Das Josephinum

Eine Schöpfung des aufgeklärten Absolutismus
1785–21.Jhdt

1785 ließ Joseph II. den von Isidor Ganneval entworfenen Neubau für die  medizinisch-chirurgische Josephs-Akademie feierlich eröffnen. Heute beherbergt das Josephinum in der Währinger Straße 25 die Sammlungen der Medizinischen Universität Wien, darunter die berühmte Wachsfigurensammlung und die Josephinische Bibliothek.

Die Josephinische Schöpfung „Academia Medico-Chirurgica Viennensis“ ist Sinnbild der ideengeschichtlichen Entwicklungen im Zeitalter der Aufklärung. Sowohl in institutioneller als auch städtebaulicher Hinsicht spiegelt sie die Reformierung des Gesundheitswesens unter Joseph II. wieder. Dem vorausgegangen waren der offenkundige Mangel an einer adäquaten theoretischen und praktischen Ausbildung und die fehlende Professionalisierung von Ärzten innerhalb der Armee. Die Entstehung der Gesundheitspolitik des 18. Jahrhunderts sieht Michel Foucault als eines der essentiellen Ziele politischer Macht. Teilbereich dessen war die medizinisch-chirurgische Versorgung der Armee in Kriegs- und Friedenszeiten.

Die Josephs-Akademie fügt sich ein in das gesamteuropäische Bild der Entstehung von Zentren chirurgischer Ausbildung im zivilen respektive militärischen Bereich. Hervorzuheben sind das Theatrum Anatomicum 1713 bzw. das Collegium medico-chirurgicum 1713/24 in Berlin, aber auch die Société académique de Chirurgie 1731 in Paris, die 1743 zur Académie royale de Chirurgie ernannt wurde.

Das Reformwerk Josephs II. in der Habsburgermonarchie wurde eingeleitet durch die theresianischen Reformen des Medizinstudiums der 1750er Jahre unter Gerard van Swieten. Die bereits von ihm vorgeschlagene Einführung eines „Collegium chirurgicum“ wurde zwar nicht realisiert, jedoch war ein Kernpunkt der Reformen van Swietens die auf die medizinische Praxis abzielende Einführung des klinischen Unterrichts. Dies mündete unter anderem in die theresianische Gründung der „Lehranstalt für die Behandlung der inneren Krankheiten und zum Erlernen der Militär-Arzneimittel“ am Garnisonsspital in Gumpendorf 1775. Mit der Verortung der Josephs-Akademie als Schmiede angehender Militärärzte und Wundärzte in die Nähe des zeitgleich errichteten Militärspitals (Garnisonsspital), aber auch des 1784 eröffneten Allgemeinen Krankenhauses, wurde am Alsergrund ein Gebäudekomplex erschaffen, der das josephinische Zeitalter in das Wiener Stadtbild eingeschrieben hat.

Das Josephinum wurde als repräsentativer Prachtbau im Stil des Spätbarocks in den Jahren 1783 bis 1785 nach den Plänen des Hofarchitekten Isidor Ganneval (1730–1786) errichtet. Einer der wichtigsten Akteure rund um die Gründung und die ersten Jahre der Josephs-Akademie war Giovanni Alessandro Brambilla (1728–1800), Leibchirurg Josephs II. und Leiter des gesamten österreichischen Militärsanitätswesens. In der von ihm verfassten Instruktion der Josephs-Akademie wurde festgelegt, dass sich das Gremium der wirklichen Mitglieder unter anderem aus Professoren der Medizinischen Fakultät zusammensetzen sollte. Die Zöglinge konnten den Titel eines Magisters bzw. Doktors der Chirurgie erwerben. In beiden Fällen musste neben dem Studium auch eine mehrjährige Spitalserfahrung nachgewiesen werden. Voraussetzung für das Doktoratsstudium an der Josephs-Akademie war die Promotion zum Magister der Philosophie an der Universität. Die Josephs-Akademie war also sowohl durch die von Universitätsprofessoren abgehaltene Lehre als auch durch die universitäre Ausbildung ihrer Professoren und Zöglinge eng mit der Universität verwoben.

Für die Lehre an der Josephs-Akademie wurden Lehrstoff und -bücher festgelegt. Man berief Professoren für Anatomie, Pathologie, chirurgische Operationen, Botanik, Chemie, theoretische und praktische Medizin sowie einen Prosektor an die Josephs-Akademie. Um den Unterricht der Anatomie so anschaulich wie möglich zu gestalten, gab Joseph II. in Florenz die Herstellung einer Sammlung anatomischer Wachsmodelle in Auftrag, die noch heute die Räume des Josephinums zieren und die absoluten Prunkstücke der medizinhistorischen Sammlungen darstellen.

1795 wurde die Ausbildung und Verwaltung der Josephs-Akademie grundlegend reformiert. Jedoch war ein fortwährender Kritikpunkt die Trennung der medizinischen Ausbildung an Universität und Akademie. Vermutlich ab 1817/18 wurden keine Zöglinge mehr an der Josephs-Akademie aufgenommen, ein Zustand, der bis zur Wiedereröffnung am 6. November 1824 anhielt. Diese Phase ging mit einer neuerlichen Reformierung der Josephs-Akademie einher, welche eine weitere Ausdifferenzierung des Studienplanes und der abschließenden Prüfungen sowie die Gleichstellung des Doktoratsstudiums mit jenem der Universität umfasste.

Im Zuge der Revolution 1848 wurde die Josephs-Akademie am 6. Oktober offiziell geschlossen und am 20. Jänner 1849 durch ein Ministerialdekret aufgelassen. Die Wiener Universität übernahm das Josephinum samt seiner Sammlungen und führte die Josephs-Akademie nun unter dem Namen „Feldärztliches Institut“. In dieser Zeit wurden im Josephinum auch Vorlesungen der medizinischen Fakultät abgehalten. Dieser Zustand währte jedoch nicht lange, die Josephs-Akademie wurde mit der Wiedereröffnung am 23. Oktober 1854 erneut als von der Universität unabhängiges Institut geführt und zwar laut Reichsgesetzblatt “nach demselben Studienplane, wie an den Universitäten und beziehungsweise den medicinisch-chirurgischen Lehranstalten der Monarchie, jedoch mit stetem Hinblicke auf die künftige militärische Bestimmung ihrer Zöglinge.“

Die Gründe für die nach längerem Hin und Her erfolgte endgültige Schließung der Josephs-Akademie 1874 waren vielseitig. In ihrem Standardwerk zur Geschichte der Josephs-Akademie hebt Brigitte Lohff neben der fortwährenden Kritik an den hohen Kosten hervor, dass die Medizinabsolventen der Universität durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1868 nun auch die stets geforderte militärische Praxis nachweisen konnten. Zu guter Letzt war man durch die Kriege von 1859 und 1866 zu der Erkenntnis gelangt, dass die Anzahl der ausgebildeten Ärzte an der Josephs-Akademie besonders in Kriegszeiten nicht für die Versorgung des Heeres ausreichte.

Nach der Schließung der Josephs-Akademie wurde das Josephinum bis zum Ende des Ersten Weltkriegs dem Garnisonsspital unterstellt, danach kam neuerlich die Universität Wien zum Zug. Das Josephinum beherbergte in der Folgezeit das Institut für die Geschichte der Medizin, das die Sammlungsbestände der Josephs-Akademie weiter verwaltete. Diese sind der Öffentlichkeit heute als Sammlungen der Medizinischen Universität Wien in den historischen Räumlichkeiten des Josephinums zugänglich.

> Webauftritt des Josephinum - Sammlungen der Medizinischen Universität Wien
> Josephinum bei Wien Geschichte Wiki