Johann Sölch, Univ.-Prof. Dr.

16.10.1883 – 10.9.1951
geb. in Penzing bei Wien gest. in Kitzbühel

Funktionen

Rektor 1947/48
Senator Philosophische Fakultät 1949/50
Senator Philosophische Fakultät 1950/51

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Denkmal Arkadenhof 1965 Philosophische Fakultät

Johann Sölch, Sohn des Direktors des k. k. Schulbücherverlages Johann Georg Sölch, studierte nach seiner Matura ab 1902 Geographie und Geschichte an der Universität Wien (1904 an der Universität Bern). Zu seinen Lehrern zählten u.a. die Geographen Albrecht Penck, Eugen Oberhummer sowie die Historiker Oswald Redlich und Alfons Dopsch. Bei Penck promovierte er 1906 mit der Dissertation „Studien über Gebirgspässe“, legte die Lehramtsprüfung ab und war anschließend als Gymnasiallehrer in Wien und Graz tätig. 1907 arbeitete Sölch vorübergehend als Assistent am geographischen Institut der Universität Leipzig.

Seine Habilitation erfolgte 1917 an der Universität Graz, wo er fortan als Privatdozent für Geographie wirkte. 1920 wurde er als Professor für physische Geographie an die Universität Innsbruck berufen und baute das „Seminar für Alpengeographie“ auf. 1927/28 fungierte er als Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Innsbruck. 1928 bis 1935 folgte eine Professur an der Universität Heidelberg, wo er 1930/31 zum Dekan gewählt wurde. Als Nachfolger Fritz Machatscheks kehrte er im April 1935 als Ordinarius und Direktor des Geographischen Instituts an die Universität Wien zurück.

Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde Johann Sölch von den nationalsozialistischen Machthabern „wegen nicht rein arischer Abstammung seiner Frau“ Bertha Sölch geb. Buchhorn zunächst zwangsweise beurlaubt, konnte jedoch ab 1939 „gegen jederzeitigen Widerruf“ wieder an der Universität lehren und bis zu seiner Pensionierung 1951 Direktor des Geographischen Instituts blieb.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er im Studienjahr 1947/48 zum Rektor der Universität Wien gewählt (Prorektor 1948/49).

In seinen wissenschaftlichen Forschungen widmete sich Sölch vor allem der durch die Eiszeit bedingten Geomorphologie sowie zur Alpengeographie des Ostalpenraumes. Daneben beschäftigte er sich auch mit Fragen der politischen Geographie sowie der Länderkunde. Aus seinen zahlreichen Forschungsreisen, v.a. nach Großbritannien, entstand 1951 sein Hauptwerk „Die Landschaften der Britischen Inseln“ (1951), das sich länderkundlichen, aber ebenso kulturgeographischen Fragen widmete.

Johann Sölch wurde für seine wissenschaftlichen Leistungen vielfach ausgezeichnet: Er war 1937–1945 Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien und anschließend Wirkliches Mitglied. Seit 1949 fungierte er zudem als Sekretär der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der ÖAW. Ab 1932 gehörte er zudem der Heidelberger Akademie der Wissenschaften an und wurde Ehrenmitglied der geographischen Gesellschaften von Belgrad (1935), Amsterdam (1938) und Wien (1948) sowie korrespondierendes Mitglied weiterer geographischen Gesellschaften. 1951 wurde er außerdem zum Präsidenten der Geographischen Gesellschaft in Wien ernannt. Die Universität Glasgow verlieh ihm ein Ehrendoktorat.

Am 26. März 1965 wurde ein Denkmal für Johann Sölch (Reliefmedaillon, gestaltet von Viktor Hammer) im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt, das durch durch Spenden sowie durch das Bundesministerium für Unterricht finanziert wurde. Am 2. Juni 1954 wurde die Sölchgasse im 21. Wiener Gemeindebezirk (Leopoldau) nach ihm benannt.

Werke (Auswahl)

Studien über Gebirgspässe mit besonderer Berücksichtigung der Ostalpen, Versuch einer Klassifikation (Dissertation), 1908.
Die Formung der Landoberfläche, 1914.
Beiträge zur eiszeitlichen Talgeschichte des Steirischen Randgebirges und seiner Nachbarschaft, 1917.
Geographischer Führer durch Nordtirol, 1924.
Die Auffassung der „natürlichen Grenzen“ in der wissenschaftlichen Geographie, 1924.
Die Landformung der Steiermark, 1928.
Die Ostalpen, 1930.
Der Rückzug der letzten Vergletscherung: eine vergleichende Betrachtung, 1932.
Fluß- und Eiswerk in den Alpen zwischen Ötztal und St. Gotthard, 1935.
Die Semmeringlandschaft, 1948.
Die Landschaften der Britischen Inseln (2 Bände), 1952.
 

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Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 06.02.2019 - 09:03

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