Gerhard Vischbeck (Wysbeke), Mag. art., Dr. decret.

14.Jhdt – 24.11.1419
geb. in Osnabrück gest. in Wien

(latinisiert: Gerhardus Vischbech bzw. Vischbeke bzw. Vischpechk)

Kanonist aus Osnabrück, Rektor der St. Stephans-Schule

Funktionen

Rektor 1381/82
Rektor 1388/89
Vize-RektorIn 1381
DekanIn Philosophische Fakultät 1387/88
DekanIn Rechtswissenschaftliche Fakultät 1411
DekanIn Rechtswissenschaftliche Fakultät 1415
DekanIn Rechtswissenschaftliche Fakultät 1417/18

Der aus einer Osnabrücker Bürgersfamilie stammende Gerhard Vischbeck studierte an der Universität Prag, wo er Schüler Heinrich von Oytas war und 1368 zum Bakkalar sowie 1370 zum Magister artium promoviert wurde. 1371 war er Dekan der Artistenfakultät, 1372/73 Vizerektor der Universität Prag. Spätestens in diesem Studienjahr hat er seine Rechtsstudien begonnen, da das Amt des Vizerektors auf die Juridische Fakultät beschränkt war.

Um das Jahr 1376 übersiedelte er nach Wien, wo er Lehrer an der Schule bei St. Stephan war; 1381 wird er als deren Leiter genannt. Im ersten Band der Universitätsmatrikel findet er sich als „Mag. Gerhardus lector ordinarius Wiennensis“ in der Liste der Magistri vor 1377. Im Juni 1381 wurde Vischbeck wegen der Abwesenheit des bisherigen Rektors Rudolf von Schaunberg zum Vizerektor gewählt. Während seines zweiten Rektorats wurden 1389 die Statuten der vier Fakultäten publiziert; als Rektor gehörte Vischbeck der Kommission an, die die neukonzipierten Bestimmungen auf ihre Rechtskonformität zu prüfen hatten.

Um die Mitte der 1390er Jahre setzte Vischbeck seine in Prag begonnenen Rechtsstudien an der Universität Padua fort. Wann genau er sich in Italien aufhielt, geht aus den Quellen nicht hervor: 1391 wurde er im Testament Heinrich von Langensteins noch als Testamentsvollstrecker eingesetzt, im Jahr 1394 fungierte er in Padua als Rektor der Ultramontani, der nicht italienischen Studenten.

In Padua wurde Vischbeck wohl auch zum Doktor des Kirchenrechts promoviert. Bei seiner Aufnahme in die Wiener Juridische Fakultät im Jahr 1405 wurde in der Debatte auch auf die Bestimmungen der Statuten zu Doktoren fremder Universitäten hingewiesen. Als Lehrer des geistlichen Rechts war Vischbeck seit spätestens 1403 tätig, nach seiner Aufnahme in die Fakultät bekleidete er dreimal das Amt des Dekans.

Neben seinen Universitätsagenden war Vischbeck seit etwa 1381, spätestens seit 1386 Domherr bei St. Stephan, 1388 scheint er zusätzlich als Kanoniker der Kirche St. Johann seiner Heimatstadt Osnabrück auf. Knapp vor seinem Tod 1419 wurde er noch zum Domdechanten ernannt, ein Amt, das er bereits seit 1417 als Verwalter innehatte.

Zweimal wurde er mit (kirchen-)diplomatischen Missionen betraut: 1390 war Vischbeck Leiter der Universitätsgesandtschaft, die dem neugewählten Papst Bonifaz IX. den Rotulus mit den Pfründenansprüchen der Wiener Magister überbrachte. 1408/09 nahm er im Gefolge des Passauer Bischofs Georgs von Hohenlohe am Reichstag in Frankfurt teil, wo auch die Frage der Kirchenunion besprochen wurde.

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert am 19.05.2020 - 11:22