Albert Jäger, OSB, Prof. Dr. phil.

8.12.1801 – 10.12.1891
geb. in Schwaz, Tirol gest. in Innsbruck

Funktionen

DekanIn Philosophische Fakultät 1854/55
Rektor Philosophische Fakultät 1865/66

Als Sohn des verarmten Bäckers Johann Paul Jäger geboren und auf den Namen Josef Jäger getauft, verbrachte er seine Kindheit zunächst bei einem Onkel in Bozen, der ihn zum Erlernen der italienischen Sprache 1815 bis 1817 nach Rovereto schickte. Im Alter von 18 Jahren brach er 1819 die Bäckerlehre ab, besuchte das humanistische Franziskanergymnasium in Bozen und anschließend privat die beiden philosophischen Kurse. Gleichzeitig war er in Bozen als Hauslehrer bei Josef von Giovanelli tätig.
1825 trat Jäger in das Benediktinerstift Marienberg im Vintschgau/Südtirol ein und erhielt hier den Ordensnamen Albert, den er zeit seines Lebens tragen sollte. Ein Jahr später nahm er ein Studium am Priesterseminar in Brixen auf. Zu seinen Ordensbrüdern im Bergkloster sowie zu seinen Lehrern im Priesterseminar zählten namhafte Gelehrte, die die Benediktinergelehrsamkeit des 18. Jahrhunderts hochhielten und Jäger zur Fortsetzung seiner im Gymnasium begonnenen historischen Forschungen anregten. So konnte er 1829 sein erstes Werk über „Die Grafen von Taraspo“ – die Stifter des Klosters Marienberg – veröffentlichen. Er wurde im selben Jahr zum Priester geweiht und wirkte anschließend als Seelsorger sowie ab 1831 als Lehrer im Benediktinergymnasium in Meran.

Ab 1841 war Albert Jäger als Erzieher im Haus des Gouverneurs von Tirol, Clemens Graf Brandis, in Innsbruck tätig. Hier konnte er sich historischen Forschungen zur Tiroler Landesgeschichte anhand von Archivquellen widmen und ein Studium der Geschichte an der Universität Innsbruck aufnehmen. Er promovierte zum Doktor der Philosophie und publizierte 1844 ein Werk über „Tirol und der bayerisch-französische Einfall im Jahre 1703“, mit dem er sich als Historiker einen Namen machte.
Jäger forschte und publizierte auch zukünftig vor allem zu Themen der österreichischen, v.a. der Tiroler Geschichte des Spätmittelalters und der Neuzeit.

1845 wurde Jäger Supplent und 1846 bereits Professor der Welt- und österreichischen Staatengeschichte sowie der historischen Hilfswissenschaften an der Universität Innsbruck. 1849 übernahm er vorübergehend die Direktion des Stiftsgymnasiums in Meran, um die Umwandlung von einem sechs-, in ein achtklassiges Gymnasium zu organisieren.

Albert Jäger folgte 1851 der Berufung durch Unterrichtsminister Leo Thun-Hohenstein zum Professor für Österreichische Geschichte an die Universität Wien. Die päpstliche Genehmigung für den dafür nötigen Austritt aus dem Kloster (Exklaustrierung) konnte er 1852 nur unter Schwierigkeiten erreichen, dennoch blieb er Mitglied des Benediktinerordens. Der Anregung Joseph Alexander von Helferts sowie der Anweisung Thun-Hohensteins folgend wurde 1854 an der Universität Wien das Institut für Österreichische Geschichtsforschung gegründet, das Jäger von der Gründung bis 1869 als Vorstand leitete. Zu den ersten Schülern des renommierten Instituts zur Ausbildung historischer Forscher zählten u. a. Karl Tomaschek und Ottokar Lorenz. Jäger bestritt die Lehre zunächst alleine, bis 1856 Theodor von Sickel als Lehrkraft hinzukam, der wesentlich zu der Orientierung des Instituts auf historische Hilfswissenschaften beitrug.
An der Universität Wien fungierte Albert Jäger als im Studienjahr 1854/55 Dekan der Philosophischen Fakultät und 1865/66 als Rektor – sowie aufgrund dieser Funktion gleichzeitig als Abgeordneter des niederösterreichischen Landtages mit Virilstimme.

Auch nach seiner Amtszeit als Rektor war er politisch aktiv, wurde 1867 in den Tiroler Landtag gewählt (bis 1869) und von diesem als Abgeordneter der konservativ-kirchlichen Fraktion in den Reichsrat entsandt. Jäger, der als überzeugter Föderalist auftrat, legte im Zuge seiner Tätigkeit für den Reichsrat 1869 die Leitung des Instituts für österreichische Geschichtsforschung nieder und zog sich schließlich 1871 nach Beendigung seiner politischen Karriere aus dem öffentlichen Leben zurück. Er kehrte nach Innsbruck zurück und widmete sich weiterhin historischen Studien, so seinem Lebenswerk „Geschichte der landständischen Verfassung Tirols“ (1881–1885).

Für seine Verdienste wurde Albert Jäger vielfach ausgezeichnet. Bereits seit 1847 wirkliches Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, gehörte er ebenso der königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften in München, der k. k. Akademie degli Agiati in Rovereto und dem Ferdinandeum in Innsbruck an. Der historische Verein für Kärnten sowie die katholischen Studentenverbindung Austria Innsbruck (1873) ernannten ihn zum Ehrenmitglied, außerdem wurde er mit dem Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens geehrt.

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Werke (Auswahl)

Tirol und der baierisch-französische Einfall im Jahre 1703. Aus archivalischen und anderen gedruckten und ungedruckten Quellen, 1844.
Die alte ständische Verfassung Tirols, 1848.
Die Wiedervereinigung Tirols mit Oesterreich in den Jahren 1813–1816, 1856.
Der Streit des Cardinals Nicolaus von Cusa mit dem Herzoge Sigmund von Oesterreich als Grafen von Tirol (2 Bände), 1861.
Die Priester-Verfolgung in Tirol von 1806 bis 1809, 1868.
Die Tiroler Landesverteidigung im Reichsrathe und Landtage 1868 und 1869, 1869.
Das Steuerbewilligungs-Recht der alten Stände Tirols, 1870.
Tirol’s Rückkehr unter Oesterreich und seine Bemühungen zur Wiedererlangung der alten Landesrechte von 1813–1816, 1871.
Geschichte der landständischen Verfassung Tirols (2 Bände), 1881–1885.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 19.05.2020 - 15:48

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