Josef Loschmidt, o. Univ.-Prof. Dr. phil.

15.3.1821 – 8.7.1895
geb. in Putschirn bei Karlsbad | Karlovy Vary (Počerny), Tschechische Republik gest. in Wien, Österreich

Physiker und Chemiker, Pionier der Thermodynamik und Elektrodynamik

„Loschmidt war ein Pionier der Erforschung des atomaren Aufbaus der Materie und der Strukturen von Molekülen. Er schuf eine Basis der statistischen Physik und der physikalischen Chemie.“
Peter Schuster, Emeritierter Professor für Theoretische Chemie an der Universität Wien

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Denkmal Arkadenhof 1899 Philosophische Fakultät
Ehrentafel-Fakultät 1950 Philosophische Fakultät

Rektor Richard Meister regte im Oktober 1949 an, wieder Namen von berühmten Mitgliedern des Lehrkörpers in die Ehrentafeln der Fakultäten im Hauptgebäude der Universität Wien einzutragen. Zu diesem Zweck ersuchte er die Dekane, diese Frage in einer Fakultätssitzung zu besprechen und dem Senat Vorschläge zu unterbreiten.

Der Dekan der Philosophischen Fakultät Hans Leitmeier schlug am 25. Februar 1950 entsprechend eines Beschlusses des Professorenkollegiums vor, Ludwig Boltzmann, Julius HannRichard Heinzel, Josef Loschmidt, Ernst MachFranz MiklosichLeo Reinisch, Theodor SickelJosef Stefan und Eduard Suess für die Eintragung auf der Ehrentafel vorzuschlagen.

Die Vorschläge der Dekanate wurden in der Sitzung des Akademischen Senats vom 4. März 1950 vorgelegt und einstimmig angenommen. Am 25. März 1950 wurde der Auftrag zur Eingravierung und Vergoldung von 21 Namen auf die vier Ehrentafeln der Fakultäten erteilt und im Mai 1950 umgesetzt.

Raumbenennung Josef Loschmidt-Bibliothek (Fachbereichsbibliothek für Chemie) 2005 Fakultät für Chemie
Raumbenennung Josef Loschmidt-Hörsaal 2010 Fakultät für Chemie

Funktionen

Dekan*in Philosophische Fakultät 1877/78
Senator Philosophische Fakultät 1885/86
Senator Philosophische Fakultät 1886/87
Senator Philosophische Fakultät 1887/88

Joseph Loschmidt wurde als Kind eines Häuslers am 15. März 1821 in Putschirn bei Karlsbad geboren. Nach der Schulzeit ging er 1839 an die Universität Prag. In Wien jedoch konnte er ab 1841 seiner Neigung für exakte Naturwissenschaften nachgehen und graduierte hier 1846 in Physik und Chemie.
Dank der Unterstützung durch Josef Stefan (dem Entdecker des gleichnamigen Gesetzes) erhielt er 1866 eine Anstellung an der Universität Wien und wurde im Jahr 1868 zum Professor ernannt. Von 1872 bis 1891 lehrte er als Professor für Physikalische Chemie an der Universität Wien. Gemeinsam mit Heinrich Hlasiwetz, Josef Petzval und Josef Stefan gründete er die noch heute existierende Chemisch-Physikalische Gesellschaft in Wien. Im Jahr 1891 trat Joseph Loschmidt in den Ruhestand. Er verstarb am 8. Juli 1895 in Wien, sein Ehrengrabmal befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof. Zu seinem Andenken wurde im Jahr 1953 eine Gasse nach ihm benannt, zum 100. Todestag im Jahr 1995 gab die Österreichische Post eine Sondermarke heraus. An ihn erinnern auch der Loschmidt-Preis und die Joseph-Loschmidt-Medaille.

Von den vielfältigen Interessen des Joseph Loschmidt sind insbesondere zwei Leistungen hervorzuheben.
Im Jahre 1865 gelang es Joseph Loschmidt, über statistische Betrachtungen den Durchmesser von kugelförmigen Gasmolekülen zu approximieren. Die daraus resultierende Loschmidt-Konstante benennt die Zahl der Moleküle in einem Mol und stimmt innerhalb der damals angegebenen Fehlergrenzen mit dem heute gültigen Wert überein. Der Name Loschmidt-Konstante stammt von Ludwig Boltzmann.
Bahnbrechende Ideen über die Konstitution von chemischen Verbindungen, insbesondere über die Struktur des Benzols, legte Joseph Loschmidt im Jahre 1861 in seiner Schrift „Chemische Studien“ vor. Die von ihm vorgeschlagene Formel kommt der heutigen Anschauung sehr nahe. In den üblichen Lehrbüchern wird jedoch meist Friedrich August Kekulé angeführt, der aber seine Vorstellungen später veröffentlichte und wahrscheinlich die Schriften von Joseph Loschmidt kannte.
Mit seinen Leistungen lieferte Joseph Loschmidt epochale Innovationen an der Nahtstelle zwischen Chemie und Physik.

Archiv der Universität Wien, Akademischer Senat, GZ 6 ex 1949/50 (Ehrentafel); Philosophische Fakultät GZ 240 ex 1949/50 (Ehrentafel).

Zuletzt aktualisiert am 01.02.2024 - 23:35

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