Friedrich von Gars, Mag. art., Bacc. decr.

14.Jhdt – 1403

(latinisiert: Fridericus de Gors)

Funktionen

Rektor 1387/88

Friedrich von Gars war ein hochrangiger Hofbeamter der österreichischen Herzöge. Seit 1378 war er Pfarrer von Gars-Eggenburg. Diese Pfarre wurde von den habsburgischen Landesfürsten, die das Patronatsrecht innehatten, oftmals als Dotation an ihre (zukünftigen) Kanzler vergeben.

Friedrich studierte ab 1379 Rechtswissenschaften an der Universität Bologna, wo er 1380 Prokurator der Deutschen Nation war. Spätestens im November 1383 war er wieder in Wien, wo er als Pfarrer von Gars und Erzieher der Söhne des Herzogs in die Matrikel eingetragen wurde. Ein Jahr später wird er als Bakkalar des kanonischen Rechts genannt; ob er diesen Grad noch in Bologna oder in Wien erworben hat, ist nicht bekannt.

Im Wintersemester 1387/88 wurde Friedrich zum Rektor gewählt. In seine Amtszeit fällt die „Geburtsstunde“ des Universitätsarchivs: Für den 8. April 1388 wird in den Rektoratsakten die Anschaffung einer eisenbeschlagenen Kiste mit drei Schlössern vermerkt. Darin sollten nach den Bestimmungen des Rudolfinischen Stiftbriefs die Privilegien, Urkunden und Siegel der Hochschule verwahrt werden; die Schlüssel dazu waren im Besitz verschiedener universitärer Amtsträger. Ob diese Anschaffung von Friedrich selbst oder dem Vizerektor Johann Reutter getätigt wurde, geht aus den Akten nicht hervor. Auch ist nicht bekannt, weshalb die Wahl eines Vizerektors notwendig war. War Friedrich aufgrund einer Erkrankung an der Ausübung seiner Amtsgeschäfte gehindert oder hatten seine Verpflichtungen am Herzogshof Vorrang?

Friedrich war seit 1386 Kaplan Albrechts III., 1392 wurde er Kanzler Herzog Leopolds IV. bzw. 1397 Kanzler Albrechts IV. Seit 1400 war er Domdekan in Passau. Das genaue Todesdatum Friedrichs ist nicht bekannt: Sein Testament wurde am 3. Mai 1403 aufgesetzt, am 21. Juli dieses Jahres präsentierte Albrecht IV. den damaligen Pfarrer von Mödling, Andreas Plank, als Kandidaten für die vakante Pfarre Gars, und ernannte ihn noch im selben Jahr zum Kanzler.

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert am 21.04.2020 - 15:45