Laurenz Müllner, o. Univ.-Prof. Dr. phil.

29.7.1848 – 28.11.1911
geb. in Groß Grillowitz, Mähren (Ceské Kridlovice, Tschechische Republik) gest. in Merano

Funktionen

DekanIn Katholisch-Theologische Fakultät 1891/92
Rektor Katholisch-Theologische Fakultät 1894/95

Laurenz Müllner, Sohn eines Großgrund- und Ziegeleibesitzers, besuchte das Gymnasium in Znaim und Nikolsburg und studierte anschließend Theologie an den Universitäten Brünn und Wien. In Wien zählte Karl Werner zu seinen Lehrern. 1871 empfing er die Priesterweihe und war in der Folge als Kaplan in Marchegg, ab 1875 in Wien-Leopoldstadt tätig. Müllner beschäftigte sich intensiv mit der Naturphilosophie Friedrich Wilhelm Schellings sowie besonders den Schriften von dessen Schüler Wilhelm Rosenkrantz. Mit seiner über „Die Philosophie Wilhelm Rosenkrantz’“ verfassten Arbeit wurde Laurenz Müllner 1876 an der Universität Innsbruck zum Doktor der Philosophie promoviert.

Seine 1878 an der Universität Wien eingereichte Habilitationsschrift über Schellings Pädagogik wurde von der Philosophischen Fakultät mit der Empfehlung auf Überarbeitung zurückgereicht und von ihm selbst schließlich zurückgezogen.
Auf Betreiben seiner Förderer Karl Werner und Erzbischof Johann Kutschker konnte Müllner stattdessen ab 1880 Vorlesungen über philosophisch-theologische Propädeutik an der Theologischen Fakultät der Universität Wien halten, stieß jedoch auch dort auf massiven Widerstand: Da sich er in seiner modern ausgerichteten Lehre sowohl der Naturphilosophie als auch Darwins Entwicklungslehre widmete, forderte das theologische Professorenkollegium bereits 1881 seinen Rücktritt. Mit Rückendeckung des Erzbischofs Kutschker wurde Müllner jedoch 1883 zum außerordentlichen Professor der christlichen Philosophie ernannt. Gegen die Denunziation, ein antikirchlich ausgerichteter „Reformkatholik“ zu sein, konnte sich Müllner im Winter 1886 über Vermittlung des Erzbischofs Cölestin Ganglbauer erfolgreich vor der römischen Kurie und Papst Leo XIII verteidigen. Gegen den Willen der Wiener theologischen Fakultät wurde Müllner 1887 zum Ordinarius der christlichen Philosophie berufen.

Laurenz Müllner fungierte als Mitglied der Bibliothekskommission, im Studienjahr 1891/92 als Dekan der Theologischen Fakultät und 1894/95 als Rektor der Universität Wien. Doch auch dieses Amt hatte er gegen den Willen der Theologischen Fakultät erlangt: Hatte diese Wilhelm Neumann als Kandidaten nominiert, entschied sich der Senat – allen voran Leo Reinisch, Gustav von Escherich und Adolf Exner – eben wegen der einstigen Intrige und Denunzierung Müllners durch das Professorenkollegium für seine Ernennung zum Rektor. Mit seiner Inaugurationsrede „Die Bedeutung Galileis für die Philosophie“ erregte Müllner erwartungsgemäß erneut großes Aufsehen. Als Rektor setzte er sich im niederösterreichischen Landtag für Toleranz und Freiheit der Forschung ein und verteidigte die Autonomie der Universität.

Mit literarischen und künstlerischen Texten profilierte sich Müllner auch verstärkt als Literatur- und Kunstkritiker. Er bekannte sich u. a. als Anhänger Fiodor Dostojewskis, Shakespeares und Leopold von Sacher-Masochs sowie als Gegner Goethes. Müllner veröffentlichte mehrere Beiträge in der klerikalen Zeitung „Vaterland“, war Mitglied der Grillparzer-Gesellschaft und verkehrte im Salon der Schriftstellerin Marie Eugenie Delle Grazie, zu deren wichtigsten Förderern er zählte.

Als 1896 die Besetzung einer dritten ordentlichen Professur für Philosophie (neben Ernst Mach und Friedrich Jodl) an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien anstand, bestand das Ministerium auf die Übernahme Müllners von der Theologischen Fakultät. Obwohl das philosophische Professorenkollegium Müllner wegen dessen fehlender wissenschaftlicher Eignung und größerer Publikationen klar ablehnte, setzte sich das Ministerium 1896 durch und oktroyierte der Fakultät Müllner für das philosophische Ordinariat.
Trotz des Widerstands der Philosophischen Fakultät war Laurenz Müllner in seiner Lehre nun weniger eingeschränkt und befasste sich mit mittelalterlicher Philosophie und besonders mit Dantes „Göttlicher Komödie“. Seine Lehrveranstaltungen erfreuten sich großem Interesse vonseiten der Studierenden, die diese zu Hunderten besuchten.

Österreichisches Biographisches Lexikon 
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​Werke (Auswahl)

Die Philosophie Wilhelm Rosenkrantz’ (In: Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik), 1876/77.
Die Bedeutung Galileis für die Philosophie (Inaugurationsrede), 1894.
Literatur- und kunstkritische Studien. Beiträge zur Ästhetik der Dichtkunst und Malerei, 1895.
Zwei Reden gehalten in der Sitzung des Niederösterreichischen Landtages vom 4. Januar 1895, 1895.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 24.04.2020 - 13:13

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