Franz Xaver Pölzl, o. Univ.-Prof. Dr. phil., Dr. theol.

1.1.1840 – 5.11.1914
geb. in St. Florian, Steiermark, Österreich gest. in Klamm am Semmering, Niederösterreich, Österreich

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Ehrentafel-Fakultät 1950 Katholisch-Theologische Fakultät

Rektor Richard Meister regte im Oktober 1949 an, wieder Namen von berühmten Mitgliedern des Lehrkörpers in die Ehrentafeln der Fakultäten im Hauptgebäude der Universität Wien einzutragen. Zu diesem Zweck ersuchte er die Dekane, diese Frage in einer Fakultätssitzung zu besprechen und dem Senat Vorschläge zu unterbreiten.

Der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät Johannes Kosnetter schlug am 24. Februar 1950 entsprechend eines Beschlusses des Professorenkollegiums vor, die Professoren Hermann Zschokke, Rudolf Ritter von Scherer und Franz Xaver Pölzl für die Eintragung auf der Ehrentafel vorzuschlagen:

„Pölzls Vortragsweise wird von allen seinen Hörern als ungemein anregend und originell geschildert. Ob seiner Herzensgüte und seines Wohltätigkeitssinnes (für die Pölzlsche Kaiserjubiläumsstiftung zur Fortbildung der Weltpriester in der Wiener Diözese spendete er 1908 nicht weniger als 20.000 K) erfreute er sich allseits großer Verehrung und Beliebtheit. Die kath.-theol. Fakultät hat daher beschlossen, auch seinen Namen für die theol. Ehrentafel vorzuschlagen.“
(Dekan Kosnetter an Rektor, 24. Februar 1950, in: Archiv der Universität Wien, Akademischer Senat, GZ 6 ex 1949/50)

Die Vorschläge der Dekanate wurden in der Sitzung des Akademischen Senats vom 4. März 1950 vorgelegt und einstimmig angenommen. Am 25. März 1950 wurde der Auftrag zur Eingravierung und Vergoldung von 21 Namen auf die vier Ehrentafeln der Fakultäten erteilt und im Mai 1950 umgesetzt.

Funktionen

Dekan*in Katholisch-Theologische Fakultät 1886/87
Rektor Katholisch-Theologische Fakultät 1889/90
Dekan*in Katholisch-Theologische Fakultät 1894/95
Dekan*in Katholisch-Theologische Fakultät 1901/02
Dekan*in Katholisch-Theologische Fakultät 1909/10

Franz Xaver Pölzl, Sohn von Franz und Zäzilia Pölzl, besuchte das k. k. Gymnasium in Graz, wo er die Matura ablegte, und studierte an der Privatlehranstalt des fürsterzbischöflichen Knabenseminars in Graz. 1862 begann er ein Theologiestudium an der Universität Graz. Noch während seiner Studienzeit trat er 1865 gemeinsam mit anderen Theologiestudenten als vehementer Gegner der darwinistischen Thesen des Rektors und Zoologen Oscar Eduard Schmidt auf. Gemeinsam veröffentlichten sie die Broschüre „Die Theologen und die Festrede vom 15. November 1865. Eine Rechtfertigung im Namen der Hörer der theologischen Fakultät Graz“, in der sie demgegenüber für die Betonung der Schöpfungsgeschichte eintraten.
Im selben Jahr – 1865 – wurde Pölzl zum Priester geweiht. Ab 1866 war er als Präfekt am Grazer Priesterseminar sowie als Lehrer für Weltgeschichte und Latein am Gymnasium tätig. Daneben studierte er ab 1867 Philosophie an der Universität Graz. Nach seiner Promotion zum Doktor der Philosophie 1869 wirkte er als Adjunkt an der Theologischen Fakultät der Universität Graz und lehrte an der Lehrkanzel für Neutestamentarisches Bibelstudium. 1872 – noch ein Jahr vor seiner Promotion zum Doktor der Theologie – wurde er zum ordentlichen Professor des Bibelstudiums des Neuen Testaments und der Höheren Exegese berufen. Im Studienjahr 1881/82 fungierte Pölzl als Rektor der Universität Graz.

1882 folgte Franz Pölzl einem Ruf als ordentlicher Professor des Bibelstudiums des Neuen Testaments in der Nachfolge von Karl Werner an die Universität Wien. Hier amtierte er in den Studienjahren 1886/87, 1894/95, 1901/02 sowie 1909/10 als Dekan der Theologischen Fakultät sowie 1889/90 als Rektor der Universität Wien.

In vier Bänden veröffentlichte Pölzl für Theologiestudenten umfangreiche Kommentare zu den vier Evangelien sowie zur Leidens- und Verklärungsgeschichte Christi (1880–1893), die zahlreiche Neuauflagen erfuhren und später von Theodor Innitzer fortgesetzt wurden. Sein Hauptwerk veröffentlichte er über den Weltapostel Paulus.

Für seine Verdienste wurde Franz Xaver Pölzl vielfach geehrt. So wurde er zum päpstlichen Hausprälaten, zum Konsistorialrat von Seckau sowie zum Geistlichen Rat von Wien ernannt und fungierte als Superior der Kongregationen „Die Schwestern von der ewigen Anbetung“ (Wien) sowie „Unsere Frau von der Liebe des Guten Hirten“ (Theresienfeld und Wiener Neudorf). Ihm wurde das Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens sowie der Hofratstitel (1895) verliehen.
Die Universität Wien setzte seinen Namen 1950 auf die Ehrentafel der Theologischen Fakultät im Hauptgebäude der Universität Wien und veranstaltete 1910 anlässlich seines 70. Geburtstags eine Feier.

Pölzl, der 1911 in Ruhestand trat, stiftete sein Vermögen zugunsten verschiedener Stiftungen. Er starb in Klamm am Semmering, wo er seit Jahrzehnten während der Sommer als Pfarrer gewirkt hatte.

> Österreichisches Biographisches Lexikon

Werke (Auswahl)

gemeinsam mit Leopold Schuster, Johann Wöhr, Josef Frühwirth: Die Theologen und die Festrede vom 15. November 1865. Eine Rechtfertigung im Namen der Hörer der theologischen Fakultät Graz, 1865.
Kurzgefasster Kommentar zu den vier heiligen Evangelien zum Gebrauche für Theologie-Studirende (4 Bände), 1880–1893 (zahlreiche Neuauflagen, fortgesetzt von Theodor Innitzer, später 5 Bände).
Karl Lachmann, Begründer der neutestamentarischen Textkritik (Inaugurationsrede), 1881.
Leidens- und Verklärungsgeschichte Jesu Christi, 1891 (2. Auflage 1913).
Der Weltapostel Paulus, nach seinem Leben und Wirken geschildert, 1905.
Die Mitarbeiter des Weltapostel Paulus, 1911.
Das Matthäusevangelium (Broschüre der Reihe „Biblische Zeitfragen“), 1909 (3. Auflage 1912).
Der Weltapostel Paulus (Broschüre der Reihe „Biblische Zeitfragen“), 1914.
The passion and glory of Christ; a commentary on the events from the last supper to the ascension, 1919.

Archiv der Universität Wien, 131.50 (Pölzl, Franz Xaver; Nachlassfragment).
Archiv der Universität Wien, Akademischer Senat S 304.975 (Personalblatt Pölzl, Franz Xaver).
Archiv der Universität Wien, Akademischer Senat, GZ 6 ex 1949/50 (Ehrentafel).
Archiv der Universität Wien, Katholisch-Theologische Fakultät GZ 54 ex 1949/50 (Ehrentafel).

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 16.11.2023 - 17:42