Eberhard Clar, Univ.-Prof. Dr.

23.7.1904 – 7.12.1995
geb. in Graz, Österreich gest. in Bad Ischl, Österreich

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Raumbenennung Eberhard-Clar-Saal (UZA II) nach 1995 Formal- und Naturwissenschaftliche Fakultät

Seminarraum Raum Nr. 2B204 im UZA II, Wien 9., Josef-Holaubek-Platz 2, OG02, wurde als "Eberhard Clar-Saal" benannt, derzeit zugeordnet dem StudienServiceCenter Geowissenschaften, Geographie und Astronomie.

Die Ehrung wird 2022/23 aufgrund von Eberhard Clars Verhältnis zum Nationalsozialismus als „diskussionswürdig“ eingestuft. Clar war seit 1933 „illegales“ Mitglied der NSDAP, Mitglied des „Alldeutschen Verbandes“ und seit 1937/38 des NSDDB. 1939 führte er das „Kreisamt für Technik mit der Kreisverwaltung der NSBDT im Kreise Graz-Land der NSDAP“. Clar war von 1941 bis 1944 beim Generalbevollmächtigten für den Metallerzbergbau Südost als Geologe eingesetzt.

Funktionen

Dekan*in Philosophische Fakultät 1965/66

Eberhard Clar war ab 1939 außerordentlicher Professor an der TH Graz und wurde 1944 als Nachfolger von Josef Stiny auf den Lehrstuhl für Geologie an der TH Wien berufen, nach 1945 freiberuflicher Baugeologe und Berater für Lagerstättenkunde beim Steirischen Erzberg, Leiter der Lagerstättenforschungsstelle bei der Österreichisch-Alpine-Montangesellschaft und ab 1954 bis zu seiner Emeritierung 1972 an der Universität Wien. Clar war von 1957 bis 1958 Präsident der Österreichischen Geologischen Gesellschaft. 1965 erhielt er das Ehrendoktorat der Technischen Hochschule Wien.

Nach seinem Tod 1995 wurde ein Seminarraum des Fachbereichs Erdwissenschaften im Geo- und Pharmazentrum der Universität Wien (UZA II, 9., Althanstraße, OG02, RaumNr. 2B204) in „Eberhard Clar-Saal“ benannt.
Im Auftrag der Stadt Wien untersuchte eine Historiker*innen-Kommission von 2011 bis 2013 die historische Bedeutung jener Persönlichkeiten, nach denen Wiener Straßen benannt sind. Aufgrund der daraus gewonnenen Erkenntnisse zur historischen Einordnung von Eberhard Clar wurde die 2009 erfolgte Benennung des Clarplatzes als „Fall mit demokratiepolitisch relevanten biographischen Lücken“ eingeordnet.

In der Wahl seiner (Partei-)Mitgliedschaften schien Clar karrierepolitische Desiderate zu verfolgen: So war er laut Akten im Bundesarchiv Berlin seit 1919 Mitglied des Deutschen Turnerverbandes, ab 1937/38 Mitglied in der Vaterländischen Front, „illegales“ Mitglied der NSDAP unter der Nr. 1.628.952 – März 1933 bzw. 1.6.1933/17.5.1938 –, Mitglied des „Alldeutschen Verbandes“ und seit 1937/38 des NSDDB. 1938 war Clar „P.O. Zellenleiter“. 1939 führte er das „Kreisamt für Technik mit der Kreisverwaltung der NSBDT im Kreise Graz-Land der NSDAP“.

Dem 1944 unterbreiteten Vorschlag der kommissarischen Vertretung des Lehrstuhls für Geologie an der Technischen Hochschule Wien, diesen an Clar zu vergeben, liegt ein Eignungsbericht bei: „Er gehört der NSDAP seit 1933 ohne Unterbrechung an und hat sich schon in der illegalen Zeit als einwandfreier Kämpfer für die Bewegung erwiesen.“ (BARch, DS 8000 A 14) Clar war von April 1941 bis September 1944 „beim Generalbevollmächtigten für den Metallerzbergbau Südost als Geologe eingesetzt. Verhalten und nat.soz Haltung einwandfrei.“ (BARch, DS 8000 A 14) In einer anderen Besetzungsangelegenheit, die die Wiederbesetzung der ordentlichen Professur für allgemeine und angewandte Geologie in der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität München betraf, heißt es: „Als Dozent hat er sich gut bewährt. Abgesehen davon gibt die Einsatzbereitschaft seiner Persönlichkeit, die er als Nationalsozialist im Kampfe um Österreich bewiesen hat, eine Gewähr dafür, daß er auch als Lehrerpersönlichkeit junge Menschen zu führen versteht.“ (BARch, DS 8000 A 14) Und auch im Zusammenhang mit der Wiederbesetzung des Lehrstuhls für Geologie in Wien erhielt Clar ein Zeugnis vom Dekan der Fakultät für Bauwesen der TH Wien: „Auch in der Verbotszeit gehörte er der an der Hochschule in Graz ins Leben gerufenen Zelle des NSLB an. Clar hat schon in der illegalen Zeit sich als einwandfreier Kämpfer f.d. Bewegung erwiesen.“ (BARch, DS 8000 A 14)

Bundesarchiv Berlin, DS 8000 A14, NSDAP Mitgliederverzeichnis – Zentralkartei, 3100/D 0135.

Birgit Nemec

Zuletzt aktualisiert am 22.01.2024 - 23:33

Druckversion