Paul Leubmann von Melk, Mag. art., Dr. theol.

–22.1.1479
geb. in Melk (?)

(latinisiert: Pavlvs Levbman bzw. Paulus de Mellico)

Kanoniker in Wien

Funktionen

DekanIn Philosophische Fakultät 1442/43
DekanIn Philosophische Fakultät 1450
Rektor 1451/52
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1455/56
Rektor 1457/58
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1458
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1460
Rektor 1461/62
Rektor 1471/72

Paul Leubmann, in den Quellen meist Paul von Melk genannt, wird in der Literatur zur Wiener Universitätsgeschichte als verdienter Theologe genannt, der mehrfach als Dekan der Artisten- und Theologischen Fakultät sowie als Rektor fungierte. Über seine Herkunft war lange kaum etwas bekannt, aufgrund des Namenszusatzes „von Melk“ ging man von Melk an der Donau als Geburtsort aus. Neueste Forschungen haben ergeben, dass Paul Leubmann ein jüdischer Konvertit (Neophyt) gewesen ist.

Bei der Zulassung zur Disputation zur Erlangung des Bakkalaureats der artes 1427 wird er als neophitus, als Neubekehrter, bezeichnet. Er gehörte wohl zu jenen Kindern bzw. Jugendlichen, die im Zuge der Wiener Geserah von 1420/21 zwangsgetauft wurden. Daher bezieht sich die Herkunftsbezeichnung möglicherweise nicht auf den Geburtsort, sondern den Ort seiner (christlichen) Erziehung in Melk. Der Beiname Leubmann kann mit dem jüdischen Namen Lebman in Verbindung gebracht werden. Ein Leubman, Sohn des Josef, ist zu Beginn des 15. Jahrhunderts als Mitglied der jüdischen Gemeinde in Mödling nachweisbar – möglicherweise Pauls Vater?

Vermutlich im Sommersemester 1425 wurde Leubmann als „Paulus de Mynna“ in die Rektoratsmatrikel eingetragen. 1427 wurde er Bakkalar, 1429 Magister und hielt zwischen 1430 und 1450 regelmäßig Vorlesungen an der Artistenfakultät. Ab 1437 las er auch an der Theologischen Fakultät, wo er 1452 das Doktorat erlangte. Er wurde mehrfach zum Dekan der Artisten- und Theologischen Fakultät gewählt und bekleidete viermal das Amt des Rektors; 1464 wurde er Superintendent der Universität. Er nahm wiederholt als Mitglied universitärer Deputationen an Verhandlungen mit dem Landesfürsten oder bei kirchlichen Versammlungen wie der Diözesansynode in Passau 1470 teil. 1450 wurde er zum Kanoniker bei St. Stephan ernannt, seit 1461 fungierte er als Domdekan.

Von Paul Leubmann sind mehrere Schriften – vor allem theologischer Natur – erhalten. Dazu gehören Akten und Dekrete des Basler Konzils, verschiedene Kommentare und Erläuterungen, unter anderem ein Kommentar zum Hebräerbrief und eine Predigt, die er am Karfreitag im Collegium ducale gehalten hat. Möglicherweise war Leubmann an der Übersetzung der antichristlichen Schmähschrift Toldot Yeshu beteiligt, die von Thomas Ebendorfer in seinem Werk über die Irrtümer der Juden erstmals in lateinischer Übersetzung publiziert wurde. Ebendorfer erwähnt, dass ihm ein in der hebräischen Sprache geschulter neophitus bei der Übersetzung geholfen hat. Dass es sich bei diesem namentlich nicht genannten Konvertiten um Ebendorfers Fakultätskollegen Leubmann gehandelt hat, ist nicht belegbar, erscheint jedoch naheliegend, umsomehr, als Leubmann seine theologische Doktorwürde 1452 unter dem Dekanat Ebendorfers erhalten hatte.

Ulrike Denk

Zuletzt aktualisiert am 02.04.2020 - 16:40