Rudolf Maresch, o. Univ.-Prof. Dr. med.

1.8.1868 – 16.1.1936
geb. in Klattau, Böhmen gest. in Wien

Funktionen

DekanIn Medizinische Fakultät 1926/27
Rektor Medizinische Fakultät 1931/32

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Denkmal 1935 Philosophische Fakultät

Rudolf Maresch, Sohn eines militärtechnischen Werkmeisters, nahm nach Absolvierung des Gymnasiums in Prag ein Studium der Medizin an der Deutschen Universität Prag auf, u.a. bei Carl Rabl, Siegmund Mayer und Hans Chiari. Bereits während seines Studiums war er als Demonstrator bei dem Anatomen Rabl tätig. 1895 wurde er in Prag zum Doktor der Medizin promoviert und arbeitete anschließend ebendort als Assistent am pathologisch-anatomischen Institut unter Chiari. Hier konnte er u.a. nachweisen, dass Epithelkörperchen Organe sind, die nicht mit der Schilddrüse zusammenhängen.

1897 übersiedelte Maresch nach Wien und arbeitete hier zunächst als Operationszögling an der II. Chirurgischen Universitätsklinik unter Leitung von Carl Gussenbauer sowie an der I. Geburtshilflich-gynäkologischen Universitätsklinik unter Friedrich Schauta. 1901 war er als Assistent am Wiener Serotherapeutischen Institut tätig, um 1902 Assistent an das Institut für Bakteriologie und pathologische Histologie unter Leitung von Richard Paltauf zu wechseln.

Daneben arbeitete Maresch ab 1906 als Adjunkt an der Prosektur im Wiener Rudolfspital, bis er 1912 zum Leiter der Prosektur am Kaiser Jubiläumsspital in Wien-Lainz aufstieg, die er während seiner Leitung (bis 1925) zu einem vorbildhaften pathologisch-anatomischen Institut ausbauen konnte. An der Universität Wien war er unterdessen 1908 für pathologische Anatomie habilitiert worden, erhielt 1915 den Titel eines außerordentlichen Professors und wurde 1923 auf die ordentliche Professur für pathologische Anatomie berufen. Gleichzeitig übernahm er auch die Leitung des Universitätsinstituts für pathologische Anatomie, das er – ebenso wie jenes im Lainzer Krankenhaus – modernisierte und ausbaute, inklusive der Neugestaltung des Rokitansky-Museums.

Rudolf Maresch galt als Spezialist der Obduktionstechnik sowie mikroskopischen Diagnostik und forschte vor allem auf den Gebieten der Endokrinologie und der Mikrobiologie. Er lieferte wichtige Beiträge zur Geschwulstlehre (u.a. Darmkarzinome) und gilt als Entdecker des muskulären Klappenapparates in den Venen der Nebenniere. Zu seinen Schülern an der Universität Wien zählte u.a. der Pathologe Hermann Chiari.
Für seine wissenschaftlichen Verdienste sowie sein wissenschaftsorganisatorisches Engagement erhielt Maresch vielfach Anerkennung: So wurde er 1925 zum Mitglied der kaiserlichen Akademie der Naturforscher in Halle und 1926 zum wirklichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien ernannt. Zudem gehörte er dem obersten Sanitätsrat der Stadt Wien an.

Auch innerhalb der Universität Wien übte Maresch zentrale Funktionen aus. Zunächst amtierte er im Studienjahr 1926/1927 als Dekan der Medizinischen Fakultät und übernahm 1929 von Julius Wagner-Jauregg die Leitung und Organisation der internationalen ärztlichen Fortbildungskurse an der Universität Wien. Im Studienjahr 1931/32 wurde er schließlich zum Rektor gewählt. In dieser Funktion beschloss er u.a. eine Erhöhung der Studiengebühren, um die wirtschaftliche Notlage mit den steigenden Studierendenzahlen in Einklang zu bringen.

Als Dekan hatte sich Maresch im Februar 1927 im Zuge der antisemitischen und antisozialistischen Ausschreitungen am Anatomischen Institut bemüht, die prügelnden nationalsozialistischen Studenten aufzuhalten und war deswegen selbst Ziel von Schlägen geworden. Während seiner Amtszeit als Rektor fanden gewalttätige Angriffe auf jüdische und linke Studierende weiterhin fast alltäglich statt, zu einer deutlichen Distanzierung konnte sich Maresch nun jedoch nicht überwinden. Mitte November 1931 unterzeichnete er noch vor seiner offiziellen Inauguration einen offenen Brief des Rektorats, in dem – die Ausschreitungen ignorierend – der Deutschen Studentenschaft Dank und „vollste Anerkennung“ ausgesprochen wurde, dass diese nicht auf die „Provokationen […] durch ihre politischen Gegner“ eingestiegen sei. Mit Zustimmung des Rektorats wurden die im „Waffenring“ vereinigten antisemitischen Studentenorganisationen sogar zum Ordnungsdienst an der Universität eingesetzt. Zudem beharrte das Rektorat darauf, an der rassistischen Gleispach‘schen Studentenordnung festzuhalten, obwohl diese bereits Monate zuvor für verfassungswidrig erklärt worden war.
Seine politische Positionierung blieb jedoch ambivalent – immerhin trat Rektor Maresch wenige Monate später, im März 1932 an der Spitze des Ehrenkomitees am Ball des Akademischen Vereins jüdischer Mediziner auf.

Rudolf Maresch starb 1936 in Wien und wurde am Friedhof Dornbach bestattet. Sein Nachlass befindet sich in der Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus.

Österreichisches Biographisches Lexikon
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Werke (Auswahl)

Über die Zahl und Anordnung der Malpighischen Pyramiden in der menschlichen Niere (in: Anatomischer Anzeiger 12, 299), 1896.
Congenitaler Defect der Schilddrüse bei einem 11jährigen Mädchen mit vorhandenen Epithelkörperchen (in: Zeitschrift für Heilkunde 19), 1898.
Über die Gitterfasern der Leber und die Verwendbarkeit der Methode Bielschowskys zur Darstellung feinster Bindegewebsfibrillen (in: Zentralblatt für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie 16), 1905.
Lyssa (in: Handbuch der pathogenen Protozoen, hrsg. von S. v. Prowazek), 1911.
Über eine neue Methode zur Darstellung von Gitterfasern (in: Wiener klinische Wochenschrift 35), 1922.
Das Schöne im Krankhaften (in: Wiener medizinische Wochenschrift 80), 1930.
mit Hermann Chiari: Penis und Urethra (in: Handbuch der speziellen pathologischen Anatomie und Histologie, hrsg. von F. Henke und O. Lubarsch, 6/3), 1931.
Forschungsrichtungen in der Krankheitslehre (Inaugurationsrede), 1932. 
Über Wandlungen in der Entzündungslehre (in: Wiener klinische Wochenschrift 47), 1934.

Archiv der Universität Wien, Senat S 304.786 (Personalblatt).

Die Wahrheit, 11.2.1927, S. 1-2.
Arbeiter-Zeitung, 14.11.1931, S. 4.
Die Stimme, Jüdische Zeitung, 19.11.1931, S. 1.
Die Stimme, Jüdische Zeitung, 3.3.1932, S. 9.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 06.07.2019 - 16:58

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