Josef Kisser, o. Univ.-Prof. Dr. theol.

8.9.1812 – 8.1.1893
geb. in Fahndorf gest. in Wien

Funktionen

DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1865/66
Rektor Katholisch-Theologische Fakultät 1866/67

Josef (Joseph) Kisser besuchte das Piaristengymnasium in Horn/Niederösterreich und nahm 1833 das Theologiestudium an der Universität Wien auf. Er absolvierte parallel das Priesterseminar der Wiener Erzdiözese und wurde 1836 zum Priester geweiht. Anschließend war er als Kooperator (Seelsorger) in der Pfarre Großschweinbart/Niederösterreich tätig, wo er nach dem Tod des Pfarrers vorübergehend die Leitung übernahm. Als Prediger kehrte er wieder an eine Pfarre in Wien zurück und setzte hier auch seine Universitätsstudien fort. 1841 wurde er mit der Dissertation „De inspiratione sacrarum litterarum“ zum Doktor der Theologie promoviert.

Kisser war im Studienjahr 1844/45 als Supplent Kirchengeschichte an der Universität Wien tätig, wechselte jedoch bereits 1845 an die Universität Olmütz, wo er fortan als Professor für Dogmatik lehrte. 1847 erfolgte seine Ernennung zum fürsterzbischöflichen Konsistorialrat durch Erzbischof Maximilian Joseph Gottfried von Sommerau Beeckh. Kisser fungierte in den Studienjahren 1847/48, 1852/53 und 1860/61 als Dekan der Theologischen Fakultät sowie 1850/51 als Rektor der Olmützer Universität.
Für die nach dem Tod Andreas Reichenbergers vakante Stelle als Universitätskanoniker in Linz bewarb sich Kisser 1855 vergeblich – sein Konkurrent Leopold Fellerer wurde im selben Jahr zum neuen Domkanoniker gewählt.

Ab den 1850er-Jahren war Josef Kisser auch wieder an der Universität Wien tätig und las hier über Kanonisches Recht sowie Fundamentaltheologie. Im Jahr 1863 erfolgte schließlich seine Berufung zum ordentlichen Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik.
An der Universität Wien fungierte Kisser im Studienjahr 1864/65 als Dekan des Doktorenkollegiums der Theologischen Fakultät und im Folgejahr als Dekan des Professorenkollegiums der Theologischen Fakultät. Daneben übte Kisser auch das Amt des Superintendenten der Ramming-Briccianschen Universitätsstiftung aus.
Auf Vorschlag des Doktoren- als auch des Professorenkollegiums wählte der Akademische Senat der Universität Wien ihn schließlich zum Rektor der Universität Wien für das Studienjahr 1866/67. In dieser Funktion hatte er auch eine Virilstimme im Niederösterreichischen Landtag. In seiner Inaugurationsrede als Rektor betonte Kisser, dass die Wissenschaft der Offenbarungslehre untergeordnet sei – ihre Freiheit gehe nur so weit, als sie nicht in Widerspruch mit dieser gerate. Zudem pochte er auf den „katholischen Charakter der Universität, die eine Stätte der orthodoxen Religion sein solle“. Laut Zeitungsbericht reagierte das Publikum ambivalent:

„Die zahlreich anwesenden Theologen geizten mit ihrem Beifalle für diese Rede nicht, alle Anderen blieben ruhig.“
(Morgen-Post vom 17. Oktober 1866, S. 2)

Noch während seiner Amtszeit als Rektor wurde Josef Kisser nach Rücktritt des Domkustos und Domherrn Joseph Salzbacher im Frühjahr 1867 zum Domherrn und Seelsorger des Metropolitankapitels St. Stephan ernannt. 1886 wurden seine Verdienste mit der Verleihung des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse sowie mit der Ernennung zum päpstlichen Hausprälaten geehrt.

Werke

De inspiratione sacrarum litterarum (Dissertation), 1841.
Harmonie der Wissenschaft mit der Wahrheit. Offenbarungslehre und Religion (Inaugurationsrede), 1866

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 11.05.2020 - 16:42

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