Leopold Bauer, Prof.

1.9.1872 – 7.10.1938
geb. in Jägerndorf, Österreichisch-Schlesien | Krnov, Tschechische Republik gest. in Wien, Österreich

Architekt, Möbeldesigner, Schriftsteller

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Ehrenzeichen Ehrenz. 1936

Der Vorsitzende der Kunstkommission der Universität Wien, Prof. Gustav Riehl, beantragte 1936 das Ehrenzeichen der Universität Wien an Leopold Bauer als langjährigem Beirat dieser Kommission zu verleihen für seine langjährigen Einsatz, besonders bei der originalgetreuen Renovierung der goldenen Sgrafitti an der Rückseite der Universitätsbibliothek und mit seinen Entwürfe für den Bau eines AudiMax. Am 27. Juni 1936 stimmte der Akademische Senat einstimmig dafür und das Ehrenzeichen wurde ihm am 21. September 1936 von Rektor Oswald Menghin überreicht.

In 1936, the Chairman of the Art Commission of the University of Vienna, Prof. Gustav Riehl, requested that Leopold Bauer, as a long-standing member of the commission's advisory board, be awarded the University of Vienna's Decoration of Honor for his many years of service, particularly in the faithful renovation of the golden sgraffiti at the back of the University Library and with his designs for the construction of an AudiMax. On June 27, 1936, the Academic Senate voted unanimously in favour and the medal was presented to him by Rector Oswald Menghin on September 21, 1936.

Straßenbenennung Leopold-Bauer-Weg 1998

Leopold Bauer wurde 1872 in Österr. Schlesien als Hotelierssohn geboren, besuchte die Realschule und 1888–1891 die Staatsgewerbeschule in Brünn [Brno] und studierte 1892-1896 an der Akademie der bildenden Künste in Wien Architektur bei Carl Hasenauer und Otto Wagner, unterbrochen durch den Einjährig-Freiwilligen Militärdienst. Gemeinsam mit Olbrich und Hoffmann gründete er in der Studienzeit 1895 die (Vorläuferin der) Secession. Ab 1897 konnte er mit einem Reisestipendium für zwei Jahr eine Studienreise nach Italien, Frankreich und Deutschland absolvieren.

Zurückgekehrt nach Wien heiratete er 1900 Laura Ficker (1874–1934) mit der er drei Kinder hatte: Otto (1900–1991), Bauingenieur; Harald (1901–1990), Architekt; Gerda (1903–1950) – die Ehe wurde 1909 geschieden). Ebenfalls 1900 trat er der Wiener Secession bei und begann als Architekt eigenständig zu arbeiten.
Nach anfänglich radikal moderner Position, veränderte er ab seinen Stil in eine eher traditionsverbundene Richtung, würde damit „markttauglich“ für ein konservativeres Bauherren-Milieu und ökonomisch erfolgreich, aber um den Preis des Bruchs mit bisherigen Weggefährten, nicht zuletzt seinem Lehrer Otto Wagner.

Ab 1901 realisierte Bauer Villenbauten in Brünn und in seinem Geburtsort Jägerndorf sowie Entwürfe für Möbel, Teppiche und andere Einrichtungsgegenstände. Er war auch publizistisch aktiv mit programmatischen Überlegungen und theoretischen Reflexionen. Neben Schriften wie "Verschiedene Skizzen, Entwürfe und Studien" (1899) publizierte er in der Fach- wie auch der Tagespresse zu architekturtheoretischen, städtebaulichen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen. Er baute seine eigene Villa 1906/07 sowie mehrere Wohnbauten in Wien und Umgebung und beteiligte sich an zahlreichen nationalen Ausschreibungen (Kriegsministerium Wien, Technisches Museum Wien, Museum für tirolische Volkskunst und Gewerbe Innsbruck, Theater für 5.000 Besucher in Wien 1, Rudolfsplatz, Messegelände Wien) sowie internationalen Ausschreibungen (University of California, Berkeley/USA, Friedenspalast in Den Haag/NL, Verwaltungsgebäude der Chicago Tribune, Chicago/USA, Völkerbundpalast in Genf/CH, Hauptbahnhof in Athen/GR, Hochschulstadt Berlin/D,  Parlament in Mexiko).

Er war seit 1910 in zweiter Ehe mit Stefanie von Klink (1881–1946) verheiratet, mit der er weitere vier Kinder hatte: Wolfgang (1911–1995), Architekt; Bettina (1913–1983); Agnes (1916–1999); Christoph (1920–1945).

1913-1919 wurde er als Kompromisskandidat Nachfolger von Otto Wagner Professor für Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien, wurde aber von den Anhängern Wagners wie auch den Studierenden abgelehnt und er musste 1918/19 nach einem umfassenden Studentenstreik seine Professur wieder zurücklegen. In dieser Zeit (1912–1919) schuf er aber auf dem Areal der dafür abgerissenen Alser Kaserne sein heute bekanntestes Werk, die Österreichisch-Ungarische Bank – umgesetzt wurde allerdings nur das Druckereigebäude (seit 1918 Sitz der Österreichischen Nationalbank, Wien 9., Otto Wagner Platz 3). Der riesige Bankpalast sowie die geplante Umgestaltung des gesamten Viertels zwischen Alser Straße, Spitalgasse, Sensengasse und Währinger Straße, das durch Abriss von AKH, Garnisonsspital, Offiziersspitals freigemacht werden sollte, kam nicht mehr zur Umsetzung. Heute befinden sich in den erhalten gebliebenen denkmalgeschützten historischen Gebäuden der Campus der Universität Wien sowie große Teil des Campus der Medizin Universität Wien.

Bauer kam nach dem Zusammenbruch der Monarchie und Verlust seiner Professur ab 1918/19 in ökonomische Schwierigkeiten und widmete sich verstärkt der Publizistik, der Planung von Industriebauten, Warenhäuser (Erweiterung des Kaufhauses Gerngroß) und Arbeiter-Wohnbauten im „Roten Wien“ (obwohl er politisch gegen die Sozialdemokratie opponierte) und errichtete etwa 1925–1927 den Vogelweidhof in Wien 15. (Hütteldorfer Straße 2a / Wurzbachgasse 2-8 / Sorbaitgasse 3), und 1929–1932 den Paul-Speiser-Hof in Wien 21. (Franklinstraße 20 / Freytaggasse 1–9  u. 2–14, 3.Bauteil).

Politisch kandidierte er in Wien für die bürgerlich-demokratische Arbeitspartei, und stand dem Nationalsozialismus anfangs eher ablehnend g gegenüber, stellte ab nach dem „Anschluss“ im März 1938 einen Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP und versuchte sich als langgedienter Nationalsozialist anzubiedern. Er starb aber mit 66 Jahren im Oktober 1938 in Wien, bevor sein NSDAP-Mitgliedschaftsantrag bearbeitet werden konnte.

Mitgliedschaften

Neben der Mitgliedschaft in der Secession (ab Gründung bis Auflösung 1900-1938) war er auch Mitglied der Gesellschaft österreichischer Architekten (ab 1906), der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs (ab 1907), des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins (ab 1909) und der Wiener Bauhütte (ab 1915).

Ehrungen - Universität Wien 1936 und 1998

Er war mehrfach ausgezeichnet worden, u.a. 1904 mit der Goldenen Medaille der Weltausstellung St. Louis/USA, 1913 mit der Goldenen Medaille der Stadt Leipzig (anlässlich der Baufachausstellung), 1915 wurde er zum Oberbaurat ernannt und wurde ab 1921 Mitglied des Verwaltungsrats mehrere Aktiengesellschaften wie etwa der Dianabad-A.G., der Austro-Belgischen Eisenbahn-A.G., der „Ghaza“ Zigarettenhülsen- und Papierfabrik A.G. und der Allgemeinen Bau-A.G., Leoben und er war auch Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Städtebau.

Im Austrofaschismus regte der Vorsitzende des Kunstausschusses der Universität Wien, der Mediziner Prof. Gustav Riehl sen., im Juni 1936 an, das Ehrenzeichen der Universität Wien an Leopold Bauer und seine zwei Kollegen als langjährigen Kunstbeiräte der Universität Wien zu verleihen, alle aktive oder ehemalige Professoren der Akademie der bildenden Künste: Prof. Leopold Bauer weniger für seine Stadtviertelgestaltung nach dem geplanten Abriss der Universitätskliniken und des alten AKH sondern vielmehr für seine Leistung bei der originalgetreuen Renovierung der unerkennbar gewordenen goldenen Sgrafitti von Ferstl an der Rückseite der Universitätsbibliothek 1929 und auch für seine Entwürfe für den Bau eines AudiMax, das dann 1936 durch Überbauung des Hof VI errichtet wurde, sowie für seine Beratertätigkeit bei den Denkmälern im Arkadenhof, wo u.a. auch den Sockel zur Büste des Juristen Franz Klein 1936/37 entwarf). Neben ihm wurde auch Josef Müllner ausgezeichnet, der Bildhauer des Kriegerdenkmals „Siegfriedskopf“ (1916, 1923 in der Aula aufgestellt) und des Karl-Lueger-Denkmals (1916, enthüllt 1926), und Rudolf Bacher, der 1927/28 die neu erfundenen Talare für die Würdenträger der Universität Wien entwarf, als diese Amtstracht 1928 eingeführt wurde. Am 27. Juni 1936 stimmte der Senat einstimmig dafür, die drei mit dem Ehrenzeichen auf rot-weiß-rotem Commandeurband montiert auszuzeichnen. Leopold Bauer wurde es aus Termingründen von Rektor Oswald Menghin erst am 21. September 1936 überreicht.

Weiters wurde Leopold Bauer geehrt, als beim Umbau des Alten AKH zum Campus der Universität Wien (1992–1998) der Weg zur Ost-West-Erschließung des Areals nach ihm „Leopold-Bauer-Weg“ benannt wurde: Er führt von der Währinger Straße, am neuen Banknotendruckereigebäude und am alten „Narrenturm“ vorbei über eine Stiege in den Hof 10 hinunter und dort in die Spitalgasse 4 (beim Denkmal „Marpe Lanefesch“ im Hof 6 kreuzt er den “Viktor-E.Frankl-Weg“, der die Nord-Süd-Erschließung darstellt). Die Universität hat im Zuge der Öffnung und Erschließung des Areals diese beiden Wegebezeichnungen bei der Eröffnung des Campus 1998 vergeben, die sich auf dem Privatgrund der Universität Wien befinden und daher nicht im Wiener Straßenverzeichnis auftauchen. Ob die Begründung eher darin lag, den Architekten der alten Nationalbankdruckerei bei den neuen Banknotendruckerei zu ehren oder eher in Erinnerung daran, dass sein Konzept für den Totalabriss des gesamten Viertels nicht umgesetzt wurde, muss Spekulation bleiben, da die Begründung der Benennung aus den Akten nicht hervorgeht.

Schriften

Zu seinen Schriften zählen u.a.

Sein Nachlass befindet sich in der Albertina, Wien und ein Teilnachlass im Archiv der Akademie der bildenden Künste Wien

Weblinks
> Wien Geschichte Wiki
> Wikipedia: Leopold Bauer (Architekt)
> Österreichisches biographisches Lexikon: Leopold Bauer
> Architekturzentrum Wien: Architektenlexikon: Lepold Bauer

Archiv der Universität Wien, R 34.4: Ehrenbuch 1921-1959, Senat S 91.8

Herbert Posch

Zuletzt aktualisiert am 10.04.2024 - 18:27

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