Takaharu Mitsui

10.7.1900 – 19.5.1983

Industriemagnat, Finanzier der Japanologie an der Universität Wien im Austrofaschismus und Nationalsoizialismus, Philatelist

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
EhrensenatorIn sen.h.c. 1943/44 (aufgehoben 1945)

Für die Bereitstellung der Baugründe und Geldmittel zur Errichtung eines Deutschen Kulturinstituts in Tokio sollte ihm auf dringenden Wunsch des Aussenministeriums des Dritten Reichs von der Universität Wien die Würde eines Ehrensenators verliehen werden, was binnen kürzestem am 27. April 1943 erfolgte. Sein Diplom wurde ihm vom Botschafter des Dritten Reichs in Tokio überreicht:

"... als Anerkennung dafür, daß er durch die im Jahre 1939 von ihm begründete und bis zum Jahre 1942 weitergeführte Stiftung die Einrichtung des Instituts für Japankunde an der Universität Wien ermöglicht und damit die Grundlage für die wissenschaftliche Beschäftigung mit japanischer Sprache, Literatur und Kultur geschaffen hat wodurch er die Universität Wien zu einer Pflegestätte inniger und wertvoller Kulturbeziehungen zwischen Japan und dem Deutschen Reich machte" (Wortlaut Diplom)

Er war der siebente und letzte Ehrensenator der Universität Wien im Nationalsozialismus. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschloss der Senat der Universität Wien am 19. Mai 1945 ohne inhaltliche Diskussion die Ehrensenator-Ernennungen aus der NS-Zeit alle wieder aufzuheben, da „die österreichischen Bestimmungen die Ernennung von Ehrensenatoren nicht vorgesehen haben“. Das Unterrichtsamt wurde verständigt und stimmte dem Antrag zu, die Träger der aufgehobenen Ehrensenatorentitel wurden jedoch explizit nicht davon informiert.

Baron Takaharu Mitsui (三井 高陽, Mitsui Takaharu) war Briefmarkensammler und Grossindustrieller. Er besaß Zink-Minen und -Hütten bei Omuta auf der Insel Kyushu, wo während des Zweiten Weltkrieges alliierte Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit herangezogen wurden und viele die brutale Behandlung im Lager Fukuoka 17 nicht überlebten. Baron Mitsui wurde aber nicht als Kriegsverbrecher verurteilt. Bekannt wurde vielmehr als Philatelist und Briefmarkensammler (Japan, aber auch Deutschland und Österreich). Er publizierte und forschte auch im Bereich der Philatelie und des militärischen und zivilen Postwesens generell, gründete schon 1923 das "Japanese Journal of Timbrology" und war auch als Berater des Japanischen Kommunikations- und Postministeriums tätig.

Er hatte bereits im Austrofaschismus die Gründung eines Japan-Instituts 1938 an der Universität Wien zugesagt, dieses wurde dann aber erst im Nationalsozialismus umgesetzt. Mitsui finanzierte Institut, Bibliothek und Gehälter im Rahmen der Takaharu-Mitsui-Stiftung vollständig. Da er auch Vorsitzender der Deutsch-Japanischen Freundschaftsgesellschaft in Tokio war und dort die Errichtung eines Großbaus mit Geld und zur Verfügung Stellung der Grundstücke unterstützte forderte das Aussenministerium des Deutschen Reichs in Berlin die Universität Wien auf, ihm umgehend die Würde eines Ehrensenators oder Ehrendoktors zu verleihen, was dann auch rasch am 27. April 1943 erfolgte. Das Diplom wurde an das Aussenministerium in Berlin geschickt und vom Deutschen Botschafter in Tokio an Baron Takaharu Mitsui überreicht:

"als Anerkennung dafür, daß er durch die im Jahre 1939 von ihm begründete und bis zum Jahre 1942 weitergeführte Stiftung die Einrichtung des Instituts für Japankunde an der Universität Wien ermöglicht und damit die Grundlage für die wissenschaftliche Beschäftigung mit japanischer Sprache, Literatur und Kultur geschaffen hat wodurch er die Universität Wien zu einer Pflegestätte inniger und wertvoller Kulturbeziehungen zwischen Japan und dem Deutschen Reich machte" (Wortlaut Diplom)

Nach sechs ehemaligen Professoren der Universität – Othenio Abel, Wenzel Gleispach, Karl Gottfried Hugelmann, Max Layer, Fritz Machatschek und Hans Uebersberger (alle 1941) – war er der siebente und letzte Ehrensenator der Universität Wien im Nationalsozialismus. Die Ehrungsform des „Ehrensenators“ war erst 1938 infolge des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich durch die Übernahme der deutschen Hochschulgesetze eingeführt worden und wurde während des Nationalsozialismus nur an diese sieben Personen verliehen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschloss der Senat der Universität Wien in seiner Sitzung vom 19. Mai 1945 diese Ernennungen aus der NS-Zeit alle wieder aufzuheben, da „die österreichischen Bestimmungen die Ernennung von Ehrensenatoren nicht vorgesehen haben“. Das Unterrichtsamt wurde verständigt und stimmte dem Antrag zu, die Träger der aufgehobenen Ehrensenatorentitel wurden jedoch nicht benachrichtigt.

1965 wurde Takaharu Mitsui als "Ehrenbürger der Universität Wien" auch als Ehrengast zum 600-Jahr-Jubiläum der Universität Wien eingeladen. Dass er eigentlich Ehrensenator war - diese Ehrung war zwar 1945 abgeschafft, aber 1955 wieder eingeführt worden - war ebenso in Vergessenheit geraten wie die heimliche Aberkennung dieser Ehrung 1945. Seit einem Staatsbesuch des österreichischen Bundeskanzlers Leopold Figl in Japan 1959 war bereits zugesagt, dass das von Mitsui 1938 gegründete Institut für Japanologie an der Universität Wien (das nach 1945 nur als japanologische Abteilung des Instituts für Völkerkunde existierte) wiedererichtet werden soll, was eben im Jubiläumsjahr 1965 erfolgte.

Als Stifter und Finanzier des ersten Japanologie-Instituts der Universität Wien 1938-1945 zierte Mitsuis Porträt auch den Seminarraum des 1965 wiedererrichteten Instituts für Japanologie in der Universitätsstraße (und noch nach der Übersiedelung in den Campus bis in die 2000er Jahre hinein).

Takaharu Mitsui starb 1983 und wird seit 1984 in der American Philatelic Society Hall of Fame geehrt.

Archiv der Universität Wien Rektorat GZ 592 ex 1942/43, GZ 464 ex 1944/45

Katharina Kniefacz, Herbert Posch

Zuletzt aktualisiert am 11.03.2020 - 18:13

  • Takaharu Mitsui

    BestandgeberIn: Universität Wien, Institut für Ostasienwissenschaften, Abteilung Japanologie

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