Viktor (Victor) Edler von Lang, Prof. Dr.

2.3.1838 – 3.7.1921
geb. in Wiener Neustadt gest. in Wien

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Denkmal Arkadenhof 1929 Philosophische Fakultät

Funktionen

DekanIn Philosophische Fakultät 1870/71
Rektor Philosophische Fakultät 1883/84
Rektor Philosophische Fakultät 1889

Viktor (Victor) Edler von Lang besuchte das Akademische Gymnasiums in Wien und studierte ab 1855 Physik an der Universität Wien, u. a. bei Josef Stefan. Bereits mit 18 Jahren veröffentlichte er seine erste wissenschaftliche Arbeit „Über die Struktur des Quarzes“ in den Sitzungsberichten der Akademie der Wissenschaften. Lang promovierte 1858 an der Universität Gießen zum Doktor der Philosophie, mit einer Arbeit über „Physikalische Verhältnisse kristallisierter Körper“. Nach seiner Promotion absolvierte er Studienaufenthalte an der Universität Heidelberg (bei Gustav Robert Kirchhoff und Robert Wilhelm Bunsen) sowie am Collège de France in Paris (bei Henri Victor Regnault).
Zurück an der Universität Wien wurde er aufgrund seiner Forschungsarbeiten 1861 – im Alter von nur 23 Jahren – für Physik der Kristalle habilitiert. Anschließend arbeitete er ab 1862 für zwei Jahre als Assistent für Mineralogie am Kensington-Museum in London. Durch seine zahlreichen Auslandsaufenthalte verfügte Lang bereits früh über zahlreiche wissenschaftliche Kontakte in Europa. 1864 wurde er als außerordentlicher Professor für Physik an die Universität Graz berufen.

1865 folgte er schließlich der Berufung zum Ordinarius an die Universität Wien (Nachfolge August Kunzek von Lichton). Hier fungierte er als Vorstand des Physikalischen Kabinetts, das er zu einer Stätte der experimentellen physikalischen Forschung ausbaute. Im Zuge einer Neuorganisation wurde das Kabinett 1902 zum I. Physikalischen Institut umgewandelt bzw. umbenannt.
Bis zu seiner Emeritierung 1909 lehrte er 44 Jahre lang an der Universität Wien und bildete Generationen von Physikern aus, darunter Franz-Serafin Exner, Anton Lampa und Felix Ehrenhaft. Mit seinen international herausragenden Leistungen in Forschung und Lehre trug er zu einem beispiellosen Aufblühen der Physik in Wien bei.

An der Universität Wien fungierte Viktor von Lang 1870/71 als Dekan der Philosophischen Fakultät und wurde zum Rektor für das akademische Jahr 1883/84 gewählt. Als Eduard Suess nur wenige Monate nach seiner Wahl zum Rektor für das Studienjahr 1888/89 aufgrund massiver antisemitischer Angriffe deutschnationaler Burschenschaften sein Amt niederlegte, übernahm Lang im März 1889 für die restliche Zeit der Amtsperiode vertretungsweise das Rektorat.

Viktor von Lang gilt als einer der wichtigsten Pioniere und Mitbegründer der Kristallphysik (Kristallographie). In seinen Forschungen widmete er sich zunächst besonders kristalloptischen Problemen (Doppelbrechung, Polarisation, Ultrarotspektroskopie) und entwickelte im Zuge dessen einen Apparat zur Messung der Achsenwinkel von Kristallen, einen Goniometer sowie ein nach ihm benanntes Spektrometer. Lang befasste sich auch mit elastischen, magnetischen, mechanischen und Wärmeleitungseigenschaften von Kristallen und fasste seine Forschungsergebnisse 1866 in einem „Lehrbuch der Krystallographie“ zusammen.
Neben seinem Hauptforschungsgebiet Kristallphysik arbeitete Viktor von Lang zu außerordentlich vielseitigen Fragestellungen auf dem gesamten Gebiet der Physik und veröffentlichte ein dreibändiges Lehrbuch zur „Einleitung in die theoretische Physik“. Er lieferte unter anderem wichtige Beiträge auf den Gebieten der Mechanik (Reibung zwischen Wasser und Luft, Dichte und kinetische Theorie der Gase), Akustik (Transversalschwingungen, tönende Luftsäulen) sowie Elektrizität und Elektromagnetismus (Wechselstrom, elektrostatische Drehfelder, elektrischer Lichtbogen, Empfang elektrischer Wellen, Entwicklung von Quadranten- und Spiegelgalvanometer).
Aufgrund seiner wissenschaftlichen Leistungen wurde Viktor von Lang anlässlich der Einführung des metrischen Maßsystems 1871 Mitglied des Internationalen Maß- und Gewichtkomités (Comité international des poids et mesures, CIPM) sowie der österreichischen Normaleichungskommission (1904 Präsident des Normaleichamts). Für die internationale Stimmtonkonferenz 1886 leistete er die experimentellen Vorarbeiten und leitete später die 1891 gegründete Prüfstelle für Normalstimmgabeln.

Für seine Verdienste wurde Lang vielfach geehrt. So gehörte er der Akademie der Wissenschaften in Wien ab 1866 als korrespondierendes, seit 1867 als wirkliches Mitglied an, wurde 1898 Sekretär der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse, 1899 Generalsekretär der Akademie und fungierte schließlich ab 1911 als Vizepräsident und von 1915 bis 1919 als deren Präsident. Zudem war er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Französischen Ehrenlegion sowie wissenschaftlicher Gesellschaften in Prag, Bern, Leipzig, St. Petersburg und New York. Die Universität Oxford ernannte ihn zum Ehrendoktor. In Österreich gehörte er ab 1899 dem Patentgerichtshof sowie ab 1905 dem Herrenhaus an. Ihm wurde der Hofratstitel (1891), Franz-Josefs-Orden (1897) sowie der Geheimratstitel (1918) verliehen.

Viktor von Lang, der seit 1871 mit der Malerin Ella von Littrow, Tochter des Astronomen Karl Ludwig von Littrow, verheiratet war, starb 1921 im 84. Lebensjahr und wurde auf dem Friedhof in Baden bei Wien bestattet.
1929 wurde im Arkadenhof der Universität Wien ein Denkmal für ihn, gestiftet von seinen Nachkommen, gestaltet von dem Bildhauer Hans Bitterlich, enthüllt.

Österreichisches Biographisches Lexikon
> Wien Geschichte Wiki
> Wikipedia
​> u:monuments: Denkmal Viktor von Lang

Werke (Auswahl)

Lehrbuch der Krystallographie, 1866.
Einleitung in die theoretische Physik (3 Bände), 1867-1873 (Neuauflage 1891).
Über die Bildung der Tonleiter, 1868​.
Hg. 2. Auflage: Einleitung in die höhere Optik, von August Beer, 1882.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 19.03.2020 - 11:44

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