Johann Wilhelm Ridler, Prof. Dr. phil.

12.4.1772 – 23.1.1834
geb. in Leitmeritz, Böhmen (Litoměřice, Tschechien) gest. in Wien

Funktionen

DekanIn Philosophische Fakultät 1811/12
DekanIn Philosophische Fakultät 1823/24
Rektor 1829/30

Johann Wilhelm Ridler, Sohn des ehemaligen k. u. k. Offiziers und Geschäftsmannes Jakob Hilarius Ridler, absolvierte seine Schulzeit in seiner Heimatstadt Leitmeritz und ab 1787 die philosophischen Jahrgänge an der Karls-Universität Prag. Als Vorbereitung auf den Staatsdienst nahm er anschließend ebendort ein Studium der Rechte auf, brach dieses jedoch 1791 ab, um eine Stelle als in Wien anzutreten. Ab 1795 wirkte Ridler als Erzieher im Haus des einflussreichen Geschäftsmannes Baron Franz Wilhelm von Natorp.

An der Universität Wien setzte er seine Studien fort, unter anderem bei Franz Hammer, Professor für klassische Literatur. Über dessen Vermittlung wurde Ridler Supplent für Universal- und österreichische Staatengeschichte an der Universität Wien und 1804 Professor dieser Fächer, infolgedessen er seine Stelle als Erzieher zurücklegte. Nach Erlangung des philosophischen Doktorats 1806 wurde er auch zum Professor für Diplomatik und Heraldik ernannt. Zu seinen Schülern zählte der junge Schriftsteller Franz Grillparzer, der seinen Lehrer in dem Lustspiel „Die unglücklichen Liebhaber“ unter dem Namen „Rat Rimbold“ karikierte und die Eigenheiten des „phantastisch-historischen“ Professors bloßstellte.
An der Universität Wien fungierte Johann Wilhelm Ridler in diesen Studienjahren 1811/12 und 1823/24 als Dekan der Philosophischen Fakultät und 1829/30 als Rektor.

Parallel zu seiner universitären Lehrtätigkeit war er von 1807 bis 1809 als Erzieher bzw. Lehrer der Weltgeschichte am Kaiserhof beschäftigt und unterrichtete u. a. die Erzherzöge Franz Karl, Ferdinand (später Kaiser Ferdinand I.) und Joseph sowie die Erzherzoginnen Maria Ludovica (später Kaiserin), Leopoldine und Karoline. Diese Tätigkeit beendete Johann Wilhelm Ridler als er 1809 zum k. k. Regierungsrat sowie zum Mitglied der Studien-Hof-Commission ernannt wurde.

1814 wurde Ridler schließlich als Nachfolger des verstorbenen Anton Spendou Vorsteher der k. k. Universitäts-Bibliothek. In dieser Funktion, die er bis zu seinem Tod 1834 ausübte, führte er wesentliche Reformen durch: Er konnte nicht nur den Bücherbestand um etwa 30.000 Bände vergrößern, sondern auch die finanzielle und personelle Situation wesentlich verbessern, u.a. durch eine soziale Besserstellung auch der niederen Beamten sowie die Weiterbildung der Bibliothekare. Die Raumnot konnte durch die Planung und Errichtung des 1829 fertiggestellten Erweiterungsbaues (heute Sitz des Archivs der Universität Wien in der Postgasse) gemildert werden. Vor allem aber machte er sich um die bisher schlechte Bestandsverwaltung verdient. Er ließ eine Handbibliothek im Lesesaal aufstellen und verfasste eine „Bibliotheken-Instruktion“ (1824), die für alle Bibliotheken der Monarchie verbindlich wurde und damit die Grundlage für eine moderne Organisation der Bibliotheken sowie für deren wissenschaftliche Nutzung legte.

Ridlers schriftstellerisches Werk erhielt dagegen weitaus weniger Beachtung. Er war 1831 bis 1833 Mitbegründer und -herausgeber der Zeitschrift „Oesterreichisches Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung, Staatenkunde, Kunst und Literatur“. Daneben trat Ridler vor allem als Verfasser von Biografien hervor, darunter die „Darstellung des Lebens und Wirkens dreier hochgesinnter Männer Oesterreichs, des Grafen Wrbna, k. k. Oberstkämmerers, des Grafen von Chorinsky, k. k. Staatsministers, und des Grafen von Lazansky, k. k. böhmisch-galizischen Hofkanzlers“ (1823).

Für seine Leistungen wurde Ridler mehrfach geehrt: Er wurde 1814 zum k. k. Prüfungscommissär an der Universität Wien sowie zum Ehrenmitglied an der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien ernannt. Zudem entfaltete er als Mitbegründer und Direktor des des Wiener allgemeinen Witwen- und Waisen-Instituts eine große Wirkung.

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> Wikisource: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich 
> Wikipedia
> SCK - Slovník českých knihovníků [Lexikon der tscheichschen Bibliothekare] 

Werke (Auswahl)

Voltaire, 1810.
Ferdinand Fürst von Trautmannsdorff, 1811.
Darstellung des Lebens und Wirkens dreyer hochgesinnten Männer Oesterreischs (Graf R. v. Wrbna, Graf I. C. v. Chorinsky, Graf P. v. Lazansky), 1823.
Die k. k. Universitäts-Bibliothek in Wien (in: Neues Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst 2), 1830.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 27.11.2020 - 14:27