Norbert Jokl, tit. ao. Univ.-Prof. Dr. phil.

25.2.1877 – 6.5.1942
geb. in Bisenz, Mähren, Tschechische Republik gest. in Vernichtungslager Maly Trostinec, Weißrussland

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Ehrentafel-Fakultät 1982 Philosophische Fakultät

1979 konstituierte sich eine 12-köpfige Arbeitsgruppe „Ehrung für Norbert Jokl“, der Oberrat Dr. Otto Back, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang U. Dressler, Univ.-Prof. Dr. Stanislaus Hafner (Graz), Univ.-Prof. Dr. Josef Hamm, Univ.-Prof. Dr. Radoslav Katičić, Univ.-Prof. Dr. Manfred Mayrhofer, Univ.-Prof. Dr. Hermann Ölberg (Innsbruck), Oberrat Dr. Oskar E. Pfeiffer, Magn. Univ.-Prof. Dr. Richard Plaschka, Archivrat DDr. Robert Schwanke, Univ.-Prof. Dr. Georg R. Solta und Univ.-Prof. Dr. Erika Weinzierl). In deren Auftrag stellte Prof. Solta 1982 vom Institut für Sprachwissenschaft den Antrag, Jokl in die Ehrentafel der Philosophischen Fakultät aufzunehmen:

„Sein Hauptarbeitsgebiet war Zeit seines Lebens die Albanologie, in der er an eine reiche österreichische Tradition anknüpfte und in einem Maße fortsetzte, daß er in der Zwischenkriegszeit zum international unbestrittenen Meister dieses Faches wurde. Obwohl er nach seiner Deportation 1942 eines gewaltsamen Todes starb, sind seine Werke derart, daß die moderne Albanologie […] auf Schritt und Tritt auf seinen Forschungen aufbaut. […] In den Vierzigerjahren war es weder unserer Universität noch Kollegen im In- und Ausland möglich, diesen Großen seines Faches vor seinem Ende zu bewahren – heute könnten wir mit der Ehrung Jokls auch unsere Dankesschuld abtragen.“
(Antrag von Prof. Georg R. Solta, 18. März 1982, in: Archiv der Universität Wien, Akademischer Senat GZ 6 ex 1981/82)

Der Antrag wurde von der Geisteswissenschaftlichen Fakultät unterstützt, der Akademische Senat der Universität Wien stimmte dem Antrag am 29. April 1982 einstimmig zu und die Eintragung – die letzte auf der Ehrentafel der Philosophischen Fakultät – wurde Anfang Mai 1982 beauftragt.

Jokl, Sohn eines Kaufmanns, begann nach Abschluss des Gymnasiums ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität und promovierte 1901 zum Dr. jur. 1903 begann er an der Universitätsbibliothek zu arbeiten, studierte daneben Sprachwissenschaften und promovierte 1908 zum Dr. phil. Danach wandte er sich vor allem der bisher wenig erforschten albanischen Sprache zu.
1913 habilitierte sich Jokl und wurde Privatdozent für die "Indogermanische Sprachwissenschaft mit besonderer Berücksichtigung des Albanesischen, Baltischen und Slavischen". 1923 wurde ihm der Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors verliehen. An der Universitätsbibliothek Wien betreute Jokl die Bereiche für indogermanische und finnisch-ugrische Sprachwissenschaft. Aufgrund seines langjährigen Dienstes in der Universitätsbibliothek wurde er 1928 zum Oberstaatsbibliothekar und 1937 zum Hofrat ernannt.

Er wurde im Nationalsozialismus aus rassistischen Gründen verfolgt und 1938 seines Amtes enthoben und von der Universität Wien vertrieben.
Norbert Jokls Antrag auf "gnadenweise Gleichstellung mit Mischlingen ersten Grades" wurde 1940 abgelehnt. Seine Versuche, aus Österreich zu emigrieren, scheiterten, so auch die Initiative des albanischen Nationaldichters Gjergj Fishta und des italienischen Albanologen Carlo Tagliavini, der Jokl und dessen Bibliothek nach Albanien bringen wollte, da ihm 1941 die Ausreise verweigert wurde. Anfang März 1942 wurde Jokl in Wien von der Gestapo verhaftet und in ein Sammellager gebracht. Zwei Monate später wurde er nach Maly Trostinec verschleppt.
Obwohl Jokl seine albanologische Bibliothek und seinen Nachlass dem Staat Albanien vererbt hatte, sorgten Viktor Christian, Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Wien, und Paul Heigl, Direktor der Nationalbibliothek, für deren Verbleib im Deutschen Reich und für die Beschlagnahmung und "Arisierung" der wertvollen Bestände, die 1942 der Nationalbibliothek "leihweise" übergeben und 1946 in deren Besitz übernommen wurden.

Am 29. April 1982 beschloss der Senat der Universität Wien, Jokls Namen auf der Ehrentafel in der Aula der Universität Wien anzubringen.

Archiv der Universität Wien, Akademischer Senat GZ 6 ex 1981/82 (Ehrentafel).

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 22.01.2024 - 23:02

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