Andreas Freiherr von Baumgartner, o. Prof. Dr. phil.

23.11.1793 – 30.7.1865
geb. in Friedberg (Frymburk, Tschechische Republik) gest. in Wien-Hietzing

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Ehrentafel-Fakultät 1892/93 Philosophische Fakultät

Funktionen

DekanIn Philosophische Fakultät 1825/26
DekanIn Philosophische Fakultät 1828/29
Rektor Philosophische Fakultät 1849/50

Andreas Baumgartner, Sohn eines Gastwirts und Bäckers im böhmischen Friedberg, besuchte das Gymnasium in Linz und Budweis. Er nahm 1810 das Studium an der Universität Wien auf und besuchte Lehrveranstaltungen in Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften. 1814 wurde Baumgartner zum Dr. phil. promoviert. Ab 1815 war er Assistent am Lehrstuhl für Philosophie, wechselte jedoch bereits im Folgejahr an die Lehrkanzel für Mathematik und Physik, wo er ebenfalls als Assistent tätig wurde. 1817 wurde er als Professor der Physik an das Lyzeum in Olmütz (Olomouc, Tschechische Republik) berufen.

1823 kehrte Andreas Baumgartner nach Wien zurück, als er zum ordentlichen Professor für Physik und Angewandte Mathematik an der Universität Wien ernannt wurde. Zu Baumgartners Aufgaben zählte zudem die Betreuung des 1715 von den Jesuiten gegründeten Physikalischen Cabinets, das physikalische Geräte, Werkzeuge und Maschinenmodelle als Anschauungsobjekte für die Lehre bereitstellte. Unter seiner Leitung wurden zahlreiche veraltete Geräte aus der Sammlung ausgeschieden und der Bestand aktualisiert.

Seine erste wissenschaftliche Monografie „Die Äräometrie in ihrer Anwendung auf Chemie und Technik“ hatte Baumgartner bereits 1820 veröffentlicht. Im Zuge dessen erfand er auch einen Aräometer zur schnellen Bestimmung der Dichte fester Körper. Aufbauend auf sein 1823 erschienenes Werk „Mechanik in ihrer Anwendung auf Künste und Gewerbe“ hielt er an der Universität Wien ab 1825 zudem sonntags öffentliche Vorlesungen über Populäre Mechanik für Künstler und Handwerker. Ab 1824 publizierte er sein mehrbändiges Lehrbuch „Naturlehre nach ihrem gegenwärtigen Zustande mit Rücksicht auf mathematische Begründung“, das sich rasch zu einem Standardwerk im gesamten deutschsprachigen Raum entwickelte und mehrere Auflagen erreichte.
Gemeinsam mit seinem Schwager Andreas von Ettingshausen begründete Baumgartner 1826 die „Zeitschrift für Physik und Mathematik“, die er zunächst gemeinsam mit Ettingshausen, ab 1832 alleine unter dem Titel „Zeitschrift für Physik und verwandte Wissenschaften“ sowie 1837 bis 1841 schließlich gemeinsam mit Philipp Alois von Holger herausgab.

An der Universität Wien wurde Andreas Baumgartner bereits kurz nach Antritt seiner Professur 1823 zum Prokurator der ungarischen Nation gewählt. In den Studienjahren 1825/26 und 1828/29 fungierte er als Dekan der Philosophischen Fakultät.
Krankheitsbedingt legte Baumgartner 1833 seine Lehrtätigkeit zurück. Seine Nachfolge übernahm Andreas von Ettinghausen.

Baumgartner war stets bemüht, die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Naturforschung und Technik zu popularisieren und praxisbezogen an die Industrie zu vermitteln, um sie kommerziell nutzbar zu machen. 1833 berief Kaiser Franz I. ihn in den Staatsdienst und ernannte ihn zum Direktor der k.k. Porzellanfabrik in Wien sowie zum Vorstand der Gußspiegel- und Smaltefabrik in Schlegelmühl/Reichenau in Niederösterreich. 1842 übernahm er die Direktion der österreichischen Tabakfabriken „k.k. Tabakregie“, die er durch Reorganisation zu einem Aufschwung führte. 1845 war er als Vorsitzender der Gewerbeausstellungskommission tätig. Parallel fungierte Baumgartner 1840 bis 1847 als Direktor und Präsident der Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Unter seiner Leitung begründete die Gesellschaft nicht nur 1844 das erste Pensionsinstitut, sondern führte auch erste telegraphische Versuche durch. Seine umfangreichen Kenntnisse der Physik und im Besonderen der Elektrizitätslehre setzte er ab 1846 als Leiter des Telegraphenwesens ein und war führend an dem Aufbau des elektrischen Telegraphennetzes in Österreich beteiligt. Er stellte dafür eine hochqualifizierte Arbeitsgruppe aus Physikern und Technikern zusammen, die diese beachtliche Leistung zusammen mit den mechanischen Werkstätten in Wien erbrachten.

Aufgrund seiner erfolgreichen Tätigkeit wurde er im Revolutionsjahr 1848 zum Leiter der Staatsbahnen und damit des Eisenbahnbaus in Österreich ernannt. Unter Ministerpräsident Franz von Pillersdorf fungierte Baumgartner für zwei Monate von Mai bis Juli 1848 als Minister für öffentliche Arbeiten und das Bergwesen. In dieser Funktion kamen ihm die aus Kostengründen immer wieder zurückgestellten Pläne zur Errichtung der Semmeringbahn entgegen. Um Arbeitern Beschäftigung zu bieten, erteilte er am 27. Juni 1848 die Bewilligung zum Bau der Bahnstrecke für Dampflokomotiven. Nach dem Rücktritt des Ministeriums Pillersdorf wurde Baumgartner im August 1848 Sektionschef im Finanzministerium und im Folgejahr Vizepräsident der Zolltarif-Regulierungskommission.

Daneben war Baumgartner auch weiterhin im akademischen Bereich aktiv. Am 7. Dezember 1849 wurde Andreas von Baumgartner zum Rektor der Universität Wien für das Studienjahr 1849/50 gewählt. Nach den Thun-Hohensteinschen Reformen war er der erste Rektor, der nicht mehr von den vier Prokuratoren der Akademischen Nationen, sondern von den Professorenkollegien in dieses Amt gewählt wurde. Seit Juli 1849 außerdem als Stellvertreter des Präsidenten der Akademie der Wissenschaften in Wien tätig, übernahm er 1851 deren Präsidentschaft – diese Funktion behielt er trotz zahlreicher weiterer beruflicher Verpflichtung u.a. als Minister bis zu seinem Tod bei.

Im April 1851 zum Reichsrat ernannt, folgte im Mai 1851 seine Ernennung zum Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Bauten und im Dezember 1851 zusätzlich die Leitung des Finanzministeriums. Als Handels- und Finanzminister hatte er u.a. die Oberaufsicht über den 1848 noch selbst in Auftrag gegebenen Bau der Semmeringbahn. 1855 legte er seine politischen Ämter zurück, um sich seinen wissenschaftlichen Forschungen zu widmen.

1861 wurde Baumgartner zum lebenslänglichen Mitglied des Herrenhauses gewählt, wo er als Obmann der Finanzkommission und ab 1862 als Mitglied der Staatsschulden-Kontrollkommission tätig war.

Für seine vielseitigen Verdienste wurde Andreas von Baumgartner vielfach geehrt: Seit 1847 Gründungsmitglied und ab 1849 Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften in Wien, amtierte er ab 1851 bis zu seinem Tod als deren Präsident. Er gehörte zudem der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (1833), der Gesellschaft der Naturforscher Leopoldina in Halle (1860) sowie der Deutschen Akademie der Naturforscher in Jena an. Die Göttinger Akademie der Wissenschaften wählte ihn 1854 zum Ehrenmitglied. 1842 zum Hofrat ernannt, erhielt er 1850 den Geheimratstitel und wurde 1854 in den Freiherrenstand erhoben. Er war auch Träger zahlreicher Orden, darunter der Orden der Eisernen Krone I. Klasse (1852), das Großkreuz des Leopold-Ordens (1863), der Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (1853) und der königlich sächsische Verdienstorden. Die Universität Jena ernannte ihn zum Ehrendoktor der Medizin und die Stadt Olmütz zum Ehrenbürger.
Der mit Baumgartner befreundete Schriftsteller Adalbert Stifter setzte ihm 1857 in seinem Roman „Nachsommer“ in der Figur des Freiherrn von Risach ein literarisches Denkmal.

Andreas von Baumgartner, der am 30. Juli 1865 in Wien verstarb, wurde auf dem Hietzinger Friedhof bestattet. Seine Fachbibliothek sowie seine Sammlung an physikalischen Geräten vermachte er testamentarisch der Oberrealschule der Stadt Olmütz. Der Akademie der Wissenschaften in Wien stiftete er den Baumgartner-Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Physik. Eine Büste in der Akademie der Wissenschaften erinnert noch heute an ihn.
Die Universität Wien ehrte ihn, indem sie 1892/93 seinen Name in die Ehrentafel der Philosophischen Fakultät im Universitätshauptgebäude aufnahm.

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Werke (Auswahl)

Aräometrie, oder Anleitung zur Bestimmung des specifischen Gewichtes und zur Verfertigung genauer Aräometer für Chemisten und Technologen, 1820.
Die Mechanik in ihrer Anwendung auf Künste und Gewerbe. Gemeinverständlich dargestellt, 1823.
Die Naturlehre nach ihrem gegenwärtigen Zustande mit Rücksicht auf mathematische Begründung (3 Bände + Supplementband), 1824–1831 (8. Auflage 1845): Band 1 | Band 2 | Band 3 | Supplementband).
Anfangsgründe der Naturlehre als Auszug aus der Naturlehre nach ihrem gegenwärtigen Zustande mit Rücksicht auf mathematische Begründung, 1837.
Anleitung zum Heitzen der Dampfkessel und zur Wartung der Dampfmaschinen, 1841.
Unterricht im Tabak-Baue. Für die Tabakpflanzer in Ungarn, Galizien und Südtirol, 1845.

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 26.04.2021 - 17:51

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