Gedenkjahr 2018

1848–2018

Im Jahr 2018 jähren sich mehrere einschneidende historische Ereignisse, die die jüngere europäische Geschichte nachhaltig geprägt haben. Für die Republik Österreich und im speziellen auch für die Universität Wien haben diese Jahrestage eine besondere Bedeutung, die sich auch in der Fülle an Veranstaltungen, die dieses Jahr stattfinden, zeigt.

Nähere Informationen zu den geplanten Veranstaltungen im Medienportal der Universität Wien:
Dies Academicus 2018
Gedenkjahr 2018

1848 – Die Universität Wien und die Revolution

Die Pariser Februarrevolution 1848 setzte ein Signal für ganz Europa. Ein großer Teil der Studentenschaft sowie einige Professoren und Doktoren der Wiener Universität waren wesentliche Akteure der Wiener Revolution von 1848. Eine Petition mit den studentischen Forderungen wurde am 12. März 1848 dem Kaiser übergeben. Man verlangte Pressefreiheit, Reform des höheren Unterrichts mit Lehr- und Lernfreiheit, gleiche staatsbürgerliche Rechte für Angehörige aller Konfessionen, Öffentlichkeit und Mündlichkeit des Gerichtsverfahrens und die Schaffung einer allgemeinen Volksvertretung.
Die Revolution geriet schon bald in die Defensive. Am 24. Mai 1848 wurde der Studienbetrieb eingestellt. Im Oktober besetzte das Militär das Universitätsgebäude, und die Akademische Legion wurde aufgelöst. Erst im März 1849 konnte der Studienbetrieb wieder aufgenommen werden, allerdings in weit verstreuten Gebäuden, da die Regierung die Konzentration von Studierenden innerhalb der Stadtmauern aus Angst vor einem Wiederaufflammen der Revolution vermeiden wollte.

1918 – Die Gründung der Republik Österreich

Das Ende des Ersten Weltkriegs und der Zerfall der Habsburger-Monarchie bedeutete für Europa eine grundlegende politische Neuordnung. Für die Republik Österreich, die am 12. November 1918 ausgerufen wurde, brachte die neue Staatsform der Demokratie u.a. gleiches Wahlrecht für Frauen und Männer, 1919 erhielten Frauen auch den Zugang zur Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät. An der Universität Wien nahmen die Studierendenzahlen, die infolge des Krieges eingebrochen waren, 1918 rasch wieder zu. Die Universität litt in der Nachkriegszeit jedoch unter massiven finanziellen Schwierigkeiten, die nur durch Hilfeleistungen aus dem Ausland bewältigt werden konnten. Aus diesem Anlass wurde an der Universität Wien das Ehrenzeichen als Auszeichnung für solche Persönlichkeiten, die der Universität „hervorragende materielle Förderungen“ zukommen ließen, begründet.
Nach der Gründung der Republik Österreich entstanden an den Hochschulen sozialistische, liberale sowie katholische und deutschnationale Studentenorganisationen, wobei sich letztere (Burschenschaften und CV) zur „Deutschen Studentenschaft“ zusammenschlossen. In der Zwischenkriegszeit wurden katholisch- und deutschnationale Eliten tonangebend, die durch eigene Professorennetzwerke sowie gewalttätige Ausschreitungen ihnen nahestehender Studierender gegen jüdische und linke KollegInnen für die öffentliche Durchsetzung ihrer antisemitischen Ziele sorgten.

1938 – Der „Anschluss“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich

Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde die Universität Wien radikal und in kürzester Zeit nach dem „Führerprinzip“ umgestaltet. „Selbstgleichschaltung“ der Universitätsangehörigen, unter denen antisemitisches, deutschnationales und antidemokratisches Gedankengut bereits zuvor weit verbreitet gewesen war, und „Gleichschaltung“ durch die neuen Machthaber gingen Hand in Hand und ergänzten einander. Innerhalb weniger Monate wurden über 2.700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität Wien vertrieben, einige dieser Lehrenden und Studierenden auch aus „politischen“ Gründen. Die Vertreibung ging rasch vonstatten und verlief unter reger Beteiligung der NS-nahen Studierenden, Beamten und Professoren. Nach dem Novemberpogrom waren jüdische Studierende generell vom Hochschulbesuch ausgeschlossen, sodass die österreichischen Hochschulen Ende 1938 als „judenfrei“ galten. Viele der Vertriebenen wurden später in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und dort ermordet, andere mussten in der Emigration ein neues Leben beginnen oder sahen sich gezwungen, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen. 

1968 – Studentenproteste

Die Ereignisse des Jahres 1968 markierten weltweit den Beginn umfassender gesellschaftlicher, kultureller und politischer Veränderungsprozesse. Auf internationaler Ebene erregten besonders der Höhe- und Wendepunkt des Vietnamkriegs Aufmerksamkeit und Proteste. In Europa fachten zusätzlich das missglückte Attentat auf Rudi Dutschke, einen der bekanntesten Vertreter der deutschen Studentenbewegung, sowie die Niederschlagung des „Prager Frühlings“ die Proteststimmung unter Jugendlichen und vor allem unter den Studierenden an. In Paris mündeten Studentendemonstrationen teils in blutigen Straßenschlachten mit der Polizei und in einem Generalstreik, nachdem die Gewerkschaften sich mit den Studierenden solidarisiert hatten.
In Österreich verlief das Jahr 1968 deutlich ruhiger als in anderen europäischen Ländern. Neben Solidaritätskundgebungen für Rudi Dutschke und Demonstrationen zu allgemeinen politischen Themen forderte die Studierendenbewegung in Wien vor allem mehr Mitbestimmung und Demokratisierung an den Universitäten. Die aufsehenerregendste Aktion „Kunst und Revolution“ wurde am 7. Juni 1968 im Neuen Institutsgebäude von den Aktionisten Günter Brus, Otto Mühl, Peter Weibel und Oswald Wiener veranstaltet – Studierende waren daran nicht beteiligt. Im Oktober führten Studentenproteste bei der feierlichen Inauguration des neuen Rektors zur Abschaffung dieser akademischen Tradition für mehr als zwei Jahrzehnte.

1988 – Das „Bedenkjahr“ und der Beginn der Aufarbeitung der NS-Geschichte

50 Jahre nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich setzte mit dem „Bedenkjahr“ 1988 eine umfassende Debatte um den Umgang Österreichs mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit und die Selbstinszenierung als „erstes Opfer des Nationalsozialismus“ ein, die auch die Universität Wien betraf. Eine der wichtigsten frühen Initiativen zur Aufarbeitung ihrer Geschichte während des Nationalsozialismus, die sich dem Engagement einzelner HistorikerInnen verdankte, war die Ringvorlesung „Die Universität Wien 1938–1945“ (1988), die in der Publikation „Willfährige Wissenschaft“ mündete.
1988 wurde jedoch auch die Basis für zwei zukunftsweisende universitäre Großprojekte gelegt, die die räumliche Notlage der wachsenden Universität langfristig lindern sollte: Eine Kooperationsvereinbarung mehrere Institute der Universität Wien mit dem Institut für Molekulare Pathologe, die die Grundlage für das später errichtete Campus Vienna Biocenter (VBC) bildete, sowie die Schenkung des Areals des alten Allgemeinen Krankenhauses durch die Stadt Wien an die Universität.

1998 – Die Eröffnung des Campus der Universität Wien

Nach zehn Jahren Planungs- und Bauzeit konnte das 96.000m2 große Gelände des ehemaligen AKH am 16. Oktober 1998 als neuer Campus der Universität Wien eröffnet werden. Ein großer Teil der 24 Durchgänge des neuen Campus wurde als „Tore der Erinnerung“ im Nationalsozialismus vertriebenen Lehrenden gewidmet, weitere Gedenkprojekte folgten.
Zum 20-Jahr-Jubiläum präsentiert die Universität Wien ein breites Veranstaltungsprogramm, um den Campus nachhaltig als Wissenschafts- und Kommunikationstreffpunkt zu etablieren.

Veranstaltungen der Universität Wien 2018

Eines der herausragendsten Ereignisse des Gedenkjahres 2018 wird sicherlich die Eröffnung des Hauses der Geschichte Österreich am Heldenplatz darstellen, die um den Jahrestag der Gründung der Ersten Republik Anfang November 2018 stattfinden soll.

Auch die Universität Wien setzt sich im Gedenkjahr 2018 mit der Zeitgeschichte Österreichs auseinander:

So stand etwa der Dies Academicus am 12. März 2018 im Zeichen des Gedenkjahres. Bereits am 9. März fand eine Würdigungsstunde mit Film-Vorführung für zwölf Wiener Holocaust-Überlebende statt. Gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien veranstaltete die Universität Wien am 12. und 13. März 2018 die internationale Tagung „‚Anschluss‘ im März 1938: Nachwirkungen auf Medizin und Gesellschaft“, im Zuge derer im Josephinum, den Sammlungen der MedUni Wien, die Ausstellung „80 Jahre ‚Anschluss‘: Die Wiener Medizinische Fakultät 1938 bis 1945“ eröffnet wurde. Am 13. März wurde an der Fakultät für Chemie im Beisein von Robert A. Shaw und Isaac P. Witz, denen am Tag zuvor die Ehrendoktorwürde der Universität Wien verliehen wurde, eine neue Gedenkwand enthüllt.
Von 5. bis 7. April 2018 veranstaltete das Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien den „Zeitgeschichtetag 2018“ unter dem Motto „Geschichte wird gemacht“, der sich zwar nicht exklusiv den runden Jahrestagen dieses Jahres widmete, sich jedoch auch diesen wichtigen Zäsuren der österreichischen Zeitgeschichte zuwendete.
Von 4. bis 7. September 2018 befasst sich die Tagung „1918-1938-2018: Dawn of an authoritarian century? / 1918-1938-2018: Beginnt ein autoritäres Jahrhundert?“, die von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien veranstaltet wird, zwei der Jahrestage des Gedenkjahres.

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