Gottfried Harscher

–28.9.1459

(latinisiert: Gotfridus Harscher, Hartscher)

 

Funktionen

Rektor 1412

Gottfried Harscher, der im Sommersemester 1412 zum Rektor der Universität Wien gewählt wurde, stammte aus dem schwäbischem Adelsgeschlecht der Harscher von Allmendingen. Um 1401 wurde er als Domherr in Augsburg installiert, in den folgenden Jahren besuchte er verschiedene Universitäten: 1403 wurde er an der Universität Heidelberg als Gotfridus Hartscher, canonicus ecclesie Augustensis immatrikuliert, im Jänner 1411 ist er an der Universität Padua nachweisbar. Im Wintersemester 1411/12 wurde er in Wien sowohl in die Hauptmatrikel als auch in die Matrikel der Juridischen Fakultät als Adeliger und Dekan des Augsburger Domkapitels eingetragen (Dominus Gotfridus Harscher decanus ecclesie Augustensis). Bei der Immatrikulation wurde kein akademischer Grad angegeben; eine Graduierung ist wenig wahrscheinlich, da sich Adelige zu dieser Zeit kaum graduieren ließen. Auch in den Akten des Vatikans findet sich anlässlich der Verleihung des Domdekanats an Harscher im Juli 1411 nur die Anmerkung, dass er an verschiedenen Universitäten mehrere Jahre studiert habe (qui in diversis studiis privilegatis pluribus annis studuit), aber keine Nennung eines akademischen Grades.

Aus welchen Gründen sich Harscher in den Jahren 1411 und 1412 in Wien aufhielt, ist nicht bekannt. Es ist zu vermuten, dass er Wien gezielt aufgesucht hat. Ein zufälliger Halt auf der Rückreise von Padua nach Augsburg ist eher auszuschließen, da Wien nicht auf der direkten Reiseroute liegt. Harscher hat wohl die Amtsgeschäfte als Rektor selbst geführt, zumindest vermerken die Rektoratsakten nichts über die Ernennung eines Vizerektors; außerdem übergab er nach der Wahl von Johannes Aygel zum Rektor des Wintersemesters 1412/13 diesem die Siegel, die Urkunden und das Barvermögen der Universität. Danach ist er in Wien nicht mehr nachweisbar.

Bis 1411 war Harscher Pfarrer in Geisenhausen. Wohl anlässlich seiner Wahl zum Augsburger Domdekan resignierte er die Pfarre. Als Vorsteher des Kapitels war er mehrfach in Auseinandersetzungen mit der Augsburger Bürgerschaft, beispielsweise bei der Verwaltung des städtischen Spitals, verwickelt. Von 1417 bis 1438 war er zusätzlich Offizial in Auhausen. 1438 erhielt er eine weitere Kanonikerstelle in Eichstätt. 1450 berief ihn Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut in seinen Rat.

Gottfried Harscher starb am 29. September 1459 und wurde im Westflügel des Augsburger Domkreuzgangs bestattet; das Grab ist heute nicht mehr sicher lokalisierbar.

 

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Archiv der Universität Wien, R 1b: Acta Universitatis seu Rectoratus II (1401-1422), fol. 48v-51r.

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert am 18.12.2020 - 13:47