.2019 - 13:58

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