Johannes Broermann

17.10.1897 – 4.11.1984
geb. in Anröchte-Uelde gest. in Berlin

1930-1933 Pressereferent des Reichsinnenministeriums, ab 1938 Verleger, Inhaber des Verlages Duncker & Humblot, Mitgründer der CDU in Berlin

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
EhrenbürgerIn civ.h.c. 1982/83

Johannes Broermann, Inhaber des Verlages Duncker & Humblot in Berlin, wurde am 25. November 1982 zum "Ehrenbürger der Universität Wien" ernannt, als Mann "… "QUI SUMMA CUM INDUSTRIA ET EXIMIO FERVORE PUBLICATIONIBUS EX THEOLOGIA ET ALIIS DISCIPLINIS SCIENTIFICIS EDENDIS OPERAM DEDIT ET IDEO PROGRESSUM SCIENTIARUM VALDE FOVIT" (Wortlaut Diplom), der "… in selbstloser Weise (ohne irgendwelche Druckkostenzuschüsse zu fordern) die beiden Festschriften für Johannes Messner im Jahre 1976 und 1981 … zur Drucklegung übernommen hatte. Ferner brachte er bedeutende Sammelbände zu Ehren kirchliche Persönlichkeiten heraus: eine Festschrift für Kardinal Rossi, einen Sammelband mit Werken von Kardinal-Staatssekretär Casaroli und einen Gedenkband für Papst Pius XII., … theologische Werke auch Wiener Autoren sind im Verlagsprogramm vorgesehen. … um die Rechtswissenschaft (u.a. auch viele Publikationen zum Verhältnis Kirche und Staat und zum Staatskirchenrecht), um die Volkswirtschaftslehre und eben besonders auch um die Theologie verdienten Verleger" (aus der Antrags-Begründung von Prof. Josef Lenzweger)

Johannes Broermann wurde am 17.10.1897 in Uelde/Westfalen als dritter Sohn eines Landbriefträgers geboren. Nach der im Februar 1919 abgelegten Reifeprüfung studierte er Philosophie, Geschichte sowie Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Münster, Freiburg und Berlin. Am 1. März 1923 promovierte er in Münster zum Doktor der Staatswissenschaften, worauf noch ein Studium der Rechtswissenschaften in München sowie die Internationalen Hochschulkurse der Konsularakademie in Wien folgten. Er war 1926/1927 Vorsitzender der Zentralstelle für studentische Völkerbundsarbeit, war 1929/1930 Persönlicher Referent von Joseph Wirth, gehörte dem Reichsverband der Deutschen Windthorstbunde an und trat in den Preußischen Staatsdienst ein, wo er ab 1930 Pressereferent des Reichsinnenministeriums war. Er gehörte in der Weimarer Republik der Deutschen Zentrumspartei angehört und galt als Gegner der Nationalsozialisten und wurde 1933 aus dem Staatsdienst ohne Bezüge entlassen.

Er wechselte dann nach einigen Jahren von der Beamten- in die Unternehmer- bzw. Verlegerlaufbahn. Der 1798 gegründete hochangesehene Verlag Duncker & Humblot, zu dessen Autoren Leopold von Ranke und Werner Sombart u.a. gehört hatten, war in den 1920er Jahren nach München übersiedelt und hatte unter der wissenschaftlichen Leitung von Ludwig Feuchtwanger (Bruder von Schriftsteller Lion Feuchtwanger) auch einen Schwerpunkt auf die Rechtswissenschaften aufgebaut und verlegte u. a. den umstrittenen Staatsrechtler Carl Schmitt. Unter welchen Umständen genau Broermann 1938 den Verlag vom damaligen Eigentümer Geibel geleiteten Verlag übernommen hatte, geht aus der Literatur nicht genau hervor. Er holte den Verlag jedenfalls wieder nach Berlin und bemühte sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges intensiv um die Wiederanknüpfung der kulturellen Beziehungen mit dem Ausland und konnte den Verlag in Berlin wieder voll auf­bauen.

Er machte sich mit seinem Verlag um die Rechtswissenschaft (u.a. auch viele Publikationen zum Verhältnis Kirche und Staat und zum Staatskirchenrecht), um die Volkswirtschaftslehre und eben besonders auch um die Theologie verdient. U.a. erschien dort damals mehr als 100 Schriftenreihen (u.a. "Neue Deutsche Biographie") und 34 wissenschaftliche Zeitschriften und Jahrbücher. Er hatte sich um verschiedene wissenschaftliche Institutionen bemüht, u.a. um die neugegründete Universität Salzburg (er brachte u.a. die Gedächtnisschrift für den Salzburger Rechtswissenschaftler Rene Marcic (1919–1971), der bei einem Flugzeugabsturz über Belgien ums Leben gekommen war, in seinem Verlag heraus) und war auf Initiative des dortigen Prof. Ilmar Tammelo (1917–1982) im Jahr 1975 mit der Würde eines Ehrenbürgers der Universität Salzburg ausgezeichnet worden. Er hatte im selben Jahr die selbe Ehrung auch schon von der Universität Innsbruck erhalten und 1982 von der Universität Linz und auch die Universität München hatte ihn bereits 1972 zum Ehrensenator ernannt.

Für die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien brachte er ohne Druckkostenzuschüsse die beiden Festschriften für Prof. Johannes Messner (1976 und 1981) heraus, sowie zahlreiche Sammelbände zu Ehren katholischer Persönlichkeiten, wie die Festschrift für Kardinal Rossi, die Werke von Kardinal-Staatssekretär Casaroli und einen Gedenkband für Papst Pius XII., und ermöglichte auch die Publikation weiterer Werke von Wiener Theologen im Verlagsprogrammen

Daraufhin beantragte am 6. Mai 1982 der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät Prof. Josef Lenzweger bei Rektor Prof. Richard Plaschka die Verleihung der Ehrenbürgerschaft für Broermann zu stellen, der in diesem Jahr 85 alt wurde. Der Akademische Senat stimmte dem Vorschlag am 17. Juni 1982 zu er wurde am 25. November 1982 feierlich zum Ehrenbürger ernannt.

Johannes Broermann starb bald darauf am 4. November 1984.

UAW S 229.11.12 (=RA GZ 71/12 ex 1981/82)

Herbert Posch

Zuletzt aktualisiert am 18.02.2022 - 17:56

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