Nobelpreis und Universität Wien

Gruppenbild mit Fragezeichen
29.6.2006

Neun Wissenschafter, die mit der Universität Wien durch Forschung oder Lehre verbunden waren, wurden mit dem Nobelpreis, der wohl angesehensten internationalen Auszeichnung auf dem Gebiet der Wissenschaft, geehrt: Robert Bárány, Julius Wagner-Jauregg, Hans Fischer, Karl Landsteiner, Erwin Schrödinger, Viktor Franz Hess, Otto Loewi, Konrad Lorenz und Friedrich August von Hayek.
Im Zuge des Umbaus und der Sanierung von Aula, Seitenaulen und Arkadenhof der Universität Wien 2003-2006 wurden für die Porträtbildnisse der Nobelpreisträger eine neue Präsentationsform und ein neuer Ort gewählt und am 29. Juni 2006 eröffnet.

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Nobelpreis

Der von dem schwedischen Industriellen und Erfinder Alfred Nobel gestiftete prestigereiche Nobelpreis wird alljährlich an WissenschaftlerInnen (Physik, Chemie und Medizin), LiteratInnen oder Förderer des Weltfriedens verliehen. Obwohl der Preis eine Auszeichnung für eine herausragende wissenschaftliche Leistung darstellt, strahlt das Prestige auch auf die Institute und Hochschulen, mit denen die Geehrten in Verbindung stehen, zurück. Seit 1969 verleiht die schwedische Reichsbank zudem den Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften, der gemeinhin auch als "Nobelpreis" verstanden wird.

Kunstinstallation

Die Installation "Nobelpreis und Universität Wien – Gruppenbild mit Fragezeichen" befindet sich in der linken Seitennische der Aula im Hauptgebäudes. Die Nobelpreisträger werden nicht als "versteinerte" Büsten dargestellt, sondern ihre Porträts in unterschiedlich hohen Glasstelen präsentiert.

Mit der künstlerischen Konzeption und technischen Ausführung wurden die KünstlerInnen Bele Marx & Gilles Mussard (Atelier Photoglas) beauftragt. Die Installation wurde mit Roger Baumeister, dem beauftragten Architekten für die Neugestaltung des Hauptgebäudes der Universität sowie dem Institut für Zeitgeschichte erarbeitet.

Die leere Stele mit dem Fragezeichen bildet das Zentrum der Installation. Sie ist Platzhalterin für all jene WissenschaftlerInnen, die im Nationalsozialismus vertrieben wurden und somit ihre Forschungen an dieser Universität nicht weiterführen konnten. Sie verkörpert aber auch die Leerstelle an sich, die für die Universität Wien bleibt, da so gut wie nichts unternommen wurde um die Vetriebenen nach 1945 wieder für die Forschung an der Universität zurückzugewinnen.

Seit 2006 werden Nobelpreis und Universität Wien – Gruppenbild mit Fragezeichen in dieser neuen künstlerischen Form präsentiert. Der Titel verweist auf fehlende Frauen, in Analogie zu Heinrich Böll‘s Roman „Gruppenbild mit Dame“.

Gabriele Ruff hielt im Pressetext fest, dass

"die Komposition der Bildnisse ein wesentliches Raum bildendes Element [war]. Einerseits schließen die verschiedenen Blickrichtungen das Gruppenbild und bekunden werkimmanente Einheit, andererseits ermöglichen sie dem/r BetrachterIn von unterschiedlichen Standpunkten aus, sowohl mit einem Einzelbildnis als auch mit der gesamten Bildnisgruppe zu korrespondieren. In der rhythmischen Abfolge von oben und unten, davor und dahinter in der Aufstellung wird eine Dynamik bewirkt, die dem Aufstellungsort grundsätzlich entspricht, denn der Eingangsbereich zählt zu den meist frequentierten Bereichen des Gebäudes, er ist Verteiler aber auch Versammlungsort.
Lampen im Sockelunterbau dienen der gezielten Licht-Schatten-Inszenierung. Die Wandnische übernimmt einen dualen Aspekt in der Aufstellung, sie ist sowohl Rahmen als auch erweiterter Kunstraum, begrenzender Hintergrund, als auch aktive Fläche für die fluktuierenden Schatten-Bild-Projektionen. Das Inkorporieren der durchsichtigen Bildvorlage in Glas verstärkt die „Sichtbarmachung“ des Sujets. Mit der gewonnenen Plastizität einerseits und der transparenten Verpackung der Fotografien andererseits, wird den Portraitbildnissen eine zeitgemäße Präsentationsform verliehen, die eine Möglichkeit herausfordert, die Immobilität des Repräsentationsporträts zu überwinden.
Die Porträtierten selbst sind in ihrem jeweiligen Zeitkontext und unterschiedlichen Lebensalter zu sehen. Sie konfrontieren den/die BetrachterInnen mit einer zeitlichen Distanz und mit einer gewissen Strenge und Würde. Der Gruppenbild-Inszenierung gelingt es, die Distanz zum/r BetrachterIn zu relativieren.
Wesentlich dabei ist die Unmittelbarkeit in der Aussage, das bildliche Vergegenwärtigen von außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen in der Vergangenheit, die ebengleich als Motivation für die Zukunft gesehen werden können."
Gabriele Ruff

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