Ernst Tomek, o. Univ.-Prof. Dr. theol.

19.10.1879 – 10.9.1954
geb. in Wien gest. in Mödling bei Wien

Funktionen

DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1924/25
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1932/33
Rektor Katholisch-Theologische Fakultät 1933/34
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1938/39-1942/43
DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1943/44-1944/45
Senator Katholisch-Theologische Fakultät 1945/46-1946/47
Senator Katholisch-Theologische Fakultät 1947/48-1948/49

Ernst Tomek maturierte am Schottengymnasium in Wien. Er nahm 1899 ein Studium an der (Katholisch-)Theologischen Fakultät der Universität Wien auf und besuchte gleichzeitig das fürsterzbischöfliche Seminar am Stephansplatz. Nach Empfang der Priesterweihe 1903 war er als Seelsorger (Kooperator) in der Pfarre Hinterbrühl bei Mödling tätig, bis er 1906 zum Studienpräfekten und zum Subrektor des Wiener Priesterseminars ernannt wurde. Ein Jahr darauf promovierte er an der Universität Wien zum Doktor der Theologie.

Anschließend studierte Tomek als außerordentlicher Hörer am Institut für Österreichische Geschichtsforschung, bis er sich 1910 mit der Schrift „Studien zur Reform der deutschen Klöster im XI. Jahrhundert“ an der Universität Wien bei Cölestin Wolfsgruber für Kirchengeschichte und Patrologie habilitieren konnte. Er arbeitete im Wiener Diözesanarchiv an einer vierbändigen Publikation über die Geschichte der Erzdiözese Wien, die er jedoch nicht fertigstellte.

1913 erfolgte seine Berufung als außerordentlicher Professor für Kirchengeschichte an die Universität Graz, wo er alsbald die Arbeit an der „Geschichte der Diözese Seckau“ aufnahm (1. Band 1917). In Graz wurde er 1917 zum ordentlichen Professor ernannt, zudem fungierte er im Studienjahr 1917/18 als Senator und 1918/19 als Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Graz.

Im November 1919 kehrte Ernst Tomek als Ordinarius für Kirchengeschichte und Patrologie an die Universität Wien zurück. Seinen ersten beiden Amtszeiten als Dekan der Theologischen Fakultät (Studienjahre 1924/25 und 1932/33) folgte die Wahl zum Rektor der Universität für das Studienjahr 1933/34. Während seiner Amtszeit als Rektor konnte am 4. Juli 1934 im Vorraum des Rektorats eine in einer Aktentasche versteckte Bombe rechtzeitig entschärft werden, die die Räumlichkeiten des Rektorats sowie den Festsaal zerstört hätte. Als Rektor setzte er sich jedoch  auch für die Entlassung nationalsozialistischer Studenten aus dem Anhaltelager Wöllersdorf ein, hatte er sich doch bereits 1932 bemüht, im Dialog mit NS-Vertretern die Gemeinsamkeiten der katholischen und nationalsozialistischen Weltanschauung hervorzuheben.

Von den politischen und rassistischen Entlassungen infolge des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 war Ernst Tomek daher nicht betroffen. Ganz im Gegenteil galt er als politisch „einwandfrei“ und wurde 1938 nicht nur Vorstand des Kirchenhistorischen Seminars, sondern auch zum Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät ernannt sowie 1943 in dieser Funktion bis Kriegsende verlängert. Während alle anderen theologischen Fakultäten auf ehemals österreichischem Gebiet (Graz, Innsbruck, Salzburg) während der NS-Zeit geschlossen wurden, kam es – nicht zuletzt aufgrund des politisch genehmen Dekans Tomek – nicht zur Schließung der Wiener Fakultät.

Nach Kriegsende 1945 konnte Ernst Tomek seine Karriere ebenso ungebrochen weiterführen. Er fungierte ab Herbst 1945 bis ins Jahr 1949 als Senator der Katholisch-Theologischen Fakultät. Lediglich einer seiner Schüler, Franz Loidl, der sich 1941 mit dem Thema „Abraham a Sancta Clara und das Judentum“ habilitiert hatte, musste sich einer erneuten Qualifizierung stellen. Das damalige wohlwollende Gutachten Tomeks für die antisemitischen Schlussfolgerungen der Habilitationsschrift wurde jedoch nicht thematisiert.

Mit 30. September 1950 wurde Ernst Tomek schließlich im Alter von 71 Jahren emeritiert. Er fungierte danach noch als Seelsorger, päpstlicher Hausprälat (1953) sowie apostolischer Protonotar.

Tomeks bedeutendstes kirchenhistorisches Werk ist die dreibändige „Kirchengeschichte Österreichs“ (1. Band 1935, 2. Band 1949), deren letzter Band jedoch erst 1959 nach Tomeks Tod von dem Historiker Hugo Hantsch veröffentlicht werden konnte. 1933 hatte Tomek außerdem das Lehrbuch „Kirchengeschichte für Mittelschulen“ verfasst und war daneben schon 1927 mit der populären zweibändigen Schrift „Spaziergänge in Alt-Wien“ in Erscheinung getreten.

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Werke (Auswahl)

Studien zur Reform der deutschen Klöster im XI. Jahrhundert (Habilitationsschrift), 1910.
Das kirchliche Leben in Wien 1522–1740, 1914.
Geschichte der Diözese Seckau, 1917.
Das katholisch-theologische Studium in Deutschland, 1925.
Spaziergänge durch Alt-Wien (2 Bände), 1927 (Neuauflage 1948).
Kirchengeschichte Österreichs (3 Bände), 1935–1959.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 06.07.2019 - 16:57

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