Karl Gruber, Dr. jur.

9.8.1920 – 2.6.2015
geb. in Herzogenburg, NÖ, Österreich gest. in Wien, Österreich

Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
EhrenbürgerIn civ.h.c. 1984/85 Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät

Karl Gruber, geboren 1920 in Herzogenburg, besuchte anfangs das Gymnasium in Linz/OÖ, wechselte 1938 auf das Gymnasium in St. Pölten/NÖ, wo er 1939 die Reifeprüfung (Matura) ablegt. Er leiste im Nationalsozialismus den Arbeitsdienst ab und nahm als Soldat der Luftwaffe der Deutschen Wehrmacht am Zweiten Weltkrieg teil. Er geriet in Kriegsgefangenschaft, aus der er 1945 entlassen wurde. In kürzester Zeit absolvierte er sein Rechts- und Staatswissenschaftliches Studium an der Universität Wien und traf der CV-Verbindung Raeto-Danubia bei. Er promovierte 1948 zum "Dr. iur." und trat nach kurzer Gerichtspraxis noch im selben Jahr in die damalige Raiffeisenzentralkasse Niederösterreich­/Wien ein. Seine Aufgaben damals beschreibt er in einem Interview 2010:

„Als ich nach dem Krieg als einer der ersten Mitarbeiter in der damaligen Zentralkasse angefangen habe, musste aus kleinen Anfängen eine wirtschaftliche Basis geschaffen werden. Wir waren noch stark landwirtschaftlich dominiert, eine der wichtigsten Aufgaben war die Finanzierung der Lagerhäuser. Es ist uns aber doch gelungen, eine starke Eigenkapitalbasis zu schaffen. […] Der Name Raiffeisen war überhaupt noch nicht verbreitet. Die Raiffeisenkassen hießen ja noch Spar- und Darlehenskassen-Vereine. Erst von den jüngeren Mitarbeitern, zu denen ich auch gehörte, wurde der Firmenname Raiffeisen forciert, weil wir einen Markennamen mit einem Menschen dahinter haben wollten. Viele mussten wir erst nach und nach von unseren Ideen überzeugen. Aber offensichtlich mit Erfolg! Ein ganz wichtiger Schritt neben dem Namen Raiffeisen war die Gründung der Buchinger-Schule. Die Raiffeisenkassen mussten sich ja von den Sonntagskassen, die anfangs kaum eigene Angestellte hatten, auf den Tagesverkehr umstellen und hatten einen großen Personalbedarf. Hunderte Mitarbeiter mussten ausgebildet werden. Erst dann wurden wir von den anderen Banken und den Sparkassen ernst genommen. Es gab auch interne Widerstände, denn viele ehrenamtliche Funktionäre bezweifelten, ob die hauptamtlichen Mitarbeiter bezahlt werden könnten.“

In diesem Institut, der späteren Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, machte er rasch Karriere: anfangs Sekretär des damaligen Direktor Rasser baute er bald die Rechtsabteilung auf und unterrichtete an der Genossenschaftsschule; 1954 Direktor-Stellvertreter, 1960 Direktor und Geschäftsführer-Stellvertreter, wurde er 1967 Zentraldirektor und Geschäftsführer als Nachfolger Rassers sowie 1976 Generaldirektor der Raiffeisen-Zentralkassa Niederöstereich GmbH. 1975 bekam er den Titel "Kommerzielrat" verliehen. Gruber legte 1981 die Geschäftsführung zurück und wurde Obmann der Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien. Daneben war er als Funktionär in vielen Bereichen des Genossenschaftswesens aktiv, war Aufsichtsratsvorsitzender der Aufsichtsräte der Raiffeisen Zen­tralbank Österreichs AG, der AGRANA Beteiligungs AG, der SUGANA Zucker GmbH, der AGENA Stärke GmbH und der Oberösterreichischen Stärke- und Chemische Industrie GmbH. Er war auch Obmann der Sektion Geld-, Kredit- und Versiche­rungen der Kammer der gewerblichen Wirtschaft Niederösterreichs. Weiters war er zeitweise auch Mitglied des Vorstands der Tullner Zuckerfabrik AG.

Gruber war auch Kuratoriumsmitglied des Instituts für Wirtschaftsforschung|WIFO, Obmann der Arbeitsgemeinschaft für Präventivpsychologie, usw. Er hatte auch das Dr. Rudolf Rasser-Institut, gegrünet, das er auch als Obmann leitete, in dem Praktiker der Wirtschaft und des Genossenschaftswesens mit·Wissenschaftler*innen aktuelle Probleme erörtern und Lösungen erarbeiten sollte - unter den Mitgliedern auch zahlreiche Angehörige der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

Im Auftrag des Professorenkollegiums beantragte der Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, Prof. Karl Wenger, im April 1985, ihn gemäߧ 100 UOG'75 zum Ehrenbürger der Universität Wien zu ernennen.

Die Begründung dafür lieferte ao. Prof. Hans Hoyer vom Institut für Rechtsvergleichung am 20. März 1985:

"Im Rahmen seiner Tätigkeit hat Dr. Karl Gruber immer wieder zur Förderung bedürftiger niederösterreichischer Studenten, die an den Wiener Hochschulen studiert haben und noch studieren, durch Förderungsmittelgewährung beigetragen. | Die größten Verdienste Dris. Karl Gruber um die Wiener Hochschulen, vor allem aber um die Universität Wien, liegen darin, daß er im Jahre 1982 im Rahmen der Aktion "Die Wiener Hochschulen kommen nach Niederösterreich" von den aufgelaufenen Gesamtkosten von ATS 1.180.000,- nicht weniger als ATS 530.000,- durch die Landesbanken übernehmen ließ und einen nicht berechenbaren weiteren Beitrag für die Aktion dadurch leistete, daß Raiffeisengenossenschaften in Niederösterreich für nicht weniger als 23 der 27 Einzelvorträge die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt haben. Im Jahre 1984 kam es zu 22 Podiumsdiskussionen mit 90 Hochschullehrern in Niederösterreich. Von den Kosten dieser Aktion in der Höhe von ATS 1.300.000,- hat über Betreiben von Doktor Karl Gruber die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich die Hälfte, somit den Betrag von ATS 650.000,- aufgebracht. Es läßt sich somit hinsichtlich beider Aktionen behaupten, daß sie ohne den Einsatz und die Verbundenheit von Dr. Karl Gruber zur Universität Wien nicht oder zumindestens nicht in diesem Umfang zustande gekommen wären.
Aus diesen Gründen sollte die Vollendung des 65. Lebensjahres der Anlaß einer Ehrung der Universität Wien als äußeres Zeichen der Würdigung von Verbundenheit mit und Einsatz für die Interessen der Universität sein. Die Verleihung der Würde eines Ehrenbürgers scheint mir entsprechend."

Der Senat stimmte diesem Antrag zu und Rektor Hans Tuppy teilte Karl Gruber mit, dass diese Ehrung "eine Würdigung Ihrer besonderen Verdienste um die Universität Wien darstellt, die vor allem durch beträchtliche Zuwendungen und Zurverfügungstellung von Räumlichkeiten für die Aktion "Die Wiener Hochschulen kommen nach Niederösterreich" manifestiert sind, aber auch durch Ihre Tätigkeit als Obmann des Dr.Rudolf Rasser-Institutes sowie durch die Förderung bedürftiger niederösterreichischer Studenten".

Karl Gruber wurde am 1. Juli 1985 zum Ehrenbürger ernannt,

1990 zog sich von seinen Funktionen bei Raiffeisen gänzlich zurück.

Karl Gruber starb 2015, fast 95-jährig, in Wien und ist am Friedhof Wien-Grinzing bestattet.

Herbert Posch

Zuletzt aktualisiert am 13.05.2022 - 12:53

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