Hans Uebersberger, o. Prof. Dr.phil.

25.6.1877 – 8.7.1962
born in Klagenfurt died in München

Functions

Dean Faculty of Philosophy 1924/25
Rector Faculty of Philosophy 1930/31

Honors

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Honorary Senator sen.h.c. 1940/41 (aufgehoben 1945)

Hans Uebersberger legte die Matura an einem Gymnasium in Klagenfurt ab und studierte ab 1895 Kunstgeschichte und Geschichte an der Universität Wien. Parallel zu seinem Studium absolvierte er ab 1897 auch den Lehrgang des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung und konnte hier dank seiner slowenischen Sprachkenntnisse an den Vorbereitungen für ein Editionsprojekt der russischen Gesandtschaftsberichte mitarbeiten. 1899 promovierte er bei dem Kunsthistoriker Franz Wickhoff sowie dem Archäologen Emil Reisch zum Doktor der Philosophie.

Auf Vermittlung des österreichischen Botschafters in Sankt Petersburg, Fürst Franz von und zu Liechtenstein, konnte er sich nach seinem Studienabschluss zwei Jahre lang Archivforschungen in Moskau und Sankt Petersburg widmen. Liechtenstein, der plante, in Wien ein Institut für historische Russlandkunde einzurichten, beauftragte Uebersberger anschließend, die Übersiedelung der von ihm gestifteten Privatbibliothek nach Wien zu betreuen. Auf Basis seiner Tätigkeiten in Russland konnte Hans Uebersberger einerseits die Schrift „Oesterreich und Rußland seit dem Ende des 15. Jahrhunderts“ (Band 1) verfassen, aufgrund derer er 1906 für Osteuropäische Geschichte an der Universität Wien habilitiert wurde. Andererseits beteiligte er sich auch zentral am Aufbau des 1907 gegründeten Seminars für Osteuropäische Geschichte, das von Konstantin Josef Jirečeks geleitet wurde und dank der Schenkung Liechtensteins über eine der größten Bibliotheken dieses Fachbereichs verfügte.

1910 zum außerordentlichen Professor ernannt, wurde Hans Uebersberger 1915 als Ordinarius für Geschichte Osteuropas an der Universität Wien berufen. Mehrere Berufungen an die Universität Berlin schlug er in dieser Zeit aus. Nach dem Tod Jirečeks übernahm er 1918 auch die Leitung des Instituts für Osteuropäische Geschichte, das er sukzessive weiter ausbauen konnte. Gemeinsam mit Rudolf Geyer leitete er außerdem das 1916 gegründete Forschungsinstitut für Osten und Orient.
In seinen Forschungen beschäftigte sich Uebersberger besonders mit der neuzeitlichen Geschichte Russlands und Polens. Intensiv widmete er sich auch der russischen sowie österreichisch-ungarischen Außenpolitik auf dem Balkan, u.a. im Kontext des Ersten Weltkrieges.
Für seine Tätigkeit wurde er mehrfach geehrt: So war er korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien (seit 1925) und der London School of Slavonic Studies, Ehrenmitglied der Rumänischen Akademie der Wissenschaften und erhielt das Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich.

Hans Uebersberger war ein zentraler Vorkämpfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien. In inoffiziellen Netzwerken ("Bärenhöhle", Deutscher Klub) wie auch in offiziellen Funktionen – 1924/25 als Dekan der Philosophischen Fakultät sowie 1930/31 als Rektor – gestaltete er das antisemitische Klima an der Universität Wien in den 1920er und 1930er Jahren entscheidend mit, das sich sowohl in der Verhinderung von Karrieren jüdischer, linker oder liberaler WissenschafterInnen zeigte, aber auch in der Unterstützung gewalttätiger Ausschreitungen gegen jüdische und linke Studierende.

Seit 1933 Mitglied der NSDAP sowie Führer der Hochschullehrer im NS-Lehrerbund in Österreich, legte Uebersberger während des Austrofaschismus selbst seine Professur zurück und kam damit seiner Zwangspensionierung durch Bundeskanzler Schuschnigg zuvor. Er folgte 1934 zunächst einem Ruf an die Universität Breslau und übernahm 1935 die Professur des zwangspensionierten Otto Hoetzsch an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Ab 1936 gab er hier die „Jahrbücher für Geschichte Osteuropas“ heraus.

Während des Austrofaschismus als überzeugter Nationalsozialist an der Universität Wien unerwünscht, wurde Uebersberger im Nationalsozialismus dafür geehrt: Am 17. Jänner 1941 wurde er gemeinsam mit weiteren ehemaligen Professoren der Universität – Othenio Abel, Wenzel Gleispach, Karl Gottfried Hugelmann, Max Layer und Fritz Machatschek – sowie dem japanischen Baron Takaharu Mitsui zum Ehrensenator der Universität Wien ernannt. Die Ehrungsform des „Ehrensenators“ war infolge des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich durch die Übernahme der deutschen Hochschulgesetze eingeführt worden und wurde während des Nationalsozialismus nur dieses eine Mal verliehen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschloss der Senat der Universität Wien in seiner Sitzung vom 19. Mai 1945 diese Ernennungen wieder aufzuheben, da „die österreichischen Bestimmungen die Ernennung von Ehrensenatoren nicht vorgesehen haben“. Das Unterrichtsamt wurde verständigt und stimmte dem Antrag zu, die Träger der aufgehobenen Ehrensenatorentitel wurden jedoch nicht benachrichtigt.

Von seiner Professur an der Universität Berlin wurde Hans Uebersberger 1945 im Zuge der Entnazifizierung als politisch belastet entlassen, seine Pensionsansprüche wurden jedoch später anerkannt. Ab 1950 konnte Hans Uebersberger zudem wieder als akademischer Lehrender aktiv werden: Zunächst an der Freien Ukrainischen Universität in München, ab 1958 auch als Lehrbeauftragter in Göttingen und ab 1959 bis zu seinem Tod 1962 als Emeritus an der Universität Erlangen.

Werke (Auswahl)

Gegenreformation und bildende Kunst (Dissertation), 1899.
Österreich und Rußland seit dem Ende des 15. Jahrhunderts, 1906.
Rußlands Orientpolitik in den letzten zwei Jahrhunderten, 1913.
Rußland, 1918.
gem. mit Ludwig Bittner (Hrsg.): Österreich-Ungarns Außenpolitik von der Bosnischen Krise 1908 bis zum Ausbruch des Weltkrieges 1914. Diplomatische Aktenstücke des Ministeriums des Äußern (9 Bände), 1930.
Das Dardanellenproblem als russische Schicksalsfrage (Inaugurationsrede, 27. Oktober 1930), 1930.
Der Saloniki-Prozeß. Deutsche Übersetzung nach dem serbischen Originaltexte, 1933.
Rußlands Territorialentwicklung und Nationalitätenpolitik, 1942.
Österreich zwischen Rußland und Serbien. Zur südslawischen Frage und der Entstehung des Ersten Weltkrieges, 1958.

> Wikipedia

Archiv der Universität Wien, Akademischer Senat GZ 464 ex 1944/45

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 12/05/19

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