Leopold Freiherr von Neumann, o. Univ.-Prof. Dr. jur.

23.10.1811 – 7.12.1888
geb. in Salischtschyky, Galizien gest. in Gries bei Bozen

Funktionen

DekanIn Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1855/56
Rektor Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1867/68
DekanIn Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1872/73

Leopold Neumann, Sohn des Lehrers für Italienisch an der Lemberger Realschule Jakob Neumann, besuchte das Gymnasium in Czernowitz sowie Lemberg und absolvierte anschließend die philosophischen Jahrgänge an der Universität Lemberg. Ebendort nahm er das Studium der Rechtswissenschaften auf, das er an der Universität Wien fortsetzte und 1836 mit der Promotion zum Dr. jur. abschloss. Nach seinem Studienabschluss arbeitete Neumann sechs Jahre lang als Konzeptspraktikant an der Hofkammerprokuratur und begann parallel an der Wiener Theresianischen Ritterakademie (Theresianum) zu lehren – zunächst als Hilfslehrer (Supplent) für Naturrecht, später auch für Statistik, ab 1840 als Professor für Statistik, Völkerrecht und diplomatische Staatengeschichte.

Leopold Neumann wechselte 1847 an die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, wo er zunächst Neuere Staatengeschichte lehrte.
Seine Lehrtätigkeit unterbrach er im Zuge der Revolution 1848 und wurde im Juli dieses Jahres von der Vorstadt Wieden in den Wiener Gemeindeausschuss und in den neu entstandenen Reichstag gewählt wurde (Zentrumsklub, Deutsch-Österreichischer Verein).

Nach der Auflösung des Reichstags im März 1849 kehrte er an die Universität Wien zurück und wurde hier zum ordentlichen Professor für diplomatische Staatengeschichte und Völkerrecht ernannt. Ab 1865 übernahm er zusätzlich das Fach Statistik. Er galt als einer der führenden Völkerrechtsexperten jener Zeit und veröffentlichte zahlreiche Beiträge zu völker- und staatsrechtlichen, statistischen und historischen Fragen.

Während seiner Lehrtätigkeit an der Universität Wien, die er bis zu seinem Ruhestand 1883 fortsetzte, wurde Neumann in den Studienjahren 1855/56 und 1872/73 zum Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät gewählt. Als der gewählte Rektor des Studienjahres 1867/68, Leopold Hasner von Artha, bereits kurz nach seinem Amtsantritt am 30. Dezember 1867 die Leitung des Ministeriums für Kultus und Unterricht übernahm, wurde Leopold Neumann zu dessen Nachfolger als Rektor gewählt. An der Universität Wien fungierte Neumann zudem ab 1856 als Vizepräsident der neugegründeten rechtshistorischen Staatsprüfungskommission und nach dem Tod von Franz Xaver Haimerl 1867 als deren Präsident. Auch der judiziellen und der staatswissenschaftlichen Prüfungskommission gehörte er als Mitglied an. Darüber hinaus war er seit 1857 Superintendent der Lilienberg’schen Stiftung sowie ab 1868 Präsident der Rosenburg’schen Stiftung.
1841 wurde er außerdem Gründungsmitglied und Mitglied des Direktoriums des juridisch-politischen Lesevereins in Wien.

Leopold Neumann, der seit 1848 bis 1863 dem Wiener Gemeindeausschuss (Gemeinderat) angehörte, wurde 1867/68 in den niederösterreichischen Landtag gewählt. Im Jänner 1869 wurde er schließlich zum Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit ernannt und schloss sich hier der Verfassungspartei an.

Für seine Leistungen wurde Leopold Neumann vielfach geehrt. Er fungierte als Verwaltungsrat der galizischen Karl Ludwigsbahn, war Ritter des Franz Joseph-Ordens und erhielt 1867 den Orden der Eisernen Krone III. Klasse. 1880 wurde er in den Freiherrenstand erhoben. Das Institut de Droit international (Institut für Völkerrecht), dem er seit 1874 als Mitglied angehörte, wählte ihn 1881 zu dessen Vizepräsidenten.

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Werke (Auswahl)

Handbuch des Consulatswesens mit besonderer Berücksichtung des österreichischen und einem Anhange von Verodnungen, 1854.
Grundriß des heutigen europäischen Völkerrechts, 1855 (2. Auflage 1877, 3. Auflage 1885).
Hg.: Recueil de traités et conventions conclus par l’Autriche avec les puissances étrangères depuis 1763 jusqu’à nos jours, ab 1855.
Das Verhältnis Schleswig-Holsteins zu Dänemark. Ein Beitrag zur Orientierung, 1864.
Rechtsgutachten über die beanspruchten Familienstandesrechte der Grafen von Seinsheim, 1870.
Hugo Grotius, 1583-1645, 1884.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 20.12.2020 - 11:33

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